16.01.13

Wandsbek

Eltern auf Zeit: vom Glück, ein Zuhause zu schenken

Zwei Wandsbeker nehmen Kinder bei sich auf, um die sich die Eltern nicht mehr kümmern können. Das Jüngste ist erst ein paar Wochen alt.

Hamburg. Werner und Sabine Hübner haben gerade den kleinen Tilo (alle Namen von der Redaktion geändert) ins Bett gebracht. Er ist fünf Wochen alt. Jetzt hält er seinen Mittagsschlaf, das Ehepaar kann sich etwas ausruhen. Im Moment sind die Nächte kurz. Es wird aber nur ein paar Wochen dauern, bis sie wieder durchschlafen können. Dann wird das Baby in eine andere Familie kommen. Die Hübners sind Eltern auf Zeit und immer in Bereitschaft - beim Jugendamt heißt das "Stand-by-Familien".

Gemeint sind Paare, die sich übergangsweise um Kinder in Not kümmern. Kinder, die zu Hause dauerhaft oder für eine bestimmte Zeit nicht ausreichend versorgt werden können. Weil die leiblichen Eltern körperlich oder psychisch krank sind oder sich aus anderen Gründen der Verantwortung nicht gewachsen fühlen. Die "Stand-by-Familien" sollen den Kindern solange ein Zuhause geben, bis sie zurück nach Hause können oder eine dauerhafte Pflegefamilie gefunden wurde. "In den vergangenen Jahren waren im Bezirk Wandsbek pro Jahr durchschnittlich 20 Kinder in Stand-by-Familien untergebracht", sagt Ulrike Nowicki, Sprecherin des Bezirksamts Wandsbek. Stand-by Familien gebe es zwar nicht in allen Bezirken. Hamburgweit gebe es über den Träger PFIFF gGmbH weitere Bereitschaftspflegestellen. "Dies ist inhaltlich ein sehr ähnliches Angebot."

Die Hübners haben derzeit zwei Pflegekinder auf Zeit. In den vergangen Jahren hatten die Anfang 50-Jährigen aus Wandsbek insgesamt zehn Pflegekinder bei sich zu Hause. Das geht nur, weil Sabine jeden Tag zu Hause ist. Dass eine Betreuungsperson nicht berufstätig ist, ist nur eines der Kriterien, das wichtig ist, um als Stand-by-Familie zugelassen zu werden. "Stand-by Familien sind eine Form der Vollzeitpflege", sagt Ulrike Nowicki. "Daher müssen die Familien und Einzelpersonen die gleichen formalen und fachlichen Voraussetzungen erfüllen, wie andere Pflegepersonen auch."

Auch Flexibilität ist gefordert. Weil die Kinder ihr Zuhause manchmal sehr kurzfristig verlassen, bleibt den Stand-by-Familien oft nicht viel Zeit: "Wir haben schon Anrufe bekommen, bei denen wir schnell entscheiden mussten, ob wir wenige Stunden später ein Kind aufnehmen können", sagt Sabine. Manchmal haben die Kinder dann nur das dabei, was sie anhaben.

Die beiden Wandsbeker wollen den Kindern in dieser Zeit Wärme, Geborgenheit und feste Rituale geben. "Einige Kinder, die zu uns gekommen sind, kannten von zu Hause keine gemeinsamen Mahlzeiten am Esstisch", sagt Sabine Hübner. "Ein anderes wusste nicht, dass man Geburtstage auch zu Hause feiert. Dass es Kuchen und Kerzen gibt." Die große Herausforderung bestehe auch darin, den Kindern Nähe zu vermitteln und gleichzeitig selbst auf Distanz zu bleiben. Dann klar ist von Anfang an: Die Kinder werden die Stand-By-Eltern nach ein paar Wochen, spätestens nach ein paar Monaten, wieder verlassen. "Danach halten wir keinen Kontakt zu den Kindern", sagt Sabine. "Das ist für uns wichtig, um wieder Abstand zu bekommen." Auch das Programm sieht keine Nachbetreuung durch die Pflegeeltern vor. Wenn die Wandsbeker Stand-by-Eltern aber zu Weihnachten ein Foto von ihren Zöglingen zugeschickt bekommen, freuen sie sich.

Weil die Trennung von den Kindern trotzdem manchmal nicht so einfach ist, und Schicksale der Kinder belastend sein können, stellt das Programm auch psychologische Betreuung für die Stand-by-Eltern. Aber würde es nicht auch große Glücksmomente geben, hätten sich Werner und Sabine Hübner nicht immer als Stand-by-Eltern zur Verfügung gestellt. "Wenn die Kinder hier nach einer Weile richtig ankommen, Sicherheit spüren und von alleine erzählen, dann macht uns das sehr, sehr glücklich."

Info:

Im Bezirk Wandsbek gibt es noch Bedarf an weiteren Stand-by-Familien. Interessierte können sich über die genauen Eignungskriterien und die finanziellen Rahmenbedingungen beim Fachamt Jugend- und Familienhilfe informieren: Telefon: 42881-3317.

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