05.01.13

Gestern & Heute

Das Inferno von Altona - Racheakt mit ungeahnten Folgen

Vor 300 Jahren ließ der schwedische General Graf Stenbock Hamburgs Nachbarstadt in Brand setzen. Matthias Schmoock erinnert.

Foto: Historischer Bildersaal Imhof
Schwedenbrand Altona 1713
Eine Kupferstich-Reproduktion zeigt das brennende Altona im Januar 1713

Die Langstraße und der Markt standen um 1 Uhr in vollen Flammen. Das Commando zu Pferde blieb dabei stehen und patrouillierte mit großem Ungestüm auf und nieder. Die höchst betrübten Menschen wurden mit Gewalt und dem Zuruf: ,Stoßt die Hunde nieder!' von den Häusern abgedrängt, damit niemand löschen sollte. (...) Gegen 2 und 3 Uhr waren die Häuser bei und neben der reformierten Kirche, die Große und die Kleine Freiheit (...) die Bergstraße, der Lombard, die Straße bei von Rohden-Haus hinunter, die Königstraße mit der dahin anstoßenden Kibbelstraße nach der Kirche zu (...) in vollen Flammen." Diese zeitgenössische Quelle schildert ein erschütterndes Fanal: Vor 300 Jahren sank Altona in Schutt und Asche - ein Racheakt schwedischer Soldaten. Die geflüchteten Einwohner mussten in bitterster Kälte vom Hamburger Berg (dem heutigen St. Pauli) mit ansehen, wie ihre brennenden Häuser krachend zusammenstürzten. Wie konnte es so weit kommen?

Im Nordischen Krieg, der im Jahr 1700 begonnen hatte, waren Schweden und Dänemark erbitterte Gegner. Im Zusammenhang mit der Besetzung der zu Schweden gehörenden Herzogtümer Bremen und Verden eroberten dänische Truppen die Festung Stade, die nach heftigem Beschuss Ende August / Anfang September 1712 zum Teil zerstört wurde. Unter Führung des schwedischen Generals Graf Magnus Stenbock glückte eine Gegenoffensive, und die Dänen wurden am 20. Dezember 1712 bei Gadebusch geschlagen. Damit hätte Stenbock eigentlich wieder abziehen können, aber der schwedische Generalgouverneur Graf Vellingk machte Druck: Für Stades Zerstörung müsse Rache genommen werden. Das Städtchen Altona, ein unübersichtliches Gewirr aus verwinkelten Gassen, Fachwerkhäuschen und anderen wild wuchernden Gebäuden, hatte schlechte Karten. Es unterstand als Teil der Herrschaft Pinneberg unmittelbar dem dänischen König, galt also sozusagen als mitschuldig an Stades Schicksal. Die Schweden rückten aber nicht als blutrünstige Racheengel an. Ihr erster Verhandlungsführer, Oberst Graf Bassewitz, hatte sogar Mitleid mit der kleinen Stadt, die Jahre zuvor bei einem Feuer schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war und außerdem von der Pest gebeutelt wurde. Vielleicht hätte Altona sogar gerettet werden können, wenn sich der Magistrat nicht so stümperhaft angestellt hätte. Alle hochrangigen Vertreter der Stadtregierung hatten bereits das Weite gesucht, als die Schweden anrückten. Ein Rumpf-Magistrat verhandelte tapfer mit den Besatzern - mehr schlecht als recht, wie sich zeigen sollte. Die Gespräche über ein Lösegeld für Altonas Schonung zogen sich in die Länge, die mangelhafte Versorgung seiner Truppen verärgerte Stenbock zusätzlich. Schließlich war Altonas Schicksal besiegelt.

Am 8. Januar, einem Sonntag "zur Nacht um elfeinhalb Uhr" (so eine zeitgenössische Quelle) begannen die schwedischen Soldaten damit, erste Brandfackeln durch die Fenster der fast menschenleeren Häuser zu schleudern.

Das eng bebaute Städtchen mit seinen vielen Holzgebäuden brannte wie Zunder, rund 24 Stunden lang "ward der Brand continuirt". Die Bilanz der Schreckensnacht: Rund 960 Häuser und mehr als 270 sogenannte Buden mit insgesamt rund 1560 Wohnungen - knapp zwei Drittel Altonas - waren zerstört worden. Die Angaben schwanken, aber wohl nur rund 528 Häuser hatte das Feuer verschont. General Stenbock wurde bis an sein Lebensende von Gewissensbissen geplagt. "Gott sei mein Zeuge", schrieb er später, "dass die Verbrennung Altonas mit blutendem Herzen geschehen ist. Die vielen armen Leute, die dadurch geschaffen sind, zeigten mir, dass Gottes Segen von mir gewichen war." Doch Altona erholte sich recht schnell von der Zerstörung. Der energische Oberpräsident Christian Detlev von Reventlow ließ den Magistrat abschaffen und regierte die Stadt von 1714 an alleine. Eine Maßnahme erwies sich als besonders effizient: Bauwillige erhielten eine 15-jährige Steuerfreiheit für die Errichtung eines Fachwerkhauses, weitere fünf Jahre für den Bau eines Gebäudes aus Stein. So gut wie nichts blieb übrig von der Stadt des frühen 18. Jahrhunderts. Viele Häuser des ganz alten Altonas waren schon im Zuge von Sanierungsarbeiten abgebrochen worden, die ehemals dicht bebauten Gassen hatten sich um 1940 längst gelichtet. Mit der Zerstörung Altonas im Zweiten Weltkrieg verschwanden dann die letzten Reste des Städtchens von einst. Als ältestes Haus Altonas hatte lange das 1723 errichtete Gebäude Breite Straße 1 gegolten, das aber schon 1934 abgebrochen worden war. Die St.-Trinitatis-Kirche wurde zwar 1649 geweiht, der heutige Bau stammt aber erst von 1743 und ist streng genommen ein Nachbau der im Krieg völlig zerstörten Kirche. Eines der letzten Altonaer Altstadtgebäude aus dem 18. Jahrhundert findet man noch an der Großen Elbstraße 146 / Ecke Sandberg. Das barocke Wohnhaus mit dem hübschen Mansarddach wurde immerhin schon 1772 erbaut. Die Palmaille stammt als Straßenzug zwar schon aus der Zeit um 1638, aber die heute zum Teil noch erhaltene Bebauung setzte erst 1786 ein. Von den zuerst errichteten Häusern sind die Nummern 104 und 106 erhalten, wahrscheinlich auch die Nummer 100. Alle anderen Häuser entlang dieser Prachtstraße entstanden etwas später.

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