29.01.13

Hamburg

Sirkka Jendis: Von der "Zeit" zum Kirchentag

Im Mai beginnt der Evangelische Kirchentag in Hamburg. Sirkka Jendis - eine frühere Synchronschwimmerin organisiert das Großereignis.

Von Hanna-Lotte Mikuteit
Foto: Klaus Bodig
Sirkka Jendis
Kommt aus einem "kritisch protestantischen Haushalt", wie sie sagt: Sirkka Jendis, 34

Hamburg. Tee in der Kaffeetasse? Nicht für sie. Kurzerhand schüttet Sirkka Jendis einige Schokotäfelchen aus einem Glas, das auf dem Konferenztisch in ihrem Büro steht, und hängt den Teebeutel rein. Das ist unkonventionell. Aber auch praktisch für jemanden, in dessen Leben gerade eine Menge reinpassen muss.

In drei Monaten beginnt der Evangelische Kirchentag in Hamburg. Ein Großereignis mit mehr als 100.000 Besuchern und 2000 Veranstaltungen, das sie als eine von vieren in der Geschäftsführung verantwortet. Und zwar an zentraler Stelle, bei der Kommunikationsfachfrau laufen so ziemlich alle Fäden zusammen. Inzwischen hat die absolute Hochphase der Vorbereitung angefangen. "Ich arbeite immer, wenn es geht", sagt die 34-Jährige, "aber es geht nicht immer." Denn es gibt ja auch noch Mats, ihren knapp zwei Jahre alten Sohn. Managerin mit kleinem Kind. Man muss nicht hellsehen können, um eine Vorstellung davon zu haben, was das bedeutet. Rund um die Uhr auf Empfang, unzählige Stunden in Sitzungen, kaum mal eine Mittagspause, wenig Schlaf - und im Fall von Sirkka Jendis: schneller reden. Darüber lacht sie.

Sie erzählt, dass sie ihren kleinen Sohn zweimal in der Woche selbst nachmittags aus der Kita abholt. Bis letzten Monat hat sie es sogar dreimal pro Woche geschafft - und so soll es nach dem Kirchentag auch wieder sein. Das habe sie sich schon beim Bewerbungsgespräch ausbedungen. An den anderen Tagen kümmert sich ihr Mann, der auch an verantwortlicher Stelle arbeitet, um den Kleinen. "Wir teilen uns die Betreuung. Das ist uns wichtig."

Schmal ist sie, die blonden langen Haare hat sie zu einem Zopf hochgebunden. Bevor sie vor einem Jahr beim Kirchentag anheuerte, war die studierte Kommunikationswissenschaftlerin sechs Jahre beim Zeit-Verlag und baute unter anderem das Tochterunternehmen Tempus Corporate mit auf, das Kundenmagazine etwa für die Universität Hamburg produziert. "Das war eine tolle Zeit. Aber als ich gehört habe, dass der Kirchentag jemanden für den Bereich Kommunikation sucht, habe ich gleich gedacht, dass könnte ein Traumjob sein", sagt Sirkka Jendis. Einerseits wegen der Verantwortung für die Bereiche Marketing, Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising sowie Controlling, für die sie als Geschäftsführerin zuständig ist. Aber eben auch wegen der Inhalte, der Auseinandersetzung mit den drängenden Themen der Zeit aus christlicher Perspektive. "Ich hatte keine Berührungsängste."

Sie kommt, wie sie es nennt, aus einem "kritischen protestantischen Haushalt". Ihr Vater war Leiter einer evangelischen Schule in Berlin - und begeisterter Kirchentagsbesucher. Als sie 14 Jahre alt war, fuhr sie zum ersten Mal mit. "München, 1993", sagt sie. Zwölf Stunden am Tag sei sie damals rumgelaufen, um nichts zu verpassen - sogar mit gebrochenem Zeh. An einen großen Gottesdienst erinnert sie sich besonders. "Es war überwältigend." Weitere Kirchentage folgten, auch 1995 in Hamburg war sie dabei. Dabei sei sie kirchlich nicht besonders engagiert gewesen. Getauft und konfirmiert natürlich, ihre freie Zeit verbrachte die Leistungssportlerin vor allem mit Synchronschwimmen und mit Klavierspielen. "Aber Kirchentag ist ja auch nicht gleich Kirche", sagt sie. "Das ist: für ein Jahr auftanken."

Und genau diese Begeisterung vermittelt sie auch. "Ich will den Kirchentag als Bewegung bekannt machen", sagt die Hamburgerin und schaut aus den großen Glasfenstern ihres Büros im siebten Stock der Kirchtagshauptquartiers an der Neuen Burg über die Stadt bis zum Hafen. An den Wänden hängen große Plakatwände, auf denen Termine der nächsten Wochen wie auf riesigen Stundenplänen festgelegt sind. Das Jonglieren mit vielen unterschiedlichen Themen macht ihr sichtlich Spaß, und auch das Wissen um die Unwägbarkeiten schreckt sie nicht. Kirchentag, das bedeutet auch mitmachen. Möglichst viele dafür zu gewinnen, ist ihr Job. "Ich arbeite gern mit Menschen, und im Kirchentagsumfeld trifft man sehr viele interessante. Das ist bereichernd", sagt sie. Natürlich ist die Position auch ein Karriereschritt nach oben, mit mehr Verantwortung und mehr Mitarbeitern. Zumal Sirkka Jendis Ende vergangenen Jahres zusätzlich zur Leiterin der Gesamtkommunikation des Kirchentags berufen wurde, als Nachfolgerin des langjährigen Sprechers Rüdiger Runge. "Die Personalunion ist Neuland, so einen Kommunikationsschwerpunkt gab es noch nie." Aber die Verantwortlichen trauen dem Energiebündel einiges zu, als neue Stimme des Kirchentags. Der nächste Kirchentag ist 2015 in Stuttgart. Die Altbauwohnung in Ottensen soll weiter Familienmittelpunkt bleiben. Da wird gekocht und viel gespielt, und wenn Mats im Bett ist, auch mal eine TV-Soap eingeschaltet. "Zur Entspannung."

Hat sie Wünsche für den Kirchentag? "Gutes Wetter", sagt sie. Das ist mal etwas, das sie nicht beeinflussen kann.

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