21.11.12

Ratlose Richter in Flensburg

Fast acht Jahre Haft für Totschlag an Mutter

Ein Fall ohne Tatwaffe, mit rätselhaftem Motiv – viele Fragen bleiben offen im Flensburger Totschlagsprozess. Klar ist nur das Urteil.

Foto: dpa
Flensburger Totschlagsprozess
Ein Polizeibeamter in Schutzkleidung betritt das Haus in dem die Frau gefunden wurde

Flensburg. Was der Auslöser für die Tat war? "Wissen wir nicht." Was vor der Tat besprochen wurde? "Wissen wir nicht." Die Tatwaffe? Nie gefunden. Eine gewisse Ratlosigkeit herrschte im Flensburger Landgericht beim Fall eines 34-Jährigen, der gestanden hat, seine Mutter erschlagen zu haben. Wegen Totschlags verurteilte ihn das Gericht am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann seiner Mutter im März in seiner Wohnung mehrfach mit einem Gegenstand auf den Hinterkopf geschlagen hat. Dabei zersplitterte das Schädeldach der 67-Jährigen, die ein offenes Schädelhirntrauma erlitt und starb – ein "Gewaltexzess", so das Gericht.

Es blieb mit seinem Urteil ziemlich genau zwischen den Forderungen der Staatsanwaltschaft mit zehn Jahren und der Verteidigung mit fünf Jahren Haft.

Vieles blieb im Nebel in diesem Fall. Der 34-Jährige hatte von jahrelangen Demütigungen durch die Mutter berichtet. Zeugenaussagen zeichneten ein widersprüchliches Bild des Opfers, das den Sohn offenbar sowohl hart kritisierte als auch finanziell unterstützte.

"Wir wollen nicht ausschließen, dass die Mutter den Sohn vor Dritten gemaßregelt hat", befand auch der Vorsitzende Richter. "Dass permanent Demütigungen stattgefunden haben, dafür haben wir nichts gefunden." Für den 34-Jährigen spreche, dass er keine Vorstrafen hat, früh gestand und zumindest ein Mindestmaß an Reue in seinem Schlusswort zeigte. Dennoch: "Er hat nicht den Eindruck hinterlassen, dass die Tat von ihm außerordentlich bereut wird."

Der äußerlich unberührt wirkende Mann gab der Mutter noch im Schlusswort eine Mitschuld. In dieses Bild passt auch das Verhalten nach der Tat, die der Richter als "schon sehr heftig und sehr brutal" bezeichnete: Mit seinem Handy machte er Fotos der in einer Blutlache liegenden sterbenden Mutter. "Scheiß-Wohnung" soll sie laut Täter zuvor zu seiner Wohnung gesagt haben, die Freundin als "Nutte" und "Schlampe" bezeichnet haben. Zeugen wiederum sagten, dass dies nicht die Wortwahl der 67-Jährigen gewesen sei. Für Rätsel sorgte auch, dass die Tatwaffe nicht gefunden werden konnte. "Ich kann das gar nicht nachvollziehen", schüttelte der Richter den Kopf – viele Fragen blieben offen in diesem Prozess.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
Das ehemalige Kreiswehrersatzamt in der Sophienterrasse soll zum Flüchtlingsheim umgebaut werdenBrightcove Videos

Das städtische Unternehmen Fördern und Wohnen hat einen Bauantrag für den Umbau des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes an den Sophienterrassen zur Flüchtlingsunterkunft beim zuständigen Bezirksamt Eimsbü…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Harburg

Wagen gegen Häuserwand geschleudert

Champions League

FC Bayern gegen Moskau – die besten Bilder

Schweden

SOS-Kinderdorf auf Klassenfahrt

Wettbewerb

Kalifornien: Hunde auf der perfekten Welle

tb_reisemarkt.jpeg
Der Reisemarkt

Aktuelle Reise- und Urlaubsangebotemehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr