18.07.14

Allrad-Winzling Der Fiat Panda Cross kann einfach zu viel

Patrick Broich

Der neue Offroad-Kleinwagen aus Italien sieht nicht nur nach Geröll und Staub aus, sondern kommt auch gut voran im Gelände. Doch damit schießt er wahrscheinlich übers Ziel hinaus.

Ein bisschen Schotter, lachhaft, das beherrscht auch ein alter Kadett. Doch da kommt die erste Steigung. Wir lassen den bereits bei niedrigen Drehzahlen kraftvollen Zweizylinder ein wenig drehen und preschen los. Der Blick wandert gen Himmel, während der Winzling wacker durchzieht.

Es folgt die gelungene Abfahrt, die ein Bergabfahrtassistent überwacht, der bei Fiat Hill Descent Control genannt wird. Und schon muss sich der neue Panda Cross, den wir auf einem Gelände testen dürfen, bei einer Wasserdurchfahrt bewähren. Der Panda zuckelt langsam, aber unaufhaltsam über die mächtigen, aus dem Boden ragenden Betonhaufen.

Die Qualitäten der Neuauflage des 2006 eingeführten Panda Cross mit Geländetechnik sind eindrucksvoll. Doch es stellt sich eine Frage: Wer braucht so ein Auto? Dass viele Kunden gerne eine SUV-Optik haben, ist hinlänglich bekannt und es mag auch für Kleinstwagen gelten. Wirklich über Stock und Stein zu fahren, dürfte für die meisten Kunden dagegen ein eher seltenes Einsatzszenario sein.

Benziner schlägt Diesel

Der Allradstrang des konsequenten Offroad-Autos stammt vom konventionellen Panda 4x4. Ihm gegenüber gibt es 0,9 Zentimeter Bodenfreiheit mehr. So watet der Italiener je nach Motorart problemlos durch bis zu 74 Zentimeter tiefes Wasser, bevor er Flüssigkeit ansaugen würde. Steigungen von maximal 70 Prozent schafft er. Weil der Panda nur rund eine Tonne wiegt, benötigt er dafür keine Geländeuntersetzung, wie Testingenieur Giovanni Boreanaz erläutert.

Bei der Motorisierung können sich Kunden, wenn der Wagen am 25. Oktober 2014 für voraussichtlich um die 20.000 Euro in den Handel kommt, zwischen Benzin und Diesel entscheiden. Zur Wahl stehen der 90 PS starke Zweizylinder mit Turboaufladung und 0,9 Litern Hubraum sowie ein 80 PS starker 1,2-Liter-Selbstzünder.

Die Fahrt führt vom Gelände auf den Asphalt, jetzt kann der kleine Italiener seine Pkw-Eigenschaften zeigen. Wenn der Allrad-Wahlschalter mit verschiedenen Modi auf "Auto" steht, wird der Vorderachse unter griffigen Verhältnissen das höchste Moment zugeteilt. Wer nicht unbedingt den Selbstzünder nehmen will, sollte zum Benziner greifen.

Der Ottomotor wirkt spritziger und bietet überdies sechs statt fünf Gänge. Auch die Papierwerte weisen ihn als deutlich dynamischer aus. In 12,0 Sekunden bringt der Benziner den Panda auf Tempo 100, der Diesel benötigt dafür 2,7 Sekunden länger. Selbst beim Verbrauch, der eigentlichen Stärke eines Selbstzünders, kann der 1,2-Liter-Ölbrenner nicht auftrumpfen. Mit einem Normwert von 4,7 Litern (CO2-Ausstoß: 125 g/km) ist er nur um 0,2 Liter genügsamer als der Benziner.

Einen Trumpf hat er noch

Der Innenraum ist ein unaufgeregtes Kapitel. Die Materialanmutung ist in Ordnung; die in dieser Klasse völlig akzeptablen Plastikoberflächen wirken passgenau zusammengefügt und keineswegs billig. Die Bedienung erfolgt intuitiv, bis auf die etwas versteckten Tipptaster für die Sitzheizung in der Mittelkonsole, und die Platzverhältnisse auf den vorderen Sitzen sind ausreichend, hinten wird es naturgemäß je nach Körpergröße etwas eng.

Trotz aller Zweifel über die Zielgruppe: Etwas hat der 3,72 Meter kurze Panda Cross für sich – er ist konkurrenzlos. Vergleichbare Fahrzeuge in seiner Klasse haben andere Hersteller schlicht nicht im Angebot. Eine gewisse Individualität würde er seinen Fahrern also gewährleisten.