Gedenken

Der 20 000. Stolperstein: Ein beispielloses Mahnmal

Die blinkenden Stolpersteine gegen das Vergessen sind in Hamburgs Straßen nicht zu übersehen. Der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig hat - im Vergleich zu anderen deutschen Städten - hier die meisten der kleinen Mahnmale aus gehärtetem Beton mit der zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatte verlegt.

Hamburg. Auch dank der engagierten Stolpersteine-Initiative von Peter Hess haben sich bisher 2720 Paten gefunden. "Demnig hat das größte dezentrale Kunstdenkmal zur Erinnerung an nationalsozialistische Opfer geschaffen", sagt Hess. "Es stiftet zum Dialog an, über äußere wie innere Grenzen hinweg, ermöglicht ein lebendiges, immer weitere Kreise ziehendes Gedenken."

Heute um 14.30 Uhr verlegt Gunter Demnig seinen 20 000. Stolperstein - im Grindelviertel, dem einstigen Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg. Er ist Irene Starke gewidmet. Sie wurde am 12. Februar 1943 als Sechsjährige mit ihrer Mutter Ruth und den älteren Schwestern Sulamith und Vera nach Auschwitz deportiert. Der Vater Martin Starke war - von der Familie getrennt - erst in Fuhlsbüttel inhaftiert und dann nach Auschwitz gebracht worden. Er hat als Einziger seiner Familie die Shoa überlebt und später berichtet, ein Freund habe im Konzentrationslager gesehen, wie seine Frau und die jüngste Tochter Irene gleich nach der Ankunft "für die Gaskammern aussortiert worden sind". Die Suche nach den beiden anderen Töchtern sei vergeblich geblieben. Pit Goldschmidt, Sohn aus Martin Starkes zweiter Ehe, wird zur Enthüllung der vier Stolpersteine für die Familie Starke am Grindelhof 43 erwartet. Auch Kultursenatorin Karin von Welck und Bezirksamtsleiter Jürgen Mantell haben sich angekündigt.

Demnigs mehrfach ausgezeichnetes Stolpersteine-Projekt hat sich über Deutschlands Grenzen ausgeweitet. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes ist zur Expo 2010 nach Shanghai eingeladen, um im deutschen Pavillon seinen künstlerischen Beitrag zur Erinnerungskultur vorzustellen. Stolpersteine setzen in über 400 Städten in Deutschland, Belgien, Österreich, Polen, Ungarn, der Ukraine und Niederlande Zeichen, die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht zu vergessen und der Opfer zu gedenken.

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