Harburg & Umland
16.01.13

Kreis Harburg

2000 Jahre alte Öfen in Trelde ausgegraben

Archäologen des Helms-Museums legen auf einer Baustelle für ein Autohaus mehrere Kalkbrennöfen aus der römischen Kaiserzeit frei.

Von Christiane Tauer
Foto: Christiane Tauer
Jörn Kludas (l.), Grabungsmitarbeiter, und Kreisarchäologe Jochen Brandt mit einer Tasse, die ebenfalls unter den Funden war
Jörn Kludas (l.), Grabungsmitarbeiter, und Kreisarchäologe Jochen Brandt mit einer Tasse, die ebenfalls unter den Funden war

Buchholz. Für Außenstehende mögen sie vielleicht keine Sensation sein, doch für Archäologen sind die neuen Funde aus dem Gewerbegebiet am Trelder Berg in Buchholz von großer Bedeutung. Sechs Kalkbrennöfen aus der römischen Kaiserzeit, einen Hausgrundriss und zahlreiche Keramikscherben von Tassen oder Tischgeschirr haben die Ausgrabungsmitarbeiter des Archäologischen Museums in Harburg in der Erde entdeckt.

"Die Fundstücke helfen dabei, ein großflächiges Bild der Besiedlungsgeschichte des Landkreises Harburg zu erstellen", sagt Kreisarchäologe Jochen Brandt. Da es im Landkreis Harburg rund 200 bis 300 weitere Fundstellen aus dieser Zeit gibt, könne man mittlerweile mit Fug und Recht behaupten, dass die Region südlich der Elbe schon vor 2000 Jahren flächendeckend besiedelt gewesen ist.

Es waren die Bauarbeiten für ein neues Autohaus, die die Ausgrabung in Trelde überhaupt erst ermöglicht hatten. Bekannt sei bereits seit dem Jahre 2002, dass es an der Stelle des heutigen Gewerbegebiets eine alte germanische Siedlung gab, sagt Brandt. Nur, wo genau überall die Spuren menschlichen Lebens zu finden sind, war nicht eindeutig geklärt. Um jetzt endlich Sicherheit zu bekommen, wollen Brandt und sein Team in Kürze das gesamte Areal des Gewerbegebietes unter die Lupe nehmen.

Dort sollen bald weitere Gebäude entstehen, weshalb bereits vor Beginn der Bauarbeiten sicher sein muss, wo sich Fundstücke verstecken könnten.

Der Zeitrahmen ist bei diesen Untersuchungen immer relativ knapp bemessen. An der jetzigen circa 0,8 Hektar großen Fundstelle hätten die Ausgrabungsmitarbeiter beispielsweise nur etwas mehr als zwei Wochen graben dürfen, erzählt Brandt. Der Bauherr wollte mit seinen Arbeiten schnell weitermachen, da durfte nicht getrödelt werden. "Er war aber sehr kooperativ, das ist nicht überall der Fall", fügt er hinzu.

Mit einem kleinen Bagger machten sich die Museumsleute im Dezember daran, den etwa 20 Zentimeter tiefen Humus abzutragen. An mehreren Stellen entdeckten sie daraufhin runde, dunkle Kreise - eindeutige Indizien für einen Ofen. "Viele archäologische Objekte sind nur als Verfärbungen im Boden zu sehen, und die verblassen sehr schnell", erklärt er. An der Fundstelle fanden sich neben orangefarbenen Flecken, die auf Reste der Ofenkuppel hindeuteten, eine graue Kalkschicht im unteren Bereich sowie Brandschichten und mehrere Steine, die drum herum gelegt waren.

Das ganze Gebilde wies einen Durchmesser von 1,50 Meter auf und lag in einiger Entfernung zu dem Haus, dessen teilweise erhaltenen Grundriss sie direkt an der Ritscherstraße entdeckt hatten - der andere Teil des Grundrisses war vermutlich bei den Bauarbeiten an der Straße zerstört worden.

Die Öfen seien keine Backöfen gewesen, wie man vielleicht denken könnte, sondern technische Anlagen, mit deren Hilfe man damals bei bis zu 1000 Grad Celsius Kalk herstellte, erklärt Brandt. Wegen der Brandgefahr mussten sie weit genug von der Wohnbebauung entfernt sein. Den Kalk verwendeten die Menschen für die unterschiedlichsten Dinge, etwa für das Tünchen von Wänden, zur Herstellung von Seife oder zum Gerben.

Aus der Zeit zwischen 400 vor Christus und 500 nach Christus datiert der Kreisarchäologe die Kalkbrennöfen. "Für diesen Zeitraum sind sie gesichert." Etwas konkretere Aussagen kann er zu den Keramikfunden machen. Die Kammstrichverzierung an den Geschirrstücken etwa sei typisch für die ersten drei Jahrhunderte nach Christus. Als besonders hervorstechend wertet Brandt das polierte und mit Holzkohle schwarz gefärbte Tischgeschirr sowie die zwei verbliebenen Teile einer Tontasse, von der sogar noch der Henkel übrig geblieben ist.

Eine ländliche Siedlung sei es gewesen, die dort im Buchholzer Süden existierte, sagt er. Wie viele Menschen sie beherbergte, könne er aber nicht genau sagen. Dass es Germanen waren, stuft Brandt hingegen als relativ sicher ein. Aber welcher Stamm es war - da muss der Archäologe passen. "Vielleicht waren es Langobarden, vielleicht aber auch eine andere Gruppe."

Die beweglichen Fundstücke werden er und sein Team im Museum nun näher untersuchen und sie danach ins Magazin bringen. Über die Brennöfen haben die Bauarbeiter bereits eine Bodenplatte verlegt, das Autohaus soll schließlich bald fertig werden. Brandt hält es aber durchaus für möglich, ein paar Stücke an den Bauherrn zu übergeben, damit er sie später in einer Glasvitrine an Ort und Stelle präsentieren kann.

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