Henstedt-Ulzburg

Keine Logistik-Riesen mehr im Gewerbepark

Bürgermeister Stefan Bauer will die Ansiedlung von kleinen und mittelständischen Betrieben im Ort fördern. Er will Betriebe mit nachhaltiger Wirkung, die ihre Steuern in der Gemeinde zahlen.

Henstedt-Ulzburg Sechs Wochen nach seinem Amtsantritt kündigt Bürgermeister Stefan Bauer ein neues Zeitalter der Gewerbeansiedlung an. Der Fokus soll künftig auf kleine und mittelständische Unternehmen liegen, die in Henstedt-Ulzburg produzieren, Arbeitsplätze schaffen und ihre Steuern im Ort bezahlen. Logistisch tätige Unternehmen mit großem Flächenverbrauch, starkem Verkehrsaufkommen, relativ wenigen Mitarbeitern und einer Konzernzentrale, die außerhalb Henstedt-Ulzburgs liegt, sind eher nicht mehr willkommen.

Mit dieser Ankündigung brüskiert der neue Verwaltungschef diejenigen Politiker, die bisher eine andere Ansiedlungspolitik verfolgt haben. Bisher war man stolz auf die Ansiedlung von Betrieben wie Caterpillar oder demnächst Netto – große Namen, gut für das Image der Gemeinde, aber weniger interessant für die Gemeindefinanzen. "Wir wollen Betriebe mit nachhaltiger Wirkung", sagt Stefan Bauer. Diese Meinung ist in der Vergangenheit vor allem von der WHU vertreten worden, die sich damit allerdings gegenüber den anderen Ratsfraktionen kein Gehör verschaffen konnte. Die Positionierung des Bürgermeisters könnte heftige Debatten in der Politik auslösen.

Ein erstes Beispiel für die künftige Ansiedlungspolitik ist die bisher in Rellingen im Kreis Segeberg ansässige Kartonagen-Fabrik Günter Hoffmann: Vor zwei Wochen beglückwünschte Stefan Bauer dem Unternehmen zum Richtfest. Genau solche Unternehmen wünscht sich der neue Bürgermeister: Am Autobahnzubringer baut Hoffmann jetzt eine 4500 Quadratmeter große Produktionsstätte, dazu eine noch mal so große Lagerfläche und ein 700 Quadratmeter großes Bürohaus. 50 Arbeitsplätze schafft die Firma, der es in Rellingen zu eng wurde, in Henstedt-Ulzburg. Das trifft genau den Geschmack des Verwaltungschefs, der für die Ansiedlung dieser Firma allerdings noch nicht verwantwortlich war.

Zunächst muss Stefan Bauer aber erleben, wie die Handelskette Nette direkt am Autobahnzubringer ihr 20. Logistikzentrums in Deutschland baut. Die Netto-Marken-Discount AG wird der größte Arbeitgeber in Henstedt-Ulzburg. Das Edeka-Tochterunternehmen aus dem bayerischen Maxhütte-Haidhof hat ein rund 13 Hektar großes Gewerbeareal von der Gemeinde Henstedt-Ulzburg erworben. Rund 250 Arbeitnehmer sollen dort tätig sein, als Bauzeit werden neun Monate veranschlagt. Von hier aus sollen Netto-Märkte in ganz Norddeutschland in einem Umkreis von 250 Kilometern beliefert werden. Die Waren werden auf 35.000 Quadratmeter Fläche lagern. Wann mit dem Bau begonnen wird, steht allerdings noch nicht fest –voraussichtlich wird es aber noch in diesem Jahr sein.

Bis heute herrscht noch keine Klarheit darüber, wie stark der An- und Zulieferverkehr Henstedt-Ulzburg beeinträchtigen wird. Die Mehrheit der Politiker geht davon aus, dass die meisten Lkw über die A7 ankommen und abfahren. Sicher kann das aber niemand sagen. Ob Henstedt-Ulzburg finanziell profitiert, ist ebenfalls unklar.

Stefan Bauer hat sich klar positioniert: Weitere Betriebe dieser Art möchte er in Henstedt-Ulzburg nicht haben. Die Verwaltung kann die Ansiedlungspolitik zwar lenken und beeinflussen, das letzte Wort allerdings haben die Politiker. Im Falle der Netto-Ansiedlung hatte sich in nicht öffentlicher Sitzung nur die WHU dagegen entschieden. Ob der Bürgermeister mit seiner Ansicht künftig auch die anderen Fraktionen begeistern kann, bleibt abzuwarten.

Die Gedanken des Bürgermeisters gehen noch weiter. Ihm schwebt eine zwischen dem Kern des Gewerbeparks und dem Autobahnanschluss eine optisch ansehnliche und einheitliche Linie mit eher kleinstrukturierten Unternehmen vor. Er weiß allerdings auch, dass es immer wieder Nachfragen von größeren Firmen gibt – speziell in Henstedt-Ulzburg, aber auch allgemein im Nordgate-Verbund zwischen Norderstedt und Neumünster, zu dem auch Henstedt-Ulzburg gehört. "Neue Köpfe im Rathaus bringen auch neue Ideen mit sich", sagt Stefan Bauer. Damit meint er nicht nur sich, sondern auch Christian Herzbach, der Nachfolger der in das Kaltenkirchener Rathaus abgewanderten Wirtschaftsförderin Manja Biel geworden ist. Herzbach ist zwar neu auf diesem Posten, der Gemeindeverwaltung gehört er aber schon längere Zeit an. Bisher war er in der Bauverwaltung tätig.