28.12.12

Rugenbergener Weg

Schnelsens ruhigste Sackgasse wird verkehrsberuhigt

Ausbau-Programm: Was vorher ruhig war, wird jetzt genauso ruhig. Allerdings für 180.000 Euro. 90 Prozent davon tragen frustrierte Anwohner.

Foto: HA
Rugenbergener Weg, Schnelsen
Der Rugenbergener Weg war eine ungewöhnlich ruhige Sackgasse. Seit sieben Monaten toben nun die Bauarbeiten - um die Straße verkehrsberuhigt zu machen

Hamburg. Der Rugenbergener Weg ist eine beschauliche Sackgasse am nördlichsten Zipfel Schnelsen. Wenn man seinen gut 200 Metern bis zum Ende folgt, steht man an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein und schaut über Wiesen und Felder. Anlieger wohnen hier seit Jahrzehnten friedlich und ruhig, die Kinder konnten auf der Straße spielen, sagen sie.

Von der Idylle ist derzeit nichts mehr übrig. Seit rund sieben Monaten ist die Straße eine lärmende und schmutzige Baustelle, denn sie wird im Rahmen des großen Straßen-Erschließungsprogramms saniert. Und zwar zu einem sogenannten Wohnhof ohne Gehwege, verkehrsberuhigt nach StVO (Straßenverkehrsordnung). Etwa 90 Prozent der Kosten für die Maßnahme, die bislang mit 180.000 Euro kalkuliert ist, müssen die Anlieger tragen. Durchschnittlich könnten da schnell 10.000 Euro für jeden fällig werden. Der Bezirk Eimsbüttel spricht von gesetzlichen Notwendigkeiten. Die meisten der rund 100 Anwohner hingegen von einem Schildbürgerstreich.

"Bevor die Sanierung begann", sagt Anwohner Jürgen Rander, "war eigentlich alles sehr schön und es war ruhig." Einen Grund für den kostspieligen Umbau der Straße hätte es nach Ansicht des 69-Jährigen, der am Rugenbergener Weg aufgewachsen ist, nicht gegeben.

Auch Silke Jarisch, die mit ihrem Mann, den drei Kindern, ihren Eltern und einer Schwester in einem Mehrgenerationenhaus am Rugenbergener Weg wohnt, erschließt sich der Sinn der vom Bezirk veranlassten Baumaßnahme nicht. "Wir haben hier in Ruhe gelebt und der Umbau zum verkehrsberuhigten Wohnhof ist völlig überflüssig". Gefühlt sei die Straße seit Beginn der Sanierung nun zehnmal aufgerissen und wieder zugeschüttet worden. Das sei eine große Belastung für die Anwohner. "Und gewollt hat diese Sanierung hier wirklich keiner, da können Sie fragen, wen Sie wollen", sagt die 44-jährige Altenpflegerin.

Gewollt oder nicht stand in diesem Fall allerdings nicht zur Frage. Denn die Straße war bislang keine abrechnungsfähige öffentliche Straße und werde daher im Rahmen des Programms erstmalig endgültig herzustellende Straßen hergestellt, so eine Sprecherin des Bezirksamtes Eimsbüttel.

Die Anwohner seien auch am Verfahren beteiligt gewesen. "Das war aber eine reine Protestbeteiligung", kontert Jürgen Rander. Denn die meisten Anwohner wollten, das alles so bleibt wie bisher und keine Baumaßnahme die Straße verändert. Aber die Sanierung hätte zu dem Zeitpunkt schon längst festgestanden und der ganze Widerstand nichts gebracht, so Anwohnerin Jarisch. "Die sitzen halt am längeren Hebel".

Nun müssen die Anwohner erst einmal mit der Belastung durch monatelange Bauarbeiten leben. Und wofür? Sie werden danach in einem verkehrsberuhigten Wohnhof leben, in dem Autos den Rugenbergener Weg in ganzer Breite benutzen, Kinder spielen dürfen und alle gegenseitig Rücksicht nehmen sollen. Genau wie vorher eben auch. "Ganz am Ende ist es ja vielleicht doch wieder eine Straße, die wir lieb haben", sagt Jürgen Rander.

Davor kommen allerdings noch die Kosten auf die Anlieger zu. Die endgültige Summe für den Umbau ihrer beschaulichen Straße zum nunmehr offiziell verkehrsberuhigten Wohnhof ist noch offen. Verteilt werden die Kosten letztendlich nach Grundstücksgröße. "Hier leben nur leider nicht die Reichsten", sagt Rander. "Aber irgendwie werden wir das wohl hinkriegen, notfalls mit Kredit. Aber vielleicht gewinne ich ja auch im Lotto."

(hue)
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