Comedy: TV-Stars wie Schmidt & Pocher brauchen witzige Autoren

100 Euro für eine Pointe

Foto: ddp

Männer, die frische Gags bringen: Der Berliner Christian Eisert und der Schwabe Werner Koczwara erzählen.

Hamburg. Flotte Sprüche, freche, manchmal auch provokante Aussagen, locker und lässig präsentiert - das können im deutschen Fernsehen nicht viele. Harald Schmidt und Thomas Gottschalk natürlich. Doch so spontan wie die Sprüche wirken, sind ihre Urheber nicht immer. Bevor die Entertainer verbal glänzen können, müssen zwar keine Köpfe rollen, indes einige rauchen. Selbst Pop-Literat Benjamin von Stuckrad-Barre ("Soloalbum") war als Autor der "Harald Schmidt Show" einst Teil dieser Zulieferer-Industrie. Auch Werner Koczwara (50) und Christian Eisert (31) kennen das Gefühl. Beide waren respektive sind Gag- und Comedy-Autoren fürs Fernsehen.

Am vergangenen Donnerstag war es für Eisert, früher für den Ethno-Comedian Kaya Yanar ("Was guckst du?") und aktuell für die "Niels Ruf Show" (jeweils freitags auf Sat.1.) als Autor aktiv, "mal ganz angenehm, ohne kurzfristigen Druck zu arbeiten" - die ARD-Late-Night-Show mit Schmidt und Oliver Pocher hatte noch Pfingstpause. Seit das Milchgesicht aus Hannover sich Ende Oktober an die Seite des Ex-Lästermauls Schmidt gesellte, hat Eisert in Berlin etwas mehr Luft, sich Gags für die jeweils am frühen Donnerstagabend in Köln aufgezeichnete Sendung einfallen zu lassen. "Meistens kommen die Themen schon am Dienstag oder Mittwoch", erzählt der auch als Comedy-Coach tätige Satiriker. Zu drei bis vier muss er dann bis Donnerstagnachmittag sogenannte Oneliner (Einzeiler) liefern - Gags, basierend auf Nachrichten, die weitergedreht und mit einer Pointe versehen werden. Die lesen (Alt-)Meister Schmidt oder dessen Adlatus Pocher dann oft von einer Pappe neben der Kamera ab. Gut 100 Euro bekommt ein Autor für einen Gag - wenn er gesendet wird. Bei mehr als zehn Autoren, die zum Pool von "Schmidt & Pocher" gehören, nicht unbedingt eine sichere Einnahmequelle.

Der Schwabe Werner Koczwara hat sich anderweitig freigeschwommen, er macht seit 20 Jahren Kabarett. "Trotz einer skandalös guten Bezahlung" hat er sich schon im Spätsommer 2001 von der Arbeit für Harald Schmidt verabschiedet. "Man kann eben nicht nachts um drei vom Auftritt heimkommen und dann am nächsten Morgen von elf bis 14 Uhr die vorgeschriebenen 20 Pointen aus dem Ärmel schütteln, ohne dass die psychische Stabilität leidet", erzählt Koczwara. Trotz seiner Bühnentätigkeit hatte er lange Zeit parallel fürs Fernsehen gearbeitet, war Chefautor von "Hallervorden's Spotlight", schrieb für "Verstehen Sie Spaß?" und "Wetten, dass . .?" In jener Show sei es aber so: "Wenn der Tommy Gottschalk gut drauf ist, braucht er keine Gag-Autoren. Und wenn er nicht gut drauf ist, nutzt auch ein Gag-Autor nichts, weil er dann die Pointe versemmelt."

Inzwischen setzt Koczwara nur noch auf die Bühne, das sei "spannender als der Schreibtisch". Morgen hat er mit seinem neuen Programm "Morgenland", ein Kabarett, das zukunftsgewandt sein soll, Premiere im Hamburger Lustspielhaus. Fernsehen ist für ihn im Prinzip Vergangenheit - trotz "ungebrochen größter Verehrung gegenüber dem Gesamtkunstwerk Schmidt" sieht er "Schmidt & Pocher" inzwischen nur noch als "Ärgernis von vorn bis hinten".

Statt womöglich den Late-Night-Talkern mit Gags zu helfen, mutiert bei Koczwara jetzt Pocher zur Witzvorlage. Der Einstieg seines neuen Programms lautet: "Der deutsche Humor musste in den letzten 30 Jahren zwei schwere Schläge verkraften: den Tod von Heinz Erhardt und die Geburt von Oliver Pocher..."

Eisert, studierter Theater-, Film- und Fernsehwissenschaftler, kann indes von seiner Tätigkeit für zahlreiche TV-Produktionen gut leben. "Man sollte grundsätzlich nicht vorhaben, als Gag-Autor ein Leben zu verbringen", weiß er. Er hat zudem ein neues Format für sich entdeckt: die "Sesamstraße". Das sei ja in gewisser Weise auch Comedy, "kombiniert mit Wissen", meint Eisert. Und lächelt zufrieden.


Werner Koczwara: "Morgenland" Di-Sa, jew. 20 Uhr, Alma Hoppes Lustspielhaus, Ludolfstr. 53, Kartentel. 55 56 55 56; www.koczwara.de

Christian Eisert www.liesmichmal.de