Hamburg/Dubai. Kreuzfahrtreederei fährt trotz Angriffen der Huthi-Rebellen Richtung Aqaba in Jordanien. Wo sich Schiff und Crew gerade befinden.

Als sich jüngst die internationale Reisebranche zur Fachmesse ITB in Berlin traf, gab es am Stand von Plantours Kreuzfahrten nur ein Thema: das neue Corporate Design. In diesem Jahr feiert der Veranstalter aus Bremen sein 35-jähriges Bestehen und verbindet den Geburtstag mit einem neuen Markenauftritt sowie einer geänderten Farbgebung.

Worüber Plantours-Chef Oliver Steuber nicht sprechen wollte: Sein einziges Hochseeschiff, die MS „Hamburg“, nahm kurz nach der Fachmesse Kurs auf das Rote Meer und begab sich damit in ein Fahrtgebiet, das andere aufgrund der sich häufenden Raketen-Attacken von jeminitischen Huthi-Rebellen längst von ihren Routenplänen gestrichen hatten. Passagiere sind deshalb schon seit dem 11. März nicht mehr an Bord.

MS „Hamburg“: Alle Passagiere gingen in Dubai von Bord

Von Sri Lanka kommend, hatte die „Hamburg“ ihre gebuchten Gäste schon in Dubai aussteigen lassen, um entweder nach Hause zu fliegen oder abzuwarten, bis in Aqaba die nächste Etappe inklusive der Suez-Passage Richtung Mittelmeer beginnt. Dorthin müssen die Passagiere per Flugzeug reisen.

Im Süden Jordaniens, und nur wenige Kilometer vom israelischen Badeort Eilat entfernt, sollen am 24. März wieder Gäste zusteigen. Auch den Mitarbeitern sei es freigestellt worden, vorübergehend von Bord zu gehen, hieß es auf Anfrage. Informationen des Abendblatts zufolge sind jedoch mehr Menschen auf dem Schiff geblieben, als für den nautischen Betrieb unbedingt nötig wären. Ob dafür zusätzliche Prämien gezahlt werden, ist nicht bekannt.

Am Abend des 19. März erreichte das Schiff Dschidda

Wer die Reise der „Hamburg“ auf einschlägigen Tracking-Portalen wie marinetraffic.com oder vesselfinder.com verfolgen wollte, tappte in den vergangenen Tagen im Dunkeln. Die letzte Position dort wurde am 12. März im Persischen Golf notiert, danach gab es keine neuen Daten mehr. Auch aufseiten der Reederei zeigte man sich vor der gefährlichen Passage äußerst schmallippig.

Das einzige offizielle Statement lautete auf Abendblatt-Anfrage: „Alle an dieser Situation beteiligten Fachleute haben uns geraten, keine betrieblichen oder sonstigen Informationen weiterzugeben, die die Sicherheit der an Bord befindlichen Personen beeinträchtigen könnten. Wir verpflichten uns gegenüber unserer vertrauenswürdigen Crew und ihren Familien, nichts zu sagen, was ihre Lieben in Gefahr bringen könnte.“

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Am Morgen des 20. März erreichte dann ein Anruf des Plantours-Sprechers die Redaktion. „Wir sind durch!“, sagte er, nannte aber auf Nachfrage keine weiteren Details. Auch ob tatsächlich zurzeit ein Servicestopp in Dschidda stattfindet, wollte oder konnte er nicht beantworten. Klar ist: Die nächste Reise ist auf der Website von Plantours ausgeschrieben als „Osterkreuzfahrt in die Ägäis“ und dauert vom 24. März bis zum 3. April. Station machen soll das 144 Meter lange, 1997 gebaute und seitdem mehrfach renovierte Schiff unter anderem in Sharm el Sheik, in Port Said, auf Zypern, in Antalya (Türkei) sowie auf mehreren griechischen Inseln, bevor das Ziel Istanbul erreicht wird.

Nur die alte „AIDAvita“ nahm Route durch den Suez-Kanal

Dass Plantours im Zuge der sich häufenden Angriffe auf Schiffe im Roten Meer und am Golf von Aden an seiner ursprünglichen Route festhielt, überraschte Branchenkenner, weil bislang alle anderen Kreuzfahrt-Reedereien im Zielgebiet ihre bis März geplanten Reisen abgesagt und via Südafrika umgeroutet haben. Lediglich die ehemalige „AIDAvita“, die als „Blue Dream Melody“ nach China verkauft wurde, hatte die Passage gewagt, allerdings in umgekehrter Richtung und nur mit maritimer Besatzung an Bord.

Huthi-Angriffe: Tote, Verletzte und eine neue Drohung

Bei Huthi-Angriffen auf Frachter und Containerschiffe gab es zuletzt sogar Tote und Verletzte, obwohl eine internationale Militärmission in der Region für Sicherheit sorgen soll. Ein Schiff, beladen mit Düngemitteln, sank. Die Huthi sehen ihre Angriffe als Unterstützung für die Hamas, die von Israel derzeit im Gazastreifen bekämpft werden. Vor allem Schiffe, die in irgendeiner Form mit Israel oder jüdischen Betreibern in Verbindung zu bringen sind, gelten den Angreifern als Ziel.

Diverse Reedereien haben ihre Reisen schon abgesagt

Einer Aufstellung des Portals „Schiffe und Kreuzfahrten“ zufolge wurden bislang schon zahlreiche Reisen abgesagt. Betroffen sind demnach zwölf Schiffe der Carnival Corporation, zu der auch Marken wie AIDA Cruises, Costa Kreuzfahrten, Seabourn, Princess Cruises und Cunard gehören, die „Mein Schiff 2“ von TUI Cruises sowie die Reedereien Oceania Cruises, Silversea Cruises und Virgin Voyages, Royal Caribbean International und Crystal Cruises, Viking Cruises, Fred Olsen Cruise Line, Regent Seven Seas Cruises, MSC Cruises sowie Marella Cruises.

Auch die MS „Europa“ weicht über Afrika aus

Und auch die MS „Europa“ von Hapag-Lloyd Cruises nimmt lieber den Weg rund um Afrika als den durchs Rote Meer. Noch offen ist derzeit, ob der deutsche Anbieter Phoenix Reisen an seinem Plan festhält, in der zweiten April-Hälfte mit der „Artania“ Kurs auf Suez zu nehmen.

Unklar ist, ob die „Hamburg“ bei ihrer durchaus riskanten Passage von der deutschen Fregatte „Hessen“ besonderen Schutz bekam. Das Schiff der Bundesmarine verstärkt neuerdings im Rahmen einer EU-Mission eine internationale Koalition unter US-Führung, die bereits seit Dezember versucht, den Seeweg Richtung Suez-Kanal zu sichern. Allerdings fährt die „Hamburg“ nicht unter deutscher Flagge, sondern unter jener der Bahamas.

Am vergangenen Freitag hatten Huthi-Milizen vor der Küste des Jemen erneut einen Tanker durch einen Raketen-Angriff beschädigt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters gab es unter den Besatzungsmitglieden keine Verletzten. Das Schiff sei etwa 88 Seemeilen nordwestlich des jemenitischen Hafens Hodeida im Roten Meer angegriffen worden. Zudem haben die Huthis angedroht, ihre Angriffe auf Frachtschiffe deutlich
auszuweiten. Dabei sei auch denkbar, Schiffe ins Visier zu nehmen, die den Umweg über Südafrika wählen.

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