Beutekunst Hamburger Staatsbibliothek gibt geraubte Bücher zurück

Foto: Michael Rauhe

Die Exemplare waren im Oktober 1938 im Sudetenland vom NS-Regime beschlagnahmt und teilweise versteigert worden. Große Teile der familieneigenen Bibliothek gingen an die Berliner Reichstauschstelle.

Hamburg. Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg gibt 420 Bücher zurück, die der jüdischen Familie von Helen und Ignaz Petschek gehören. Sie waren im Oktober 1938 im Sudetenland vom NS-Regime beschlagnahmt und teilweise versteigert worden. Die Urenkelin Nancy Petschek-Kohn werde sie am 17. Juli (15 Uhr) offiziell in Empfang nehmen, kündigte die Bibliothek am Dienstag an. Neben europäischen Literatur-Klassikern zählen vor allem Bücher zur Geschichte, zur Philosophie und zum Judentum dazu.

Der Unternehmer Ignaz Petschek (1857 bis 1934) war Mitbesitzer mehrerer Braunkohlewerke und Bergbaugesellschaften in Nordwestböhmen und Mitteldeutschland. Es galt nach Angaben der Bibliothek als großzügiger Mäzen und Förderer seiner jüdischen Gemeinde in der Elbestadt Aussig (tschechisch: Usti nad Labem). Mit Annexion des Sudetenlandes fielen die dort angesiedelten Unternehmen der Petscheks an das Deutsche Reich. Auch der Privatbesitz der Familie wurde beschlagnahmt.

Große Teile der familieneigenen Bibliothek gingen an die Berliner Reichstauschstelle. Von dort erhielt 1943 die Hamburger Staatsbibliothek die Bücher, lagerte sie aber zunächst im Schloss Hermsdorf (bei Dresden) aus. Erst 1957 wurden sie in die Hamburger Bestände eingearbeitet. Anhand von Listen der Reichstauschstelle konnten seit 2006 mehr als 400 Bücher der Familie Petschek ermittelt und als NS-Raubgut gekennzeichnet werden. Vor drei Jahren nahm die Staatsbibliothek dann Kontakt zu den Nachkommen in den USA auf.