Ein überzeugter Mitteleuropäer

Hamburg. Die Brücke zwischen ausgehender Klassik und beginnender Romantik, wichtigste Epoche der Klaviermusik überhaupt, schlägt Alfred Brendel jetzt mit seinem Hamburger Soloabend. Es beginnt mit Mozarts Duport-Variationen D-Dur von 1789, in Potsdam geschrieben. Dort wollte Mozart von Preußens König Friedrich Wilhelm II. empfangen werden, mußte statt dessen aber mit dessen musikalischem Berater Jean-Pierre Duport vorliebnehmen.

Der programmatische Bogen spannt sich dann weiter über Beethovens 1891 entstandene D-Dur-Sonate op. 28, die von dem Hamburger Musikverleger A. Cranz "Pastorale" getauft wurde und unter dieser Bezeichnung bekannt wurde.

Schuberts Moments musicaux stammen von 1828, dem letzten Lebensjahr des Komponisten, und sollen Robert Schumann zu dessen pianistischen Miniaturen angeregt haben. Der wiederum schrieb seine "Kreisleriana" 1838. Diese acht Fantasien, ein musikalisches Porträt des fiktiven skurrilen Kapellmeisters Johann Kreisler aus E.T.A. Hoffmanns "Kater Murr", hat Schumann seinem Kollegen Frederic Chopin gewidmet.

Seine Vorliebe für diese Komponisten hat Brendel unlängst bei der Verleihung des Siemens-Preises in München in einem Podiumsgespräch mit dem Kritiker Joachim Kaiser unterstrichen: "Die zentraleuropäische Musik, die in den deutschsprachigen Ländern entstanden ist, enthält so viel, daß man damit sein Leben lang nicht fertig wird. Ein großer Teil der wichtigsten Musik gehört da hinein. Und der habe ich mich hauptsächlich gewidmet; den slawischen Teil und auch den französischen Anteil habe ich anderen überlassen."

Speziell zum Thema Chopin, der ja beide Richtungen in sich vereinigte, fand Brendel - der Anfang Januar 74 wurde - selbstkritische Sätze: "Als ich 20 war, galt Chopin als jemand, auf den man sich speziell einstellen muß. Ich hielt mich für das mitteleuropäische Repertoire für geeigneter. Inzwischen hat sich diese Situation völlig geändert. Es gibt keine Chopin-Spezialisten mehr. Wenn ich heute ein junger Pianist wäre, dann würde ich sicherlich mehr Chopin spielen."

23. Februar , 19.30 Uhr, Laeiszhalle/Musikhalle, Kartentelefon 35 44 14.