Harburg & Umland
07.01.13

Harburg

Start für Streetart auf mehr als 500 Metern

Verein Großstadtraum eröffnet Hamburgs größte legale Graffiti-Wand. Vier Jahre dafür gekämpft. 100 Künstler schaffen eine Freiluft-Galerie.

Von Thomas Sulzyc
Foto: Thomas Sulzyc
Mit laszivem Schlafzimmerblick begrüßt diese Popart-Schönheit jetzt Spaziergänger am Bostelbeker Hauptdeich, wo jetzt eine große legale Graffiti-Wand eröffnet wurde
Mit laszivem Schlafzimmerblick begrüßt diese Popart-Schönheit jetzt Spaziergänger am Bostelbeker Hauptdeich, wo jetzt eine große legale Graffiti-Wand eröffnet wurde

Harburg. Frauen mit verführerischen Kurven und lasziven Kulleraugen. Schriftzüge in zackigen Formen und schrillen Farben. Ein Außerirdischer mit langem Rüssel und bunten Haaren. Auf insgesamt 510 Metern Länge ist jetzt an der Flutschutzmauer am Bostelbeker Hauptdeich in Harburg Streetart zu sehen. Der Verein Großstadtraum hat dort am Sonnabend Hamburgs größte öffentliche legale Wand zur freien künstlerischen Gestaltung mit Dose, Rolle oder Pinsel eröffnet. 100 Künstler, meist Sprayer, aus Hamburg, Berlin, Kiel und Dortmund haben die Freiluft-Galerie gestaltet.

Mit einer Genehmigung des Vereins dürfen Graffiti-Künstler ab sofort beide Seiten eines 255 Meter langen Teilstücks der bis zu fünf Meter hohen Flutschutzmauer bemalen. In der Szene gilt die insgesamt 510 Meter lange legale Graffiti-Wand als die größte ihrer Art in Norddeutschland. "Wir haben keine Kenntnis, dass es eine größere zusammenhängende Fläche im Norden gibt", sagt Alexander Grieschat. Der 29 Jahre alte Veranstaltungskaufmann und Clubchef ist zusammen mit dem Diplom-Pädagogen Nandor Olah Initiator des Kunstprojektes.

Wer an Hamburgs größter Streetart-Wand malen will, muss zuvor eine Genehmigung des Vereins Großstadtraum einholen. Sie gilt für drei Tage. So lange ist also auch das Graffito in der "Hall of Fame" geschützt. "Genehmigungen zur farblichen Umgestaltung am Bostelbeker Hauptdeich", so heißt in Amtsdeutsch die Erlaubnis, erhalten Künstler in dem Graffiti-Fachgeschäft "Sprühkopf" in der Nobléestraße 39 in Harburg. Für die Lizenz zum Sprayen ist eine Spende fällig. Über die Höhe entscheidet der Künstler selbst. "Wer nur einen Euro geben kann, macht das eben so", sagt Alexander Grieschat. Der Verein wolle bewusst jedem den Zugang ermöglichen. "Großstadtraum" arbeitet zurzeit noch an einer Rechtskonstruktion, Mitgliedern eine Jahreserlaubnis zum Malen anzubieten.

Wer ohne eine Genehmigung an der Flutschutzmauer malt, riskiert eine hohe Geldstrafe wegen Sachbeschädigung. Die zuständige Hafenpolizei kontrolliert immer wieder mal den Deichabschnitt am Bostelbeker Hauptdeich.

Alexander Grieschat geht davon aus, dass in Zukunft auch andere Veranstalter die legale Graffiti-Wand in Harburg nutzen werden. In der Graffiti-Szene gibt es mehrere Großveranstaltungen, zu denen viele Künstler zusammenkommen. Ein Beispiel ist der Graffitibox Jam in Berlin. In diese Reihe könnte sich Harburg einreihen. Unter den 100 Künstlern bei der Eröffnung am Sonnabend ist auch ein 32 Jahre alter Sprayer aus Kiel: "Es gibt nur wenige Treffen dieser Art in Deutschland, bei dem so viele Maler zusammenkommen", sagt er begeistert.

Bei solchen Gelegenheiten sei es toll, anderen Künstlern über die Schulter schauen zu können, sagt ein anderer Sprayer aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt. Für ihn sei es besonders reizvoll, bei der Premiere zur legalen Graffiti-Wand in Harburg dabei sein zu können. 35 Dosen mit verschiedenen Farben hat der 24-Jährige mitgebracht. 126 Euro hat ihn das gekostet. Die Flutschutzmauer biete eine hervorragende Fläche zur Gestaltung: "So schön glatt, besser geht's nicht."

Auch wenn sie mit Erlaubnis ihre Kunst an die Wand malen und sprühen - seinen Namen möchte keiner der Künstler nennen. Auch Fotos, auf denen ihr Gesicht zu sehen ist, lehnen sie ab. Die Wahrung der Anonymität ist üblich in der Szene. "Man ist halt' vorsichtig", sagt ein junger Mann. Zu leicht werden Graffiti-Künstler mit Sachbeschädigungen in Verbindung gebracht. "Es gibt welche, die erhalten Aufträge und leben davon. Andere taggen. Und alle werden in einen Topf geworfen", sagt der 32-Jährige aus Kiel. Taggen bedeutet das Aufmalen seines Zeichens in der Öffentlichkeit. Viele empfinden das als Schmiererei.

Vier Jahre lang haben Alexander Grieschat und Nandor Olah für die legale Graffiti-Wand gekämpft, um endlich die Genehmigung zu erhalten. Lange hatte sich der zuständige Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) aber Bedenken gegen das Bemalen der Flutschutzmauer: Eine großflächige Bemalung würde die Inspektion erschweren. Mittlerweile sieht die Behörde das Kunstprojekt aber als nützlichen Feldversuch, die Auswirkungen auf die Bauwerksprüfung zu beobachten. Außerdem hofft sie, dass die von einem Verein kontrollierte künstlerische Gestaltung der Hochwasserschutzwand das ärgerliche illegale Beschmieren eindämmt.

Am liebsten möchte der Verein Großstadtraum die gesamte Flutschutzwand am Bostelbeker Hauptdeich beidseitig mit insgesamt 1500 Metern Länge nutzen. Dann würde die Harburger Streetart-Galerie sogar die East Side Gallery in Berlin in den Schatten stellen.

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