01.08.14

Justiz Prozessauftakt vor Landgericht: Mann wegen 250 Euro gefoltert

Von Daniel Herder

Angeklagter soll 20-Jährigen auch sexuell misshandelt haben. Täter filmten die Folterung ihres Opfers. Ein Zeuge hatte das Video gesehen und sich darauf schockiert bei der Polizei gemeldet.

Neustadt. Das Opfer litt unvorstellbare Schmerzen. Ferhat K., 20, wurde auf abscheulichste Art und Weise gequält und erniedrigt. Und das alles wegen 250 Euro Drogengeld. Die lapidare Summe reichte aus, um Ozan D. völlig ausrasten und alle Grenzen vergessen zu lassen. In dem Prozess um die Folterung des 20-Jährigen, der am Donnerstag begonnen hat, gilt er als der Haupttäter. Mit ihm sind drei weitere junge Männer angeklagt. Sie guckten zu oder weg, als das Unbeschreibliche in einer Harburger Lagerhalle geschah.

Ozan D., 25, sitzt momentan in Strafhaft, zweimal ist er verurteilt worden, insgesamt zu drei Jahren und sieben Monaten. Strafbar hat er sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes, Nötigung und Körperverletzung gemacht. So soll er im September 2013 von einem fahrenden Motorrad aus mehrere Schüsse aus Rache für eine angebliche Ehrverletzung auf einen Mann abgegeben haben. Im aktuellen Fall hat ihn die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und sexueller Nötigung angeklagt. Seine Komplizen müssen sich großteils wegen Beihilfe verantworten – ihre passive Haltung, ihr Nicht-Einschreiten soll Ozan D. in seinem Handeln nur bestärkt haben.

Die Gewalttat vom 11.Mai 2013 war laut Staatsanwaltschaft eine Strafaktion dafür, dass Ferhat K. Drogeneinnahmen in Höhe von 250 Euro entgangen waren. Bereits auf der Autofahrt zur Lagerhalle soll Ozan D. dem jungen Mann auf dem Rücksitz des Wagens mehrfach ins Gesicht geschlagen und ihn bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. All das reichte dem völlig außer Kontrolle geratenen Mann aber noch lange nicht. In der Lagerhalle drosch er mit einer Baustellenholzschaufel wuchtig auf den Körper des 20-Jährigen ein. Murat Y., 29, Tuncay B., 21, und Firas al-H., 20, schauten zu.

Nachdem Murat Y. das Opfer auf Geheiß von Ozan D. mit Kabelbindern an Händen und Füßen gefesselt und ihm die Hose heruntergezogen hatte, misshandelte der 25-Jährige Ferhat K. weiter. Zunächst mit dem angespitzten Stiel der Schaufel, dann nötigte er ihn zu einer sexuellen Handlung. Derweil musste Tuncay B. die Folter mit einem Smartphone filmen. Der 20-Jährige blutete aus mehreren Wunden, konnte sich nicht mehr bewegen, nach der Tortur transportierten ihn die Angeklagten mit einem Taxi ab. Ferhat K. hatte neben Prellungen und Blutergüssen durch Holzsplitter im Genitalbereich erhebliche Verletzungen erlitten.

Die grausame Tat flog erst im Dezember 2013 auf. Ein Zeuge hatte das Gefilmte gesehen und sich darauf schockiert bei der Polizei gemeldet, die den Fall mit verdeckten Ermittlern aufklären und Ozan D. als mutmaßlichen Täter überführen konnte. Das Opfer tritt in dem Verfahren, das noch bis Ende Oktober laufen soll, als Nebenkläger auf. Gegen Firas al-H., den jüngsten Angeklagten, hat das Gericht das Verfahren abgetrennt: Er war dem Prozess am Donnerstag grundlos ferngeblieben.