14.12.13

Altonaer Museum

Historiker: Das Schwein ist das eigentliche Weihnachtstier

Neue Ausstellung informiert über norddeutsche Bräuche und Vorlieben zum Fest. Das Borstentier gehörte schon Jahrhunderte vor Ochs, Esel und Gans fest zu Weihnachten, Bäume wurden mit Würsten behängt.

Von Janina Lubeck
Foto: picture alliance / JOKER

Schweine gehören in Norddeutschland bereits deutlich länger zu Weihnachten als etwa Gänse
Schweine gehören in Norddeutschland bereits deutlich länger zu Weihnachten als etwa Gänse

Hamburg. Ochs und Esel an der Weihnachtskrippe kennt jeder, und auch die Schafe der Hirten kommen vor. Nur das Schwein erhielt keinen Platz im Stall. "Dabei ist das Schwein das eigentliche Weihnachtstier – mindestens in Nordeuropa", sagt Burkhard Jodat (44), Historiker und Kurator der aktuellen Marzipan-Ausstellung im Altonaer Museum. Vor allem in ländlichen Gegenden Norddeutschlands und Skandinaviens gehörte das Borstentier jahrhundertelang zu Weihnachten, lange bevor Gans und Truthahn als Festschmaus auf den Tisch kamen.

Bereits seit rund 9.000 Jahren gehört das Schwein zu Haus und Hof. "Es ist das einzige Tier, das ausschließlich zum Verzehr gehalten wird", sagt Jodat. "Kühe geben Milch, Hühner legen Eier, das Schwein gibt sich." Zudem sei das Schwein genügsam und pflegeleicht, sei als Allesfresser bekannt und eher unanfällig für Krankheiten. Mit diesen Eigenschaften und seinen vielseitigen Verwertungsmöglichkeiten wurde das Schwein zum "besten Tier im Stall": Sogar die Schweinefüße und Knorpelteile eignen sich, um Suppen sämiger zu machen und Speisen zu gelieren.

Aber wieso Weihnachts-Tier? Laut Jodat begann das Schlachten und Verwerten des Schweins schon im Mittelalter traditionell im Spätherbst nach der letzten Mastphase. Die Speisekammern wurden mit Fleisch und Würsten gefüllt. "Das Schwein war ein Garant dafür, den Winter gut zu überstehen." Durch Einsalzen, Einpökeln und Räuchern wurde das Borstentier haltbar gemacht – und der Genuss abwechslungsreich.

Weihnachten als erstes großes Winterfest war "die" Gelegenheit, die Fülle der Speisen vor dem kalten Winter zu genießen. "Weihnachten war und ist das Fest der maßvollen Verschwendung", sagt Jodat. Sogar der Weihnachtsbaum hatte "Schwein": Mit Würsten behängt stand er im 19. Jahrhundert als "Fressbaum" in der Stube. Und Grünkohl mit Kassler, Schweinebauch und Wurst ist noch heute ein klassische Weihnachtsessen.

Weihnachten und Jahreswechsel sind auch eine Zeit der Rück- und Vorschau, der Wünsche und Vorhersagen. Daraus entwickelte sich der Brauch des "Glücksschweins". Auch hier war der Ursprung sehr konkret und stammt von den Schützenfesten: Gewinner eines Turniers bekamen einen Ochsen oder ein Pferd – der Verlierer erhielt meistens ein Ferkel als Trostpreis. Jodat: "Einerseits war er damit dem Spott der Nachbarn ausgesetzt, andererseits ging er nicht leer aus." Daraus entstand die Redensart "Schwein gehabt."

Nicht jeder konnte immer ein ganzes Schwein verschenken. Darum wurde sein kleiner Verwandter – das Schwein aus Marzipan – als Glücksbringer überbracht. Als Zucker im 19. Jahrhundert auch für breite Bevölkerungskreise erschwinglich wurde, begann auch der Marzipan-Boom. Gemischt aus Mandeln und Zucker, ließ sich aus Marzipan nahezu alles formen.

Noch in den 1950er Jahren lagen in den Fenstern vieler Konditoreien große Marzipanschweine. Davon schnitt der Konditor Stücke für die Kundschaft ab. Die Kunst bestand darin, das Schwein so lange wie möglich als solches erkennbar zu lassen. "Auch beim Marzipan-Schwein sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt", sagt Jodat. Ob Würste, Schweinskopf, Schweinefuß, Kotelett, Schinken oder ganze Tiere: Alles gibt es auch aus Marzipan.

In der Marzipan-Ausstellung des Altonaer Museums ist eine kleine Abteilung ausschließlich dem Schwein gewidmet. Der Hamburger Kulissenmaler Werner Gergaut hat ein Fries gemalt, auf dem sich viele Schweine tummeln und am Ende sogar verwandeln: "Irgendwann hört das Schwein die Himmelstöne und mutiert langsam zu einem Engel", sagt Jodat.

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