Landesjugendorchester bei der "Scheherazade" in Hochform

Hamburg. Schreck in der Abendstunde: Gleich in den ersten Takten nach der getragenen Einleitung zum Kopfsatz der "Linzer Sinfonie" von Mozart sank eine Zweite Geige des Landesjugendorchesters ohnmächtig vom Stuhl. Die Aufführung wurde unterbrochen, im Publikum anwesende Ärzte kümmerten sich um das Mädchen und geleiteten es schließlich hinaus. Nichts Ernstes, gottlob. Die junge Musikerin ist wieder wohlauf.

Der kleine Schockmoment entfaltete dann seinen eigenen Segen. Das in den Streichern für Mozart allzu üppig besetzte Orchester spielte nach dem Neubeginn vom Fleck weg besser zusammen. Jeder schien jetzt noch dichter an der Stuhlkante zu sitzen. Dabei stärkt der Chefdirigent Fausto Fungaroli durch seine inzwischen sparsamer gewordene Zeichengebung ohnehin schon die Eigenverantwortung der jungen Musiker. Im Menuett nahm er sich passagenweise so weit zurück, dass er mehr zum Zuhörer als zum Motor des Geschehens zu werden schien.

Mit verblüffender rhythmischer Präzision und klanglich sehr differenziert musizierten die jungen Leute dann die "Scheherazade" von Rimski-Korsakow. Wer sich bis dahin noch gewundert haben mochte, dass das Landesjugendorchester kein Solokonzert präsentierte, sondern sich allein auf die Anziehungskraft des Kollektivs verließ, sah sich in den durchs ganze Stück wandernden Solopassagen der Konzertmeisterin Johanna Röhrig eines Besseren belehrt. Auch wenn sie als Erste unter Gleichen agierte, hatte ihr Zugriff auf die Violine durchaus solistisches Format. Nur eins fehlte dieser bislang stärksten Leistung des Orchesters unter Fungaroli: ein voller Saal. Die Anwesenden jubelten dafür doppelt.

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