14.04.12

Leitartikel

Qualität kostet

Das von den Piraten geforderte "zeitgemäße Urheberrecht" gefährdet ganze Branchen

Von Lars Haider

Dass es überhaupt eine Debatte um Sinn und Bestand eines Urheberrechts gibt, ist an sich schon eine Frechheit. Was sich die Piraten nun aber erlaubt haben, lässt sich nur noch als verrückt und absurd bezeichnen.

Die aufstrebende Partei hat allen Ernstes Künstlern angeboten, an einem "runden Tisch" zusammenzukommen, um einmal in aller Ruhe über ein, Achtung!, "zeitgemäßes Urheberrecht" zu sprechen.

Was die Piraten unter zeitgemäß verstehen, kann man sich relativ leicht vorstellen: Ihnen geht es darum, den Wert insbesondere von schriftlichen Beiträgen zu untergraben, ihr höchster Kulturbegriff beginnt mit dem kleinen Wörtchen "kostenlos". Ihre Offerte an die Künstler wäre deshalb in etwa so, als würde man alle Supermarktketten einmal einladen, um über ein "zeitgemäßes Kassieren" zu debattieren - mit dem Ziel, dass doch bitte in Zukunft jedes zweite Produkt nicht mehr eingescannt wird.

Tatsächlich dürften die Piraten auch für kostenlose Brötchen, Fernseher und Autos plädieren, wenn sich diese denn digitalisieren ließen. Lassen sie sich aber nicht, und so konzentrieren sich die Damen und Herren der Bewegung eben auf die Hersteller von Texten und Filmen, auf Kunst und Musik. Als ob deren Leistungen nicht mindestens so wertvoll wären wie die Produktion von Backwaren oder von Fortbewegungsmitteln.

Es ist kaum zu ertragen, wie leichtfertig unter dem Einfluss der neuen Gruppierung über Urheberrechte gesprochen wird und wie dabei die Existenzgrundlage von Hunderttausenden Menschen - zum Beispiel auch Journalisten, Fotografen, Künstlern etc. - infrage gestellt wird.

Niemand, auch die Piraten nicht, käme auf die Idee, ein Bild aus einem Museum zu stehlen, und die meisten dürften auch vor der unerlaubten Mitnahme eines Buches aus einem Kaufhaus zurückschrecken. Aber im Internet? Da ist das alles erschreckend normal.

Leider haben die Betroffenen dieser Entwicklung Vorschub geleistet, weil sie in den vergangenen Jahren viele ihrer Produkte, vor allem Texte und Bilder, kostenlos ins Netz gestellt haben und immer noch ins Netz stellen. Das geschah, weil das Medium noch unbekannt und weniger kommerziell und die Lust am Experimentieren groß war. Damit muss spätestens jetzt Schluss sein, wenn es sogar schon eine Partei gibt, zu deren Programmatik ein Infragestellen des Urheberrechts gehört. Jeder Tag, an dem sich in dieser Sache nichts tut und an dem es Millionen professionell erstellter Produkte kostenlos im Internet gibt, macht die Situation nur noch schlimmer. Es wird schon jetzt schwer genug, den Nutzern und Verbrauchern zu erklären, dass es Kunst oder (guten) Journalismus ebenso wenig umsonst gibt wie eine professionelle Zahnreinigung.

All denjenigen, die glauben, man müsse dafür im Internet nicht bezahlen, sei gesagt: Lange wird das nicht gut gehen. Da ist das Internet, dieser inzwischen größte Marktplatz der Welt, nichts anderes, als es herkömmliche Marktplätze in der realen Wirtschaft sind.

Wenn es mit Produkten, für die das Urheberrecht erdacht ist, nichts mehr zu verdienen gibt, werden sie einfach irgendwann verschwinden - weil Künstler, Journalisten oder Filmemacher sich dann etwas anderes suchen müssen, mit dem sie ihr Geld verdienen.

Wer das will, soll sich gern an runde Tische setzen und etwa mit den Piraten über ein zeitgemäßes Urheberrecht diskutieren. Wer an die Bedeutung von Worten, Bildern und Gedanken für eine Gesellschaft und ein Land wie Deutschland glaubt, kann nicht anders, als gegen jegliche Beeinträchtigung von Urheberrechten zu protestieren.

Und zu hoffen, dass sich am Ende doch eine alte Weisheit durchsetze: Was nichts kostet, kann auch nichts wert sein.

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