Deutschlands erster Kartoffeldöner

Libanesischstämmiger Imbissbesitzer meldet Erfindung zum Patent an. Die Rezeptidee stammt von Pegida-Demonstranten ...

Mit Kochrezepten ist es wie mit der Sprache: Man braucht ein paar Regeln, aber im Grunde sind beide lebendig, werden ständig erweitert und erneuert. In den 50er-Jahren fand man hier zwar schon Rinderrouladen auf den Speisekarten, aber wohl kaum jemand wusste, wie man Calzone, Moussaka oder Sushi schreibt, geschweige denn, wie sie schmecken.

65 Jahre später ist es ganz normal, dass ab und zu neue lukullische Kreationen das Licht der Küchen erblicken. In diesem Fall ist es allerdings eher das Licht eines Oldenburger Imbisses. Dort steht seit Kurzem eine ebenso bodenständige wie exotische Kombination auf der Karte: der Kartoffeldöner.

Erfunden hat ihn Imbissbesitzer Hani Alhay. Die Anregung dazu bekam er ausgerechnet von der Berichterstattung über eine Pegida-Demonstration, bei der jemand ein Plakat mit der Aufschrift "Kartoffeln statt Döner" hochhielt. Bekannte Köche, von Rainer Sass über Cornelia Poletto bis hin zu Tim Mälzer, sahen diesen Spruch offenbar als rein politisch-fremdenfeindliche Aussage und ließen ihn an sich vorbeiziehen. Alhay erkannte darin hingegen eine Gratisrezeptvorlage und machte aus "statt" ein "mit".

Er drehte den Spieß also einfach um und steckte Fleisch und Erdäpfel abwechselnd darauf. Dann ließ er ihn sutsche rotieren, bis beides schön kross war. Offenbar ist die Neuheit ein Erfolg, denn der clevere Gastronom hat seine Idee mittlerweile beim Patentamt in München eintragen lassen.

Wie jeder gute Koch verrät Alhay sein Erfolgsrezept nicht im Detail. Nur so viel: "Es schmeckt zusammen noch besser." Nörgler könnten argumentieren, die Neuheit sei im Grunde nichts anderes als die international aufgepimpte Version von Kartoffelsalat mit Würstchen. Für den Imbissbesitzer, der aus dem Libanon stammt, ist es dagegen "Multikulti für den Magen".

Ob die Pegida-Demonstranten das im Sinn hatten, darf zu Recht bezweifelt werden. Es ist eine köstliche politisch-kulinarische Ironie des Schicksals, wie man mithilfe von Einfallsreichtum von der dumpfbackigen Fremdenfeindlichkeit zur vollmundigen Völkerverständigung gelangen kann. Guten Appetit, oder wie man im Libanon sagt: Sakha!

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.