23.02.12

Langenbek

Nachbarn wehren sich gegen Hospiz in Harburg

2013 soll die neue Einrichtung in ehemaligem Kirchengebäude eröffnen. Anwohner befürchten einen Wertverlust ihrer Grundstücke.

Von Michelle Kossel
Foto: Anima Berten
Das Gemeindehaus am Blättnerring in Harburg soll vom kommenden Jahr an zwölf schwer kranken Menschen Platz bieten
Das Gemeindehaus am Blättnerring in Harburg soll vom kommenden Jahr an zwölf schwer kranken Menschen Platz bieten

Hamburg. Die Gegend rund um die Straße Blättnerring im Harburger Ortsteil Langenbek gehört zu den ruhigeren Gegenden im Hamburger Süden. Dicht an dicht stehen die Einzelhäuser an der kleinen Spielstraße, ein Treffpunkt der Kirchengemeinde Sinstorf befindet sich am Ende der Straße. Geht es nach den Plänen von Deutschem Roten Kreuz (DRK) Harburg und dem Hospizverein Hamburger Süden, soll im Kirchengebäude Ostern 2013 ein Hospiz eröffnet werden - es soll das erste im Hamburger Süden werden.

"Schon seit 14 Jahren ist eine solche Einrichtung geplant", sagt Harald Krüger, Kreisgeschäftsführer des DRK Harburg. Deshalb wurde eine Stiftung von DRK, Hospizverein und Kirchenkreis gegründet, um das Projekt voranzutreiben. Nun ist es so weit: Das Gebäude am Blättnerring, das im Eigentum der Kirchengemeinde Sinstorf war, wurde von den Hospizgründern erworben. Bald sollen die Umbauarbeiten beginnen. 2,8 Millionen Euro betragen Kaufpreis und Umbaumaßnahmen. Zwölf schwer kranke Menschen sollen im Frühling 2013, "am liebsten zu Ostern", so der DRK-Kreisgeschäftsführer, dort ihre letzte Heimat finden, sollen gepflegt und betreut werden bis zu ihrem Tod.

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"Es ist ein schönes, helles Haus, mitten im Wohngebiet. Man kann es mit dem Bus relativ schnell erreichen", sagt Krüger. Gerade diese Aspekte machen den Standort ideal. "Wir wollen die Sterbenden nicht abschirmen vom Leben", so Krüger. Auch Harburgs Bezirksamtsleiter Thomas Völsch ist angetan von dem Projekt, sagt, dass "es eine gute Einrichtung für Harburg ist".

Aber nicht alle beurteilen das Projekt so wohlwollend. Der DRK-Chef hat bereits Post vom Rechtsanwalt eines Blättnerring-Bewohners bekommen. "Einige Leute befürchten eine Wertminderung ihres Grundstücks, fordern einen Sichtschutz", berichtet er. Krüger vermutet eher, dass die Leute Schwierigkeiten damit haben, in unmittelbarer Nachbarschaft mit dem Tod konfrontiert zu werden. Und Hella Lemke, Pastorin bei der Kirchengemeinde Sinstorf, sagt: "Ich denke, dass die Menschen äußere Aspekte vorbringen und dahinter ihre Ängste verstecken." Niemand werde ihnen verbieten, nebenan fröhliche Grillabende zu veranstalten. "Man kann trotzdem hoffnungsvoll leben", sagt sie. Durchschnittlich vier Wochen würden sterbenskranke Menschen in einem Hospiz verbringen, "bevor sie dann ihre letzte Reise auf Erden antreten müssen", so der DRK-Kreisgeschäftsführer.

Um Zweifel auszuräumen, wollen er, die Mitglieder der Kirchengemeinde und des Hospizvereins demnächst zu einer Informationsveranstaltung einladen. Im geplanten Hospiz.

Dort, in der Nachbarschaft am Blättnerring, will sich an diesem Nachmittag kaum jemand zu der geplanten Einrichtung äußern. Misstrauisch beäugen die Anwohner hinter ihren Gardinen, was auf der Straße vor sich geht. Regina und Wilfried Kreuzer, die ganz in der Nähe des geplanten Sterbeheims wohnen, wollen auf jeden Fall zur Versammlung gehen, um mehr zu erfahren. "Wir sind nicht so richtig darüber informiert, was da entstehen soll", sagt Wilfried Kreuzer. Er kritisiert die Informationspolitik der Verwaltung: "Da muss mehr kommen. Als wir 1990 hierhergekommen sind, war es genauso." Schon das Gemeindehaus, so Kreuzer, sollte nach Informationen aus dem Bezirk gar nicht gebaut werden. "Hier sollte eine Reihenhaussiedlung entstehen", so der Hausbesitzer. Die Spielstraße sei auf Durchgangsverkehr nicht ausgerichtet. "Wenn jetzt bald die Baufahrzeuge bei uns hin und her fahren, danach vielleicht Kranken- und Leichenwagen - ich kann mir vorstellen, dass einige Nachbarn diese Perspektive nicht gut finden", sagt Regina Kreuzer.

Offenbar wollen es auch nicht alle bei verbalem Protest belassen: "Einige planen sogar, gegen die Einrichtung eines Hospizes eine Bürgerinitiative zu gründen. Das finde ich widerlich", sagt Harburgs CDU-Kreischef Ralf Dieter Fischer. Ein Gemeindehaus sei sicher ein größerer Störfaktor als ein Sterbeheim.

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