17.05.13

Konzert

Der "König von Barmbek" eröffnet die Stadtpark-Saison

Lotto King Karl und die Barmbek Dream Boys gaben vor 4000 Fans das erste Konzert der diesjährigen Startpark-Saison. Das Abendblatt begleitete die Band auch hinter der Bühne vor ihrem Auftritt.

Von Heinrich Oehmsen
Foto: Roland Magunia

Der Musiker Lotto King Karl eröffnet am Freitag die Open Air Saison im Hamburger Stadtpark
Der Musiker Lotto King Karl eröffnet am Freitag die Open Air Saison im Hamburger Stadtpark

Hamburg "Männer-Whiskey. Bis zum Abwinken! Nur der HSV!" steht mit Kreide auf einer Tafel. Daneben eine Art Altar mit drei Kräuterschnapsflaschen. Lotto King Karl hat seine Musiker und seine Sängerinnen um sich versammelt, gemeinsam kippen die Barmbek Dream Boys sich das braun-klebrige Getränk in den Rachen. Dann geht's raus auf die Bühne zur Eröffnung der Stadtpark-Saison. Wie traditionell jedes Jahr und an diesem Freitag zum 38. Mal. Heimspiel.

Der Tag hat für Lotto früh angefangen. "Bin zwanzig nach fünf aufgewacht. Baustelle vor meiner Wohnung", sagt er lakonisch, um 13.30 Uhr ist er in den Stadtpark gefahren. Im großzügigen Backstage-Bereich hinter der Bühne wird erst mal gegessen. Es gibt Geschnetzeltes, Penne mit Bolognese, Obst, frisches aufgeschnittenes Gemüse, Käse, Dips. Vier Nummern spielt die Band zum Soundcheck, Lotto ist bester Stimmung, lacht und scherzt mit der Band und den Technikern. Die Barmbek Dream Boys proben gerade "Seitenwechsel". Plötzlich ist der Sound weg. "Nachher lässt du die Anlage aber an", ruft Lotto Richtung Mischerturm gegenüber der Bühne. "Wir geben hier 'n Konzert!" Der Sänger blickt in das noch leere Rund. "Wir sollten die Wiese fotografieren. Das ist das letzte Mal, dass wir sie so grün sehen", sagt er und lacht.

Farblich passt das satte Grün des neu verlegten Rasens suboptimal zu Lottos gelb-silbernen Nike-Sneakers. "Ich laufe bei jedem Konzert ungefähr 15 Kilometer. Da muss ich bequeme Schuhe anhaben." Lotto wirkt entspannt. "Wir sind gut vorbereitet. Aber man muss seine Kräfte einteilen, wenn man ein Drei-Stunden-Programm spielt." Setlisten mit den 26 Songs des Abends werden auf den Bühnenboden geklebt, Lotto spricht Laufwege mit den Sängerinnen ab, checkt Funkverbindungen. "Man will beim Konzert keine bösen Überraschungen erleben", sagt er nach der Probe und nippt an einer Erdbeerbowle. "Lotto, das solltest du nicht trinken, da ist kein Alkohol drin", ruft ihm Hans Boers zu. Boers ist für die Gastronomie bei den Stadtparkkonzerten verantwortlich. Fast 80 Fässer Bier hat er für dieses Konzert heranschaffen lassen, Lottos Fans sind durstig.

Als sie von 17 Uhr an in das von hohen Baumhecken umgrenzte Halbrund strömen, wird an den Getränkeständen im Akkord gezapft. Die Band ist hinter die Bühne verschwunden. Gitarrist Jörn Heilbut und drei seiner Kollegen vertreiben sich die Zeit an einem Fußballkicker. Um 17 Uhr wird ein Grill angeworfen. Abendbrot für Musiker und Techniker. Hermann Rieger taucht auf. "Hermann, mein Lieber", begrüßt Lotto ihn und umarmt den legendären HSV-Masseur, der später mit einer Meisterschale auf die Bühne gehen soll. Manne Uhlig, Schlagzeuger der Barmbek Dream Boys, und Bassist Henning von der Lippe gehen die Setlist durch. Im Hintergrund ist ein Saxofon zu hören: Hannes Köppen spielt sich warm.

Um 18 Uhr geht die Vorband Sebel, eine Ruhrpott-Kapelle, auf die Bühne. Lotto und seine Musiker ziehen sich zusammen in eine Garderobe zurück. "Die Zeit brauchen wir, um uns zu sammeln." Kurz vor sieben wandert einer nach dem anderen an die Kräuterschnaps-Theke, dann im Gänsemarsch zur Bühne. Der Tüdelband-Song erklingt, 4000 Fans singen mit. Hinter der Bühne umarmt Lotto jeden seiner Musiker. Mehr Kräuterschnaps wird gereicht. "Es ist wie im Fußball: Jedes Konzert fängt bei null zu null an."

Mit "Seitenwechsel" beginnt der Ernstfall. Lotto steht auf einem Steg, der weit ins Publikum ragt und schlägt mit einem Schellenkranz den Takt. Er breitet die Arme aus, als wollte er jeden dort unten in sein Herz schließen. Immer wieder kommen Gitarrist und Saxofonist für Soli nach vorn. Die Fans kennen jeden Song und sind in Mitsingstimmung. Bei der Fußball-Hymne "Wer wird Deutscher Meister?" ist der Gesang so inbrünstig, dass es mehr nach 40.000 als nach 4000 Stimmen klingt. Bei Hermann Rieger wird das Gebrüll zum Stadion-Roar. Lotto ist in Topform, er treibt die Band an, er bringt das Publikum auf Trab. Und er hat mindestens so viel Spaß wie seine Fans.

Drei Stunden, 26 Songs und viele "Hummel, Hummel" später ist sein Arbeitstag zu Ende und die Stadtparksaison eröffnet. Am 21. September wird er hier wieder auf der Bühne stehen, zum Saisonende. Vom Rasen werden dann nur ein paar Soden übrig sein. Aber der Kräuterschnaps-Altar wird wieder da stehen. Wie immer, wenn der "König von Barmbek" zum Heimspiel kommt.

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