Felix Mendelssohn-Bartholdys Großmutter Fromet Mendelssohns Grab rekonstruiert

Foto: Stiftung Denkmalpflege Hamburg

Auf dem jüdischen Friedhof Altona liegt die Stammmutter der großen deutschen Familie begraben. Ihre Ruhestätte ist nun zugänglich.

Hamburg. Der Friedhof auf der Königstraße in Altona gehört zu den weltweit bedeutendsten jüdischen Begräbnisplätzen und gilt daher schon seit Jahren als ein möglicher Aspirant für das Unesco-Weltkulturerbe. Jetzt hat die von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg koordinierter Erforschung der teils zerstörten Gräber zur Wiederentdeckung der Grabstätte von Fromet Mendelssohn geführt.

Die letzte Ruhestätte der Frau des Philosophen Moses Mendelssohn, Mutter des Bankiers Abraham Mendelssohn und Großmutter der Komponisten und Musiker Fanny und Felix Mendelssohn-Bartholdy war nur noch in Fragmenten erhalten. Im Auftrag des Denkmalschutzamtes wurden die vorgefunden Bruchstücke restauriert, wieder zusammengefügt und teilweise ergänzt, sodass nun die Wiedereinweihung des Grabes am 7. Mai in einem öffentlichen Festakt in der Hauptkirche St. Trinitatis Altona stattfinden kann.

In der in hebräischer Sprache verfassten Grabinschrift wird Frommet Mendelssohn als Tochter des Kaufmanns Abraham Guggenheim und als Witwe "unseres Lehrers, des Meisters, Herrn Moshe Mendelssohn" bezeichnet – einen Hinweis auf die eigene Lebensleistung hielt man, wie bei Frauen damals allgemein üblich, für verzichtbar. Sie wurde lediglich als "züchtig" und "fromm" charakterisiert. Dabei war die am 6. Oktober 1737 geborene Hamburger Jüdin offenbar eine eindrucksvolle Persönlichkeit. "

Das Frauenzimmer, das ich zu heiraten Willens bin, hat kein Vermögen, ist weder schön noch gelehrt; gleichwohl bin ich ein verliebter Geck so sehr von ihr eingenommen, dass ich glaube, glücklich mit ihr leben zu können", schrieb Moses Mendelssohn im Mai 1761 an Lessing. Zweimal pro Woche schickten sich die Brautleute Briefe, in denen sie sich auch über literarische und sprachliche Fragen austauschten. "Es sind leider nicht viele Fakten über Fromet bekannt, wir können aber sicher davon ausgehen, dass sie mit ihren Begabungen bestens in die Intellektuellenfamilie Mendelssohn hinein passte", sagt der Sprachwissenschaftler Michael Studemund-Halévy vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden.

Nachdem das Paar im Juni 1762 geheiratet hatte, brachte Fromet bis 1782 zehn Kinder zur Welt, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte die Witwe zu ihren Söhnen Joseph und Abraham, dem Vater von Fanny und Felix, nach Hamburg zurück. Als sie m 5. März 1812 hochbetagt starb, begrub man sie an der Königstraße. Sieben Jahre vor ihrem Tod hatte Fromet der Hochdeutsch-Israelitischen Gemeinde von Altona einen aus ihrem Brautkleid gefertigten Toravorhang geschenkt, der in den Wirren des 20. Jahrhunderts über Brüssel nach New York gelangte und sich heute im Jüdischen Museum Berlin befindet.

"Die Hamburger sind zu Recht stolz darauf, dass die berühmten Komponisten Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy in der Hansestadt geboren wurden. Nun kann auch die Grabstätte ihrer Großmutter, der Stammmutter eine der großen deutschen Familien, auf dem Jüdischen Friedhof Altona besucht werden", sagt Irina von Jagow von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg.

Festakt zur Wiedereinweihung des Grabes am 7. Mai um 16 Uhr in der Hauptkirche St. Trinitatis Altona (Kirchenstraße 40)