Harburg & Umland
21.01.13

Buxtehude

Auf dem Weg zum Krankenpfleger

Jovica Mihaljovic lernt am Klinikum Buxtehude vor allem, um sich im deutschsprachigen Raum sicher zu behaupten.

Von Bianca Wilkens
Foto: Bianca Wilkens
Jovica im Elbe Klinikum Buxtehude
Blutdruckmessen bei Hans Gustav Lauer ist kein Problem, Jovica wurde bereits in Serbien ausgebildet

Der Waschlappen ist eigentlich ein geläufiger Begriff im Krankenhaus. Ein Wort, das mehrfach am Tag fällt. Ein Ding, das Krankenpfleger in Deutschland oft in ihren Händen halten. Doch Jovica Mihaljovic brachte der Waschlappen fast zur Verzweiflung, als seine Chefin Elke Struwe, Leiterin der Chirurgie-Station C 3 im Buxtehuder Elbe Klinikum, ihn darum bat, einen solchen zu organisieren. Er kannte, wie er später erzählt, weder das Wort, noch hat er im serbischen Krankenhaus je so einen Waschlappen benutzt, um die Patienten zu reinigen. Dort säubern Familienangehörige oder Freunde in der Regel die Kranken, um deren Intimsphäre zu wahren.

Allein mit dieser kleinen Episode hat der Spruch "Andere Länder, andere Sitten" für Elke Struwe und ihren Schützling Jovica Mihaljovic einen tieferen Sinn bekommen. Seit dem 7. Januar arbeitet der 19-Jährige Serbe im Elbe Klinikum Buxtehude. Er ist einer von insgesamt 15 qualifizierten Pflegekräften aus Serbien, die zunächst ein halbes Jahr in den Elbe Kliniken eine so genannte Anerkennungszeit absolvieren und dann - wie berichtet - nach bestandener Prüfung in den Elbe Kliniken Stade-Buxtehude oder im Seniorenpflegeheim an den Moorlanden in Neu Wulmstorf beschäftigt werden.

Es ist vor allem Suzana Vidra, gebürtige Serbin und Leiterin des Seniorenpflegeheims An den Moorlanden in Neu Wulmstorf, zu verdanken, dass ihre Landsleute hier sind. Gemeinsam mit Bernd Lambrecht, Pflegedienstleiter der Elbe Kliniken Stade-Buxtehude, hat sie die Pflegekräfte in die Region geholt.

Zwar rekrutieren die Elbe-Kliniken jedes Jahr 30 bis 35 Vollzeitkräfte aus ihrer eigenen Schule für Gesundheits- und Krankenpflege. "Aber auch zwischen den Einstellungsterminen im Frühjahr und Herbst müssen wir Pflegepersonal akquirieren", sagt Bernd Lambrecht, Pflegedienstleiter der Elbe Kliniken Stade und Buxtehude. Denn in der Klinik macht sich zunehmend der demografische Wandel bemerkbar - älteres Personal scheidet aus. Hinzu kommen Mitarbeiterausfälle wegen Schwangerschaft, was bei einer Frauenquote von 95 Prozent keine Seltenheit ist, und die höhere Pflegebedürftigkeit der Patienten. Denn wer im hohen Alter ins Krankenhaus eingeliefert wird, muss auch länger gepflegt werden. Alles zusammen führt zum Fachkräftemangel in den Elbe Kliniken.

"Es entstehen Lücken, die schwer zu schließen sind, weil auch die Zahl der Bewerber sinkt", sagt Margret Eckhoff, die den Pflegdienst in der Buxtehuder Klinik leitet. Insofern stieß das Bestreben von Suzana Vidra, qualifizierte, arbeitslose Pflegekräfte nach Deutschland zu holen, auf offene Ohren bei den Verantwortlichen.

Die Bewerber mussten zwei Voraussetzungen erfüllen: Sie mussten einen qualifizierten Berufsabschluss in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie das Zertifikat B 2, das ein fortgeschrittenes Sprachniveau voraussetzt, vorweisen können.

Am 2. Januar, etwa 14 Uhr, kamen die 15 Männer und Frauen aus Serbien nach einer fast 30-stündigen Busreise in Stade an. Jovica Mihaljovic ist der Jüngste von ihnen. Für den Job im Elbe Klinikum hat er seine Eltern, Familie, Freunde und "sein Mädchen" zurückgelassen. Er macht sich keine Illusionen: Aufgewachsen in einem armen Land mit einer Arbeitslosenquote von 26 Prozent, weiß er, wie schlecht die Chancen stehen, als Krankenpfleger in seinem Heimatort Leskovac einen Job zu ergattern.

Umso glücklicher ist er, jetzt hier zu sein, auch wenn er seine Lieben zuhause vermisst. Der junge Krankenpfleger strahlt, als er im Pausenraum der Chirurgie-Station sitzt und von seinen ersten Arbeitstagen in Deutschland erzählt. Alles hier sei schöner und besser, sagt er. Thermometer und Blutdruckmesser in jedem Raum, verstellbare Betten, Krücken für die Patienten - Dinge, die er hier zum ersten Mal sieht. Nach diesen wenigen Tagen weiß er schon: Er möchte hier bleiben.

Damit das klappt, muss der Krankenpfleger zunächst ein halbes Jahr lang auf der Chirurgischen Station als Pflegehelfer arbeiten und danach eine mündliche, schriftliche und praktische Prüfung absolvieren. Wenn Jovica die Prüfung bestehen sollte, stellt das Elbe Klinikum einen Antrag auf Anerkennung seines Berufsabschlusses als Gesundheits- und Krankenpfleger in Deutschland, und kann ihn daraufhin als Krankenpfleger anstellen. Er erhält dann das gleiche Gehalt wie seine deutschen Kollegen.

Bis dahin haben alle Beteiligten aber noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. Zwar spricht Jovica Mihaljovic gut Deutsch. Doch er ist in einem Krankenhaus in vielfacher Hinsicht gefordert: Er muss nicht nur Hochdeutsch in Wort und Schrift, sondern auch die deutsche Umgangssprache, das Fachchinesisch in der Medizin sowie den hausinternen Jargon beherrschen. Ganz zu schweigen, von sprachlichen Feinheiten wie Ironie und Witz, was zunächst schwer zu entschlüsseln ist.

Das zeigt auch diese Situation, in der Jovica Mihaljovic eigentlich alles richtig macht: Er schreitet flotten Schrittes ins Zimmer, um einem Patienten das Mittagessen zu bringen. Dabei balanciert er das Tablett mit Fisch, Möhrchen und Kartoffeln sicher auf seinen Händen, und erkundigt sich freundlich nach dem Befinden von Hans Gustav Lauer. Doch auf seine Frage "Wie geht's?" kommt als Antwort ein energisches "schlecht" zurück. "Wirklich?", scheint sich Jovica Mihaljovic zu fragen und blickt seine Chefin Elke Struwe Hilfe suchend an.

Auch sie hatte es sich mit der deutschen Sprache einfacher vorgestellt. Aber sie ist froh, Unterstützung zu haben. "Jovica ist hoch motiviert. Er hat sich hier sehr schnell in den Prozess eingefunden", sagt sie.

In der Tat: Jovica Mihaljovic hat eine schnelle Auffassungsgabe. Die Systematik eines Blutzuckermessgerätes durchschaut er genauso schnell wie eine Übergabedatei. Und am Ende dieser Frühschicht traut er sich sogar, zum ersten Mal ans Telefon zu gehen. Wieder was gelernt. Am Ende wird es darauf ankommen, ob seine Kollegen und Vorgesetzten das haben, was sich Jovica Mihaljovic in seinem ersten Gespräch mit der Stationsleiterin Elke Struwe am allermeisten gewünscht hat: Geduld.

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