Harburg & Umland
15.11.12

Harburg

Gospeltrain: Die Kulturbotschafter sind am Zug

Der Harburger Chor Gospeltrain tritt in der Ebert-Halle auf. Die Schüler sangen schon für Schwedens Königin und US-Fußballer.

Von Lutz Kastendieck
Foto: Lutz Kastendieck
Fünf Solisten des Schulchors Gospeltrain aus Harburg (v.l.): Ladji Keita (17), Lara Fieritz (20), Michel Kruschwitz (18), Luca Sophie Büttner (18) und Sven Sennert (23) Foto: Lutz Kastendieck
Fünf Solisten des Schulchors Gospeltrain aus Harburg (v.l.): Ladji Keita (17), Lara Fieritz (20), Michel Kruschwitz (18), Luca Sophie Büttner (18) und Sven Sennert (23) Foto: Lutz Kastendieck

Harburg. Aus der Musik-Aula III der Stadtteilschule Harburg an der Eißendorfer Straße dringt eine Melodie ins Foyer, die einen unwillkürlich innehalten lässt. Es ist der Song "Run", mit dem die britische Sängerin Leona Lewis vor vier Jahren die Charts stürmte. Auch die Harburger Coverversion des Titels der Band Snow Patrol verströmt jene Kraft und Intensität, die Menschen zu fesseln vermag. Dabei sind die Protagonisten keineswegs ausgebildete Gesangsprofis - es sind die Solisten des Schulchors Gospeltrain. Am Freitag, 23. November, wird er sein Jahreskonzert in der Ebert-Halle geben.

Vermutlich wird sie wieder restlos gefüllt sein. Was allein schon belegt, dass die 1999 gegründete Formation weit mehr als ein gewöhnlicher Schulchor ist. Und das hat gute Gründe. Wer die letzten Proben vor dem großen Heimspiel Ende kommender Woche verfolgt, spürt sofort die Leidenschaft, mit der die Sängerinnen und Sänger bei der Sache sind.

"Das ist wirklich eine wundervolle Aufgabe. Ich bekomme weit mehr zurück, als ich hineingebe. Viele der jungen Sänger sind Rohdiamanten. Es ist alles da, man muss es nur wecken", sagt Chorleiter Peter Schuldt. Aktuell singen rund 110 von 1610 Schülern der Stadtteilschule in verschiedenen Chormodulen. "Um alle bei Konzerten auf die Bühne zu bringen, fehlt oft der Platz", so Schuldt. Deshalb besteht die Stammformation aus gut 45 Sängern, zumeist Oberstufenschüler. "Beim Jahreskonzert rechne ich mit 90 Akteuren."

Dazu gehören übrigens auch die Studenten Sven Sennert, 23, und Lara Fieritz, 20. Um weiter bei Gospeltrain singen zu können, haben sie sich mit der Leuphana Lüneburg extra eine Uni gesucht, die nicht so weit von Harburg entfernt ist. "Es sind in den Jahren Freundschaften entstanden, die man nicht einfach so hinter sich lässt", sagt Sven Sennert. Lara Fieritz hat die hohe Professionalität des Chors beeindruckt und wie Talente gezielt gefördert würden. Sie gehört inzwischen auch dem Quartett Voice4Soul an, das wie Volkan Baydar (Orange Blue) und die Band The Life Between ebenfalls in der Ebert-Halle singen wird.

Gospeltrain steht derweil auch für ein gelungenes Beispiel gelebter Integration. An der Schule sind Schüler vereint, deren Eltern aus knapp 30 Nationen stammen. Dass Harburg ein Schmelztiegel vieler Kulturen ist, spiegelt sich auch im Gospeltrain wieder. "Der Chor ist so gut, weil er so verschiedene Typen hat und aus vielen Einflüssen gespeist wird", sagt Ladji Keita, 17, dessen Vater Ivorer, die Mutter Deutsche ist. Chorleiter Peter Schuldt vergleicht seinen Chor gern mit der deutschen Fußballnationalmannschaft. Deren Spielweise werde inzwischen auch von vielen Migranten geprägt.

Für Michel Kruschwitz, 18, entspricht die Musik des Chors dem vitalen Lebensgefühl vieler Schüler. "Sie transportiert durch ihre afro-amerikanischen Einflüsse in Melodie und Rhythmus pure Emotion, Lebensfreude und Optimismus, aber auch grundlegende Themen wie Liebe, Freundschaft, Toleranz und Hilfsbereitschaft." Die unterschiedlichen Klangfarben der Nationen und stilübergreifenden Arrangements verleihen dem Chor einen ganz eigenen Sound, der in den vergangenen Jahren weit über die Grenzen Harburgs hinaus für Furore gesorgt hat.

Längst ist Gospeltrain zu einem Kulturbotschafter für ganz Hamburg geworden. Pro Jahr gibt es im Durchschnitt 25 Auftritte. Bei der offiziellen Begrüßung des US-Teams zur Fußball-WM 2006 im Hamburger Rathaus begeisterten die Harburger Sänger die Spieler derart, dass das ganze Protokoll durcheinander kam. Weil die Kicker sofort mitsangen und -swingten, musste sich Bürgermeister Ole von Beust damals einige Zeit in Geduld üben.

Unvergessen bleibt auch der gemeinsame Auftritt mit Schwedens Königin Silvia im selben Jahr in Kiel. Ihr zu Ehren war extra "Dancing Queen" von Abba einstudiert worden. "Silvia war so begeistert, dass sie auf die Bühne stürmte und mitsang", berichtet Sven Sennert. Im Vorjahr gastierte eine kleine Abordnung des Chores sogar in Dubai, auf einer Bühne am Strand.

"Der Chor ist inzwischen wirklich ein Teil von mir, ich habe regelrecht Angst, etwas zu verpassen", gesteht Luca Sophie Büttner. Wer erlebt, wie sich die 18-Jährige bereits bei der Generalprobe für das Jahreskonzert ins Zeug legt, zweifelt daran keinen Augenblick. 25 Songs aus dem aktuellen Repertoire von rund 50 Titeln haben die Gospeltrain-Sänger für die große Show in der Ebert-Halle selbst ausgewählt. Darunter solch internationale Hits wie "Rolling In The Deep" von Adele oder "Endlose Nacht" aus dem Musical "König der Löwen". Natürlich ist auch "Run" dabei, mit Luca Sophie Büttner als Solistin. Vermutlich hätte auch Englands Popkönigin Leona Lewis ihre helle Freude an der Version aus Harburg.

Übrigens: Wer keine Tickets für kommenden Freitag bekommt, sollte sich schon mal den 22. Februar 2013 vormerken. Da tritt Gospeltrain auch wieder beim Benefizkonzert "Herz As", dem Obdachlosenprojekt des Lions-Clubs Hamburg-Hammonia, auf.

13. Jahreskonzert von Gospeltrain; Freitag, 23. November, 19 Uhr; Friedrich-Ebert-Halle, Alter Postweg 30. Karten zwischen 10,15 und 19,10 Euro, ermäßigt 7,70 bis 14,65 Euro, zzgl. Vorverkaufsgebühr. Weitere Infos: www.gospeltrain-hamburg.de

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