Ausstellung und Auktion

Künstler malen Blutbilder für den guten Zweck

Foto: Springer & Jacoby Transfer Server

Richter, Meese und Duwe - Prominente spenden Werke, damit Krebskranken im UKE besser geholfen werden kann.

Hamburg. "Keine Panik. Wir packen das schon", prostet Udo Lindenberg auf einem Selbstporträt in bekannter Manier mit einem Likörgläschen zu. "Abstraktes Bild" nennt Gerhard Richter sachlich sein geheimnisvoll leuchtendes Werk in Öl auf Leinwand, während Jonathan Meese in babyrosafarbenen Buchstaben das Wort Love kraftvoll umhüllt mit schwarzen Pfeilen und rosa Tropfen. "Totale Erzmeldung: Totaler Metabolismus ist totales Blut ist totales Kapital", steht dort als kryptische Botschaft.

Drei inhaltlich und stilistisch vollkommen unterschiedliche Bilder, die alle einem guten Zweck dienen: Der Reinerlös ihrer Versteigerung geht an die Deutsche Krebshilfe zugunsten des Förderprojekts "Ausbau der Knochenmark- und Stammzelltransplantationsstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf".

"Blutbilder", unter diesem etwas martialischen Motto haben 24 bekannte Künstler, unter ihnen nicht nur Richter, Lindenberg und Meese, sondern Katharina Duwe, Gerda Maria Raschke und Oliver Jordan visualisierte Blutbilder von Mikroskopaufnahmen, die Ärzte für die Diagnostik verwenden, erhalten, um sie auf ihre Weise zu bearbeiten. Das Ergebnis wird vom 27. November bis zum 16. Dezember in der Haspa-Galerie am Großen Burstah zu sehen sein, gleichzeitig können bis zum 13. Dezember die Werke online ersteigert werden. Gerhard Richters Werk, er ist der derzeit teuerste lebende deutsche Künstler weltweit, ist dabei mit einem Mindestgebot von 100 000 Euro angesetzt, während zwei Udo-Porträts bei 10 500 Euro beginnen.

"Wir sind auf sehr menschliche, ganz spontane und positive Reaktionen gestoßen, als wir die Künstler ansprachen", sagt Ines Plog, Mit-Initiatorin dieser ersten spektakulären Kampagne, die der Vergrößerung der Knochenmark- und Stammzelltransplantationsstation am UKE dient, die viel zu wenige Betten hat - bei zunehmender Zahl von Patienten.

Ines Plog, lange Jahre Aufsichtsratsvorsitzende der Hamburg Media School, weiß wovon sie spricht. Seit fünf Jahren ist sie wegen des relativ seltenen, bei ihr diagnostizierten Knochenmarkkrebses dort in Behandlung. Sie geht offen mit ihrer Krankheit um und macht so ebenfalls Betroffenen Mut: "Ich will vermitteln, dass sich das Leben mit einer solchen Krankheit zwar fundamental verändert, dass es aber keineswegs so trostlos ist, wie es häufig dargestellt wird." Sie selbst ist, wie sie sagt, "durch die Mühlen der Transplantationsmedizin gegangen. Wenn man den unglaublich effektiven und leidenschaftlichen Einsatz von Ärzten und Pflegepersonal mitbekommt und wenn man sieht, unter welch erschwerten Umständen sie alle arbeiten, dann müssen wir etwas tun."

Mindestens 1,5 Millionen Euro erhofft sie sich mit ihren Mitstreitern, zu denen Medien- und Künstlerprominenz und Deutsche Krebshilfe zählt. Die Summe könnte zusammenkommen, weil hier Kunstwerke unter Umgehung von Galeristen und Auktionshäusern ohne Aufkosten ersteigert werden können. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust hat die Schirmherrschaft dieser einzigartigen Kampagne übernommen.

Mehr zur Kampagne "Blutbilder - Prominente und Künstler gegen Krebs" und zur Online-Versteigerung unter www.blut-bilder.de

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