Harburg & Umland
19.11.12

Hamburg-Neuwiedenthal

Hamburgischer Stifterpreis 2012: Mittagskinder in Endauswahl

Arbeit der Stiftung wird durch Spenden finanziert. Rund 450.000 Euro kostet es pro Jahr, "den Kindern ein Fenster zum Leben aufzustoßen".

Von Alexander Schuller
Foto: HA / A.Laible
Gesundes Essen, garniert mit einer Fülle von "Impulsprogrammen", sollen Kindern wie John, Joe und Samuel (von links) bessere Zukunftschancen eröffnen
Gesundes Essen, garniert mit einer Fülle von "Impulsprogrammen", sollen Kindern wie John, Joe und Samuel (von links) bessere Zukunftschancen eröffnen

Hamburg. Genau genommen ist Neuwiedenthal gar kein eigener Stadtteil, sondern bloß eine Siedlung, die zu Hausbruch und Fischbek/ Neugraben gehört. Allerdings eine etwas größere Siedlung, mit rund 13.500 Einwohnern, die überwiegend in zwei- bis viergeschossigen Mietshäusern leben, deren architektonische Einförmigkeit von ein paar Hochhäusern unterbrochen wird. Zwischen den vielen Wohnstraßen, Schulen, den Kitas, dem unvermeidlichen Einkaufszentrum und der S-Bahn finden sich großzügige, modern gestaltete Grün- und Freizeitflächen. Auch die meisten der Mietshäuser sehen mit ihren frischen Isolierfassaden jetzt sogar richtig schmuck aus.

Es wurde viel getan, um das hässliche Bild dieses ewigen "sozialen Brennpunkts" nach außen hin zu korrigieren, vieles davon in Eigeninitiative. Vor allem nach dem brutalen Überfall auf fünf Polizisten, der Neuwiedenthal vor zweieinhalb Jahren plötzlich wieder in die Schlagzeilen katapultiert hatte; so mancher dachte damals, die Siedlung wäre ein Kriegsgebiet mit nächtlicher Ausgangssperre.

Es sind die Zahlen, die dafür sorgen, dass Neuwiedenthal seinen Ruf als "Problemviertel" nicht loswird: Rund 13.500 Einwohner leben hier in 3100 Sozialbauwohnungen, die Arbeitslosenquote beträgt rund 13 Prozent, knapp 20 Prozent der Bevölkerung besitzt einen Migrationshintergrund, und die Polizei verzeichnet Jahr für Jahr rund 1400 Straftaten. Menschen aus 80 Nationen müssen versuchen, hier miteinander auszukommen.

Dies klappt vermutlich am besten in den Sozialräumen des Saga-Wohnhofs am Rehrstieg, einer Souterrain-Wohnung, die der städtische Wohnungsbaukonzern der Stiftung zur Verfügung gestellt hat. Eine zweite, die größere Einrichtung wird in Kirchdorf-Süd betrieben. Während der Woche, auch in den Ferien, sind die Kindertreffs von 13 bis 19.30 Uhr geöffnet. "Derzeit nehmen insgesamt etwa 200 Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren unser Angebot wahr", sagt Stiftungsgründerin Susann Grünwald.

Die ehemalige Journalistin, eine flotte Best-Agerin, hat vor acht Jahren ihre Stiftung ins Leben gerufen, die bei den sozial benachteiligten Kindern die Negativfolgen der Gettoisierung auffangen soll, die in den 1970er-Jahren auf Reißbrettern verbrochen wurde. "Das Wichtigste ist, dass die Kinder einen Ort haben, in dem sie jederzeit verlässliche Ansprechpartner vorfinden", definiert Susann Grünwald, "denn genau das ist in vielen Familien, die hier wohnen, leider nicht selbstverständlich." Ihre Klientel stamme, vorsichtig ausgedrückt, zumeist aus der bildungsferneren Schicht, was sich durch alle Nationalitäten und Religionen durchziehe. "Wir sind jedoch stolz darauf, frei von irgendwelchen Ideologien und stattdessen mit optimistischem Pragmatismus unsere Aufgaben anzugehen."

Die Arbeit der Stiftung wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Rund 450.000 Euro kostet es pro Jahr, "den Kindern ein Fenster zum Leben aufzustoßen", sagt die Stiftungsgründerin. Damit meint sie das Füllhorn an sinnvoller Förderung und Freizeitbeschäftigung, aus dem die "Mittagskinder" schöpfen können. Dazu gehören unter anderem Sprachförderung, Computerkurse und Sportangebote wie ein Schwimmkursus; eine Schachgruppe, ein "Mitmachlabor", das Anlegen eigener Gemüse- und Kräuterbeete sowie mehrere Ausflüge im Jahr. Unterstützung erhalten die Mittagskinder dabei von der DLRG, der Harburger Turnerschaft und dem HSV. Und ganz wichtig: Nach jeder Mahlzeit werden gemeinsam die Zähne geputzt - damit im Zahnmobil, das einmal im Jahr anrollt, möglichst nicht gebohrt werden muss ...

Für dieses umfangreiche Programm arbeiten zurzeit acht fest angestellte Fachkräfte - Erzieherinnen, Pädagogen und Sozialpädagogen - sowie 15 Honorarkräfte für die Stiftung. All das kostet die Familien der Kinder keinen Cent. Und statt eines komplizierten Anmeldeverfahrens gehen die Kinder einfach hin. Und kommen in den meisten Fällen auch gerne wieder. "Einmal hab ich einen kleinen Afrikaner gefragt, wo er wohne", sagt Susann Günwald, "und er meinte: 'Hier!'." Da schimmern ihre Augen auf einmal ein wenig feucht.

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