"Todesmelodie" im Monsun-Theater

Schwarzhumorige Mediensatire begeistert das Publikum

Wenn das Samstagabend-Programm von "TV Ottensen" über die Sendefrequenz der ARD ausgestrahlt wird, dann muss schon etwas Schwerwiegendes passiert sein. Statt dem Musikantenstadl bekommen Millionen Zuschauer Hartmut Kraushaar zu sehen – einen verzweifelten Schriftsteller, der seinen Roman mit Waffengewalt auf die Bestseller-Liste bringen will.

Hamburg. Wenn das Samstagabend-Programm von "TV Ottensen" über die Sendefrequenz der ARD ausgestrahlt wird, dann muss schon etwas Schwerwiegendes passiert sein. Statt dem Musikantenstadl bekommen Millionen Zuschauer Hartmut Kraushaar zu sehen einen verzweifelten Schriftsteller, der seinen Roman mit Waffengewalt auf die Bestseller-Liste bringen will. Am Mittwoch hatte das Theaterstück "Todesmelodie" Premiere im Monsun-Theater.

Das Szenario: Leon (Cornelius Henne), Chef eines winzigen Stadtteilsenders will ins ganz große Fernsehgeschäft. Seine Konzepte beispielsweise eine Show, in der Thomas Gottschalk einen Flugzeugabsturz überleben soll wurden bislang abgelehnt. Da kommt ihm Schriftsteller Hartmut Kraushaar und sein Wälzer "Todesmelodie" gerade recht. Den Finger am Pistolenabzug, erpresst der Autor 15 Minuten Sendezeit für ein Interview zum Buch und spannt dafür Leons ebenso karrierewillige Freundin Chantal ein, die Popstar statt Moderatorin werden will.

Regisseur Sven Lange trifft den medienverwöhnten Nerv der Zeit mit derart schwarzhumorig-überspitzter und dennoch authentischer Kurzweil, dass man sich wie ein Spion im verbotenen Hinterstübchen eines Privatsenders vorkommt. Fernseh-Gott Leon (Cornelius Henne), Möchtegern-Britney Chantal (Maren Lisner) und Schreibtischtäter Hartmut (Vitus Wieser) wirken dabei wie aus dem Leben gegriffene Karikaturen. Ein erstklassiges Schauspiel-Trio, scharfzüngige Dialoge und ein realer TV-Bildschirm an der Bühnenseite saugen den Zuschauer sofort hinein in die Show. Der Ausklang der "Todesmelodie" hinterlässt ein begeistertes Publikum zwischen Lachtränen sowie der Antwort darauf, wozu Menschen für 15 Minuten Ruhm fähig sind.

Weitere Aufführungen: 9. bis 11.4., 20. bis 23.5. und 24. bis 27.6. jeweils um 20 Uhr, Monsun-Theater, Friedensallee 20, Karten T. 39 03 148

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