24.01.13

Wilhelmsburg

Der beliebte Elbstrand Finkenriek schwindet

Ortskundige beobachten an der Badestelle Finkenriek stärkere Erosion als üblich. Politiker alarmieren das Bezirksamt Hamburg-Mitte.

Von Thomas Sulzyc
Foto: Thomas Sulzyc
Andre Plaster (l.) und Michael Weinreich sorgen sich um die Zukunft der beliebten kleinen Badestelle Finkenriek
Andre Plaster (l.) und Michael Weinreich sorgen sich um die Zukunft der beliebten kleinen Badestelle Finkenriek

Wilhelmsburg. Zwei rüstige Damen, die regelmäßig am Finkenrieker Hauptdeich ihren Freizeitsport Walking ausüben, haben den Wilhelmsburger SPD-Politiker Andre Plaster darauf aufmerksam gemacht: Der Sandstrand der beliebten kleinen Badestelle an der Süderelbe droht offenbar weggespült zu werden. Eine Abbruchkante ist bei Niedrigwasser sichtbar. "Erschreckend", sagt Andre Plaster. Denn nach Meinung mehrerer Ortskundiger gehe das Ausmaß der Erosion in diesem Winter weit über das gewohnte Maß hinaus. In der Bevölkerung geht die Sorge um, sagen Plaster und der SPD-Bezirksversammlungsabgeordnete Michael Weinreich, dass der Badestrand bei anhaltendem Trend noch in diesem Winter verschwunden sein könnte.

Nach Beobachtungen von Einheimischen werde der Strand in Finkenriek seit einigen Wochen immer schmaler. Im Vergleich zu früheren Winterhalbjahren habe er in der Breite mehrere Meter eingebüßt. Auf Initiative der SPD hat jetzt der Regionalausschuss Wilhelmsburg einstimmig die Bezirksverwaltung Hamburg-Mitte aufgefordert, zu prüfen, ob der Sandstrand tatsächlich einer außergewöhnlich starken Erosion ausgesetzt ist. Sollten Experten das bestätigen, verlangt der Regionalausschuss "Gegenmaßnahmen", um den Badestrand für die Naherholung und seine Funktion für den Hochwasserschutz der Elbinsel wieder herzustellen.

Alle Fraktionen sehen das Schwinden des Sandstrandes als ernsthaftes Problem. Stefan Dührkop (Die Linke) hofft, dass die Verwaltung schnell eine Antwort habe. "Dieser Badestrand wird großartig angenommen", sagt er. Es sei spannend zu erfahren, wo unser Sand bleibt, heißt es aus der Grünen-Fraktion. Für die Hafenwirtschaft, Industrie und den Naturschutz abgesperrte Flächen sorgen dafür, dass sich bei den Einheimischen in Wilhelmsburg nur selten das Gefühl einstellt, auf einer Insel zu leben.

Zugänge zum Elbufer sind rar. Die Flussbadestelle Finkenriek ist ein solches Kleinod. An einem warmen Tag nehmen hier Familien und Pärchen ihr Sonnenbad. Hundehalter führen hier das ganze Jahr über ihre Vierbeiner aus. "Es ist die Stelle schlechthin, am Ufer Freizeit zu machen", sagt Michael Weinreich.

Auf der Elbe finde Schiffsverkehr statt, was irgendwie romantisch sei, schreibt ein User der Internet-Community Qype, die Orte bewertet, warum er den Elbstrand Finkenriek so sehr schätzt. Der Sand sei sehr fein, Bäume böten Schatten.

Wer am Strand Finkenriek in die Süderelbe steigt, badet auf eigene Gefahr. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft warnt auf einem Schild Schwimmer vor dem Schiffsverkehr mit den flachen Frachtschiffen, Wellenschlag und Sog sowie der starken Strömung. Die tief über dem Wasser liegenden Brücken in der Nähe des Strandes sollen ungünstige Strömungen bewirken, hat Michael Weinreich gehört.

Das hält die Wilhelmsburger nicht davon ab, ihren kleinen Strand zu lieben. Wasser ist ein wichtiges Charakteristikum ihrer Identität. Norder- und Süderelbe begrenzen die Elbinseln. Häfen und Kanäle waren Grundlage ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, heißt es in der Bestandsuntersuchung Wilhelmsburg West der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.

Das Schwinden des Sandstrandes bereitet den Einheimischen aber auch Sorgen, weil er für den Hochwasserschutz eine Rolle spielt. Die Erinnerung an die große Flutkatastrophe im Jahr 1962 steckt vielen von ihnen noch heute in den Knochen. 315 Menschen starben damals, 20.000 Hamburger wurden obdachlos.

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