08.12.12

Weihnachtsbäume

Der Tannenbaum - Vom Wald ins Wohnzimmer

Er pikt und sein Harz klebt, dennoch will ihn jetzt jeder haben. Wo man ihn schlägt, wie man ihn trägt und welche Sorte die beliebteste ist.

Von Jan Haarmeyer
Foto: Jan Haarmeyer
Carsten Rosenau, 52, seine Frau Birgit, 46, und Sohn Renke, 23
Carsten Rosenau, 52, seine Frau Birgit, 46, und Sohn Renke, 23

Tannenbäume, so weit das Auge reicht. Große und kleine, dicke und dünne, schöne und, na ja, auch ein paar verwachsene. Auf dem riesigen Feld der Familie Rosenau in Granderheide bei Trittau sieht man buchstäblich den Wald vor lauter Tannen nicht. Prächtige Exemplare sind darunter. Und sehr viele von ihnen werden, bunt geschmückt, am Weihnachtsabend in den Wohnzimmern wieder die großen Augen der kleinen Kinder leuchten lassen. Oh Tannenbaum!

"Immer mehr Menschen kommen zu uns, um sich ihren Weihnachtsbaum auszusuchen und ihn auch selbst abzusägen", sagt Carsten Rosenau, 52. Der umtriebige Landwirt hat vor 20 Jahren damit angefangen, sich neben der Schweinezucht "ein zweites Standbein" aufzubauen. 500 Bäume haben er und seine Frau Birgit, 46, gepflanzt. Daraus wurden mit der Zeit vier Hektar, auf denen sie vorher Getreide angebaut haben. Was heißt das in Zahlen? "Pro Hektar sind das rund 8000 Bäume."

Hier draußen, 30 Kilometer vor den Toren Hamburgs, gibt es den Advent quasi zum Anfassen. Diese Jahreszeit, in der sich die Menschen wieder vermehrt auf Traditionen besinnen. Und dazu gehört, neben Kalendern, Kerzen und Kränzen, immer öfter auch ein selbst geschlagener Weihnachtsbaum zum Fest. "Für viele unserer Kunden ist das in jedem Jahr ein fröhliches Erlebnis für die ganze Familie", sagt Birgit Rosenau. Dann rücken sie an in Granderheide "und toben durch die Kultur". Mit Kind und Kegel, Säge und Zollstock, Handschuhen und Gummistiefeln, Holzfällerhemd und Handwagen. "Wir haben 80 Prozent Stammkundschaft, manche kommen schon seit 20 Jahren." Rund zwei Drittel der Kunden sägten ihren Baum selbst. Manche allerdings vertun sich dann leicht bei der Größe des Baumes. "Im Wald sind 2,40 Meter nämlich nix."

Was in diesen Wochen bei Familie Rosenau passiert, wird durch Zahlen des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger eindrucksvoll belegt. Zum Fest 2011 standen rund 21 Millionen natürliche Weihnachtsbäume in den deutschen Wohnzimmern. Dazu kamen drei Millionen Tannenbäume im öffentlichen und gewerblichen Bereich. Tendenz steigend.

Natürlich gibt es auch Menschen, die ihren Plastik-Weihnachtsbaum online bestellen. Oder sich eine künstliche pinkfarbene Tanne aus dem Baumarkt für 9,99 Euro ins Zimmer stellen. Aber die meisten lieben es weiterhin natürlich. "In mehr als 80 Prozent aller Familien zählt der Weihnachtsbaum zum elementaren Bestandteil des Festes", sagt Verbandssprecher Bernd Oelkers. "Regionales liegt dabei voll im Trend. Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Weihnachtsbäumen achten die Verbraucher zunehmend auf die Herkunft." Immer öfter laute die Devise: "Aus der Region, auf kurzem Weg, frisch aufgestellt."

Die eindeutige Nummer eins der Deutschen bleibt die Nordmanntanne mit einem Anteil von 72 Prozent. Buchstäblich weit abgeschlagen folgen Blaufichten (13 Prozent), Fichten (neun Prozent) sowie Nobilistannen und Kiefern mit je zwei Prozent.

Auch bei Birgit und Carsten Rosenau ist die Nordmanntanne der mit Abstand beliebteste Weihnachtsbaum. "Die ist vor Jahren in Mode gekommen." Weiche Nadeln, große Kranzabstände und daher gut zu schmücken. "Ein weiterer Vorteil ist die Haltbarkeit, weil sie erst spät die Nadeln lässt." Rund 90 Prozent ihrer Käufer verlangen inzwischen diesen Baum.

"Den Samen beziehen wir aus dem Kaukasus", sagt Renke Rosenau, 23. Der Sohn ist mittlerweile ebenfalls zum Baum-Experten geworden. Er weiß, wie man mit dem Unkrautjäten per Hand und dreimaligem Düngen pro Jahr, dem regelmäßigen Beschneiden und dem rechtzeitigen Hochbinden von neuen Trieben mittels Draht die Tannen in acht bis zehn Jahren zu wahren Prachtexemplaren wachsen lässt. Und die werden vermehrt nachgefragt.

Bereits Anfang Dezember gehen die ersten Bestellungen ein. Restaurants fragen nach bis zu acht Meter hohen Tannen. "Und manche stellen sich schon jetzt einen Baum auf ihre Terrasse - und holen sich dann noch einen zum Fest", sagt Birgit Rosenau. Der Trend gehe zur Zweittanne. Bedingt durch regional erhebliche Frostschäden insbesondere in Süddeutschland und dem angrenzenden Ausland, so der Bundesverband, dürfte es in diesem Jahr bei einigen Sorten und Größen knapper werden. "Die Verbraucher können trotzdem von stabilen Preisen ausgehen", sagt Bernd Oelkers. Je nach Qualität 16 bis 22,50 Euro pro laufenden Meter für Nordmanntannen, neun bis zwölf Euro für Blaufichten sowie fünf bis sieben Euro für Fichten. In diesem Preisbereich bewegen sich auch die Trittauer Tannen. "Unsere Preise sind seit drei Jahren stabil", sagt Carsten Rosenau.

Es ist aber wohl noch mehr das gemeinsame Erlebnis, das die Familien seit Jahren hierherkommen lässt. Ein Fest vor dem Fest, sozusagen. Am dritten Advent gibt es zu Punsch und Bratwurst auch noch ein Konzert des Jagdhornbläsercorps.

Und wer hat schließlich bei der Suche nach dem perfekten Baum in den Familien das letzte Wort? Carsten Rosenau überlegt einen Moment, seine Frau lächelt milde. "Das ist ganz unterschiedlich", sagt er dann, "aber manchmal geht es bei der Auswahl schon ganz schön zur Sache." Und wer setzt sich letzten Endes durch? "Na ja, ich würde schon sagen, die Frauen."

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