02.05.13

Pilgerreise

Jetzt ist irgendwann! – Zwei Monate auf dem Jakobsweg

Von St. Jean Pied de Port am Fuß der Pyrenäen bis nach Santiago de Compostella nahe der Atlantikküste. Abendblatt-Redakteurin geht den berühmten Pilgerweg durch Spanien. Verfolgen Sie hier die Reise.

Von Rebecca Kresse
Foto: Klaus Bodig

Abendblatt-Redakteurin Rebecca Kresse ist zurzeit unterwegs auf dem Jakobsweg.
Abendblatt-Redakteurin Rebecca Kresse ist zurzeit unterwegs auf dem Jakobsweg.

Hamburg/Spanien. 800 Kilometer quer durch Spanien; zu Fuß; nur mit einem Rucksack auf dem Rücken und dem Nötigsten im Gepäck: Ich will ihn gehen, den berühmten Camino Francés, den Jakobsweg von St. Jean Pied de Port in Frankreich am Fuß der Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela nahe der spanischen Atlantikküste. Den Weg, den vor mir schon Millionen Menschen gegangen sind; religiöse Pilger genauso wie Abenteurer, Aussteiger und sportlich ambitionierte Wanderer. Seit Jahren schon geistert mir dieser Weg im Kopf herum. Lange bevor Hape Kerkeling ihn mit seinem Buch "Ich bin dann mal weg" berühmt gemacht hat, wurde der Jakobsweg für mich zu einem dieser Dinge, von denen man sich immer wieder sagt: "Das möchte ich irgendwann mal machen." Jetzt ist irgendwann!

Ich gebe mir zwei Monate Zeit. Zwei Monate lang weg vom Alltag. Zwei Monate ohne Luxus, in Gemeinschaftsunterkünften. Zwei Monate lang vor allem eines: laufen. Quer durch ein Land, dessen Sprache ich erst seit wenigen Monaten lerne und dessen Menschen bislang noch Fremde sind. Ich will sie selbst erleben, diese Faszination Jakobsweg, von der alle sprechen, die den Weg bereits hinter sich haben. Wie ist das, sich plötzlich nur noch im Schritttempo fortzubewegen, die Welt bewusst zu erleben, mit sich selbst zu sein, und sich mit den körperlichen Grenzen auseinanderzusetzen? Verfolgen Sie meinen Weg bei abendblatt.de. In regelmäßigen Abständen gibt es hier Neues aus Spanien zu lesen.

Das Ende meiner Pilgerreise in Santiago de Compostela

11. Juni 2013

Es ist geschafft: Nach ziemlich genau sechs Wochen, 800 Kilometern, ungezählten Blasen und unglaublichen Erlebnissen habe ich am 10. Juni 2013 das Ziel meiner Reise erreicht - die Kathedrale von Santiago de Compostela.

Dabei endete mein Jakobsweg in etwa so, wie er am 4. Mai in St. Jean Pied de Port begann - mit einem Berg und mit Nebel. Die letzten 20 Kilometer führten über den Monte de Gozo. Der ist zwar nicht mit den Pyrenäen zu vergleichen, verlangte mir aber trotzdem noch so einiges ab. Das mag auch daran gelegen, dass ich in Pedrouza-Arca schon um 5.40 Uhr losgelaufen bin, um in Santiago noch pünktlich die tägliche Pilgermesse um 12 Uhr zu erreichen.

Nebel, Regen und Berg machten die letzte Wanderung zwar nicht leichter, insgesamt beflügelte aber der Gedanke, es nun endlich geschafft zu haben. Entsprechend emotional war schon der Moment, an dem ich die ersten Häuser Santiagos erblickte. Vom Rand der Stadt bis ins Zentrum zur Kathedrale waren es dann noch einmal rund drei Kilometer. Wie viele andere Pilger mit mir, strebte ich immer schneller Richtung Zentrum - und dann war sie plötzlich da: die Kathedrale. Ich war angekommen. Zunächst ging es noch schnell ins Pilgerbüro, um meine Urkunde, meine Compostela, abzuholen, die ich nun stolz mein Eigen nenne. Aber in der Kathedrale fielen die ganzen vergangenen Wochen von mir ab. Viele Pilger, die ich auf dem Weg getroffen habe, waren ebenfalls in der Kirche. Und in dem Moment, in dem wir uns in die Arme fielen, liefen bei den meisten Pilgern (so auch bei mir) dicke Tränen. Die Erleichterung, das Ziel erreicht zu haben - nach all den Anstrengungen - kann wohl nur jemand ermessen, der den Weg ebenfalls gelaufen ist. Und so war auch die Messe sehr berührend. Als dann am Ende noch das große Weihrauchgefäß an meterlangen Seilen durch die Kathedrale schwang, war das für mich ein würdiger Abschluss meines Jakobsweges.

Heute bin ich dann nur noch Tourist in Santiago. Ich bin durch die Gassen gestreift, habe Tapas gegessen und Souvenirs und Mitbringsel gekauft. Und ehrlich gesagt freue ich mich nun sehr darauf, wieder nach Hause zu kommen. Am Donnerstag ist es soweit. Damit endet diese meine forlaufende Online-Geschichte. Wenn Sie mögen, können Sie in der Printausgabe des Hamburger Abendblatts bald noch mehr über den Jakobsweg lesen. Und damit ein letztes Mal: "Buen Camino" aus Spanien! Und: Hallo Hamburg!

Vorfreude auf dem Weg nach Ribadiso und Pedrouzo-Arca

9. Juni 2013

Ok, versuchen wir mal die anderen Pilger auszublenden (und das war heute tatsächlich manchmal möglich), dann waren gestern und heute noch einmal zwei wirklich schöne Wandertage auf dem Jakobsweg. Meine letzten, bevor ich morgen tatsächlich das Ziel - die Kathedrale von Santiago de Compostela - erreichen werde.

Vor allem für die Nase waren die Wanderungen etwas Besonders: Der Weg führte nämlich immer wieder durch Eukalyptus-Wälder. Diese künstlich angelegten Plantagen sind in Spanien durchaus umstritten. Zwar wächst das Holz schnell nach und ist somit gut für die Holzwirtschaft, gleichzeitig verdrängt die Baumart aber auch immer mehr die heimischen Hölzer. Für mich war es dennoch einzigartig, bei den kilometerlangen Strecken durch den Wald immer wieder diesen so typischen Geruch in der Nase zu haben.

Auch das Wetter spielte in den vergangenen Tagen mit - zumindest aus Wandersicht. Gestern auf dem Weg nach Ribadiso hat es zwar immer wieder geregnet, dafür blieb aber die große Mittagshitze aus. Auch heute ermöglichte es der bedeckte Himmel, erst später zu starten, da man ohne Sonne getrost auch bis in den Nachmittag hinein wandern kann.

Ansonsten merkt man auf dem Weg schon deutlich, dass wir hier im Süden sind. Dort wo in Deutschland Birnen- oder Apfelbäume im Garten stehen, sieht man hier große Palmen. Bekommt man bei uns die schöne weise Callas nur im Blumenladen zu kaufen, stehen sie hier zum Teil am Wegesrand.

Heute bin ich nun in Pedrouza-Arca gelandet, etwa 20 Kilometer vor Santiago de Compostela. Etwa fünf Stunden Wanderung liegen morgen noch vor mir. Noch kann ich es nicht ganz glauben, dass dann meine Pilgerreise zu Ende sein soll. Bin ich dann wirklich einmal quer durch Spanien gelaufen? Bei dem Gedanken daran machen sich gemischte Gefühle breit. Vor allem bin ich erstmal aufgeregt - und gespannt, wie ich auf das Erreichen der Kathedrale reagieren werde. Das sei für jeden anders, sagen die, die es bereits erlebt haben. Morgen gegen Mittag werde ich es wissen. In diesem Sinne, ein gespanntes Buen Camino!

Aerger mit Touristen auf dem Weg nach Palas de Rei

8. Juni 2013

Mit der Ruhe ist es auf dem Jakobsweg ein für allemal vorbei. Die (wie ich sie nenne) "Touristen-Pilger" sind eingefallen. Und die sind nicht nur zahlreich, sondern auch laut. "Touristen-Pilger" sind Pilger, die nur die erforderlichen letzten 100 Kilometer des Weges laufen, um die Urkunde, die Compostela, zu bekommen. Das sind meist Gruppen, die aus der eigentlichen Pilgertour eine Party machen. Aktuell sind viele Teenager unterwegs, die wohl zum Abschluss ihres Schuljahres noch einmal etwas zusammen unternehmen wollen. Wären sie doch nach Mallorca gefahren. Denn neben dem ständigen lauten Geplapper beschallen sie den Weg zum Teil mit Musik. Sehr unerfreulich. Kopfhörer sind anscheinend von gestern.

Die anderen "Touristen-Pilger" sind die, die sich wenig Zeit nehmen und nicht wirklich pilgern. Sie machen aus dem Jakobsweg anscheinend einen Wettkampf. In unglaublichem Tempo rennen sie über die Wege, als gebe es kein Morgen mehr. Ich weiß nicht, ob sie sich oder der Welt beweisen wollen, wie fit sie sind. Vom Weg, der Umgebung oder der Natur bekommen sie jedenfalls nicht viel mit.

Der größte Unterschied, den ich seit gestern aber beobachten kann, ist der Müll. So viel Unrat wie ich auf den gestrigen 26 Kilometern nach Palas de Rei am Wegesrand gesehen habe, hat es auf dem gesamten Camino nicht gegeben. Plastikflaschen, Tüten, Dosen, Kondomverpackungen, Pullover und sogar ein Zelt habe ich gesehen. Von den rund 50 Taschentüchern auf 100 Metern ganz abgesehen. Wer sich Zeit nimmt für die Natur, durch die vielen Landschaften des Jakobsweges gewandert wäre, wer die Natur erlebt hat, so wie es die "echten" Pilger seit St. Jean Pied de Port getan haben, der benimmt sich nicht so.

Für mich ist das Pilgern deshalb jetzt vor allem nur noch eins: anstrengend. Jetzt gilt es für mich eigentlich nur noch die letzten 66 Kilometer bis Santiago de Compostela runterzureißen, und die Sache ehrenvoll zu beenden - und mir die schönen Wandertage der vergangenen Wochen im Gedächtnis und im Herzen zu bewahren. Buen Camino!

Der Countdown läuft ab – Sarria

5. Juni 2013

Ich bin zurück aus der Diaspora - der technischen. Vier Tage liegen hinter mir und insgesamt 102,6 Kilometer. Eine Strecke, die es in sich hatte, denn es standen gleich mehrer Bergtouren auf dem Programm: über die Montes de León nach Ponferrada und dann noch ein echtes Schwergewicht - hinauf nach O Cebreiro auf 1300 Höhenmeter. Dabei habe ich auch die Autonome Region Galicien erreicht. Das keltische Dorf O Cebreiro ist wirklich etwas ganz Besonderes. Die kleinen Rundhäuser dort erinnern an die Hobbithäuser aus "Der Herr der Ringe". Anders als viele andere Orte durch die ich bisher gelaufen bin, ist O Cebreiro touristisch komplett erschlossen. Neben den Pilgern, die sich den unglaublich steilen Berg hinauf quälen, kommen über die Passstraße auch ganze Busladungen mit Reisegruppen dort oben an. Trotzdem war O Cebreiro ein besonderer Ort. Ganz oben steht eine Herberge, die den Pilgern das Zähneputzen mit einem Blick über die Berglandschaft ermöglicht. Und auch der Sonnenaufgang über den Bergen war ein Moment, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Sonne sehe ich mittlerweile regelmäßig aufgehen, denn in Spanien ist der Sommer angekommen. Nach recht kühlen bis eiskalten Tagen im Mai brennt jetzt die Sonne ungnädig vom spanischen Himmel. Da heißt es, früh aufstehen, um noch einige kühle Wanderstunden am Morgen zu nutzen. Meist stehe ich um 5 Uhr auf, um spätestens um 6 Uhr loszulaufen. Denn ab 9 Uhr wird es warm und die Pilgerkleidung besteht dann nur noch aus kurzer Hose, T-Shirt und Sonnencreme - ab 12 Uhr ist es heiß und wandern damit eine echte Herausforderung.

Das habe ich gestern leider nicht bedacht. Ich bin von O Cebreiro direkt nach Calvor gelaufen - laut Wanderführer 37 Kilometer. Eindeutig zu viel für dieses Wetter, zumal gleich zwei Berge zwischen mir und meinem Ziel lagen. Allerdings hat mich mein Wanderführer auch in die Irre geführt. Nach 22 Kilometern im Ort Triacastela habe ich mir den Ort mit der nächsten Herberge herausgesucht - Calvor. Allerdings sprach der Autor des Buches von einem "leichten Spaziergang" nach einem einzigen steilen Anstieg. Tja, darauf hatte ich mich verlassen. Ich würde den Autoren heute noch gerne Vierteilen für diese Beschreibung des zweiten Streckenteils. Als ich nach neun Stunden endlich in der Herberge ankam, war ich wirklich froh, diese 37 Kilometer in der heißen spanischen Sonne überlebt zu haben.

Grund genug, es heute langsamer angehen zu lassen. Die ersten fünf Kilometer nach Sarria waren nicht schwer. Den Tag nutze ich, um mir die größere Stadt ein wenig anzusehen. Hier ist alles auf die Pilger ausgerichtet. Denn in Sarria beginnen die letzten 100 Kilometer nach Santiago de Compostela. Und genau diese Strecke müssen Fußpilger bewältigen, um noch die begehrte Compostela, die Pilgerurkunde, zu bekommen. Entsprechend nimmt die Zahl der Pilger ab Sarria deutlich zu. Vor allem organisierte Gruppenpilger und auch Teenager steigen hier ein. Für die anderen Pilger wird es dadurch auf den letzten Kilometern nicht unbedingt einfacher, ein Bett in den Herbergen zu bekommen.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl tatsächlich die letzten 100 Kilometer zu beginnen. Gestern war es genau einen Monat her, seit ich in St. Jean Pied de Port gestartet bin. Ein Monat mit Höhen und Tiefen - und das nicht nur wegen der spanischen Berge. Ganz langsam gilt es also, Abschied zu nehmen vom Camino de Santiago. Ich werde versuchen, die letzten Tage besonders zu genießen und in mich aufzunehmen. Buen Camino!

Freundschaft auf dem Weg nach Molinaseca

31. Mai 2013

Es ist offiziell: Der Jakobsweg und ich haben endgültig Freundschaft geschlossen. Nach großen Anfangsschwierigkeiten, die etwa die Hälfte der Strecke andauerten, haben der Camino und ich nun endlich unseren Frieden gemacht. Ganz ohne Schmerzen und gänzlich ohne Blasen habe ich die Etappe von Rabanal del Camino nach Molinaseca absolviert. So langsam bekomme ich eine Ahnung davon, wie der erste Teil des Jakobsweges für die anderen Pilger gewesen sein muss. Unter diesen Bedingungen würde ich die ersten 400 Kilometer glatt noch mal machen.

Die Tour heute führte über die Montes de León und vorbei am Cruz de Ferro, wo seit Jahrhunderten Pilger an einem Eisenkreuz von zu Hause mitgebrachte Steine ablegen. So hat sich mittlerweile ein großer Berg angesammelt. Der Anstieg war zu meiner Überraschung wenig anstrengend. Nach eineinhalb Stunden hatte ich das Kreuz erreicht. Dadurch hatte ich viel Zeit, mir das wunderschöne Bergpanorama anzusehen. Ganz früh am Morgen zog noch der Frühnebel an den Gipfeln vorbei. Dann, ganz langsam kam die Sonne hinter einer Bergspitze hervor und die ersten Strahlen erhellten die Berghänge. An den höchsten Gipfeln gegenüber lag noch Schnee, die etwas niedrigeren Hänge sind grün und leuchteten zum Teil lilafarben von den bunten Sträuchern, die dort wachsen.

Neben der Natur sind es auch die kleinen Bergdörfer, die mich immer wieder begeistern. Viele Häuser sind mit Natursteinen gebaut, liebevoll sind die Gärten und Fassaden bepflanzt. Natürlich haben sich auch diese kleinen Orte längst auf die Pilger eingestellt und bieten in zahlreichen Kaffeebars Snacks und Erfrischungen an. Wahrscheinlich würden viele dieser Orte nicht überleben können, wenn sie nicht zufällig am Jakobsweg lägen.

Der Abstieg hatte es dann in sich. Sehr steil und auf rutschigen Schotterpisten ging es stundenlang bergab. Deshalb dauerte die 25,5 Kilometer lange Etappe (inklusive Pause) auch gut sechseinhalb Stunden. Und trotzdem: Trotz aller Anstrengungen war es einer der bisher schönsten Tage auf dem Jakobsweg. Wenn es so weitergeht, freue ich mich auf jeden Tag, der noch folgen wird. In diesem Sinne: ein glückliches Buen Camino!

Streckenrekord nach Astorga

29. Mai 2013

Unglaublich. Es ist für mich selbst wirklich unglaublich, aber ich habe heute 34 Kilometer absolviert und damit schon heute Astorga erreicht. Und das bei stetigem Sturm von vorn. Geplant war das nicht, aber ich bin an diesem Abend glücklich und auch ein bisschen stolz.

Eigentlich wollte ich heute 20 Kilometer laufen und in Santibanez de Valdeiglesias übernachten. Als ich aber in dem kleinen Ort war, war dort alles geschlossen: die Bar, die Herberge, die Kirche. Und es war erst elf Uhr, eigentlich zu früh, um den Wandertag schon zu beenden. Ich gebe zu, ich hatte schon Zweifel, ob ich die restlichen 14 Kilometer bis nach Astorga schaffen würde. Schließlich bin ich noch nie mehr als 30 Kilometer auf dem Camino gelaufen. Angesichts meiner "Fuß"-Vergangenheit auch kein Wunder. Ich bin trotzdem losgelaufen kann deshalb hier stolz verkünden: Ich habe die 57 Kilometer von León nach Astorga in zwei Tagen absolviert. Mit "neuen" Füßen und neuen Schuhen scheint ein ganz neuer Jakobsweg für mich zu beginnen. In diesem Sinne: Ein müdes, aber glückliches Buen Camino!

Über León nach Villar de Mazarife

28. Mai 2013

Ich sitze in einem winzigen Ort zwanzig Kilometer hinter León. Ein schöner Lauftag liegt hinter mir. Zum ersten Mal ohne Pflaster und fast ganz ohne Schmerzen - toll! Entsprechend schnell war die Strecke zu bewältigen. Doch zunächst zurück nach León...

Die alte Königsstadt ist mit Sicherheit einer der Höhepunkte auf der Reise. Von allen großen Städten, die ich auf dem Jakobsweg passiert habe, ist sie für mich bisher die schönste gewesen. Eine gemütliche Altstadt mit kleinen Gässchen und schönen Häusern, dazu eine beeindruckende Kathedrale und zudem noch viele Geschäfte, die zum Bummeln einladen. Eine Sache muss man (bzw. "Frau") auf dem Camino lernen: gucken ist erlaubt, kaufen nicht. Jedes Gramm mehr im Rucksack hat negative Folgen. Also müssen jegliche Einkäufe - auch von Mitbringseln und Souvenirs - bis Santiago de Compostela warten.

Apropos Städte und Geschäfte, eines fällt hier in Spanien tatsächlich sehr auf. Es gibt keinen Ort, mag er noch so groß oder klein sein, in dem nicht zahlreiche "se vende"- "zu verkaufen"-Schilder zu sehen sind. Viele Ladenlokale stehen leer, genauso Wohnungen und Häuser. Zum Teil sind sie allerdings in einem so schlechten Zustand, dass in Deutschland das Bauamt den sofortigen Abriss beauftragen würde. Hier in Spanien steht so etwas zum Verkauf. All diese Schilder seien Folge der Finanzkrise erklären mir die Spanier. Allerdings geht es denen - so sagen es die Spanier selbst - nicht ganz so schlecht, wie es einem die Nachrichten manchmal glauben machen wollen.

Meine spanische Schuhverkäuferin hat mir das so erklärt: "Hier in Spanien haben wir immer auf einem sehr hohen Level gelebt. Jeder hat mit 18 Jahren ein Auto, kurz danach muss das eigene Haus her. Ist das Geld nicht vorhanden, geht man halt zur Bank und leiht es sich. Und der Staat hat das auch noch bezuschusst. Jetzt, wo viele Spanier ihren Job verlieren, ist dieser Lebensstandard für viele nicht mehr zu halten und dagegen protestieren die Leute." Und tatsächlich habe auch ich beobachtet: Jeder noch so kurze Weg wird von den Spaniern mit dem Auto zurück gelegt. Fahrräder gelten hier eher als Sportgeräte, die man am Wochenende aus dem Keller holt. Und es gibt zum Teil wirklich unglaubliche Häuser... eigentlich sind es Villen. Wunderschön anzusehen auf dem Weg aber wohl auch wunderschön teuer. Und vielen Spaniern geht es auch in diesen - vermeintlich schlechten - Zeiten noch ziemlich gut.

Aber weg von der Krise und zurück zum Jakobsweg. Nach etwa zwei Stunden durch Leóns Industriegebiete und vielbefahrene Vorstädte ging es endlich zurück in die Natur. Es hat so viel Spaß gemacht, einfach nur zu laufen. Dabei war es allerdings richtig kalt - trotz Sonne. Ein eisiger Wind pfiff den Pilgern um die Nase und der soll morgen noch weiter kräftig aufdrehen. Bei Höchsttemperaturen von 11 Grad und 52km/h Windgeschwindigkeit werde ich aufpassen, dass ich auf meinem Weg in Richtung Astorga nicht wegfliege. In diesem Sinne ein windiges: Buen Camino!

Verirrt in der spanischen Pampa und Champions-League-Finale in Sahagún

26. Mai 2013

Nach 17 einsamen Kilometern durch die spanische "Wüste" bis nach Calzadilla de la Cueza ging es am Tag darauf nach Sahagún. Zumindest war das der Plan. Zwanzig Kilometer in die nächste größere Stadt auf der Reise, um dort am Abend das Champions-League-Finale anzusehen... Und der Tag startete grandios. Zum ersten Mal bin ich bereits um kurz nach 6 Uhr losgelaufen.

Der Vollmond stand noch am Himmel über den Feldern, die Sonne ließ sich am Horizont bereits erahnen, die Hitze des Tages war noch nicht zu spüren und rund um mich herum waren nur die Rufe der Natur zu hören. Die ersten Stunden des Tages lief ich quasi ganz alleine meinem nächsten Etappenziel entgegen und genoss es, die Sonne langsam über den Hügeln aufgehen zu sehen.

Überraschenderweise hielten die Füße, sodass ich sogar mit recht zügigem Schritt vorankam. "So soll Camino sein" - dieser Gedanke kam mir oft an diesem Morgen. Nach den zum Teil fürchterlichen, weil vom Schmerz bestimmten Etappen, zählt dieser Morgen wohl zu einem meiner bisherigen Höhepunkte auf dem Jakobsweg.

Unterwegs traf ich noch eine weitere Hamburgerin - Katja, die ich schon von früheren Begegnungen auf dem Camino kannte. Ein gemeinsames Frühstück in einer kleinen spanischen Bodega irgendwo auf dem Weg machte den Morgen nahezu perfekt.

Und dann ging's los. Ich machte mich wieder allein auf den Weg und wanderte zügigen Schrittes in Richtung Sahagún. Ich achtete nicht wirklich auf meine Umgebung, unterquerte wie viele andere Pilger eine Autobahnbrücke und lief weiter - ohne auf die für die Pilger so wichtigen gelben Pfeile zu achten. Das Resultat: Ich lief in die falsche Richtung. Statt in Sahagún landete ich irgendwo in der spanischen Pampa.

Ganze zehn Kilometer Umweg bin ich gelaufen und fand mich auf einer wenig befahrenen Landstraße wieder. Ja, es kam mir schon vorher komisch vor, dass ich längere Zeit keine Pilger mehr gesehen hatte. Und ja, auch über die fehlenden Pfeile hatte ich mir Gedanken gemacht...nur umgedreht bin ich leider nicht. Als ich meinen Fehler bemerkte, war es bereits viel zu spät. Ein Spanier, den ich nach dem Camino de Santiago fragte, bestätigte mir dann meinen Irrweg.

"Auf den Berg sollte ich hinauf und dann links", sagte er mir. Ich lief die Straße entlang, die Anhöhe hinauf und sah - in unglaublich weiter Entfernung am Horizont - Sahagún. Ehrlich gesagt, ich war der Verzweiflung nahe, denn statt der geplanten 20 Kilometer hatte ich bereits 30 in den Beinen und das machen meine Füße normalerweise nicht mit. Jetzt sollte ich noch einmal mindestens zehn Kilometer nach Sahagún laufen... für mich fast unvorstellbar.

Und dann passierte das, was auf dem Camino so oft passiert: Ich bekam genau die Hilfe, die ich gerade benötigte. Nach einiger Zeit fuhr ein Wagen an mir vorbei und ich wollte ihn anhalten, um noch mal nach dem richtigen Weg zu fragen. Zunächst fuhr der Fahrer vorbei. (Per Anhalter fahren ist in Spanien verboten. Der Fahrer wusste ja nicht, dass ich nur was fragen wollte.) Dann hielt der Wagen doch, der Fahrer legte den Rückwärtsgang ein und kam zu mir gefahren.

Ein älterer Mann saß hinter dem Lenkrad, auf dem Beifahrersitz entweder sein Vater oder Schwiegervater, hinten im Wagen ein etwa acht Jahre altes Mädchen. Ich fragte mit meinen wenigen Brocken Spanisch, wo denn der Camino sei. Der Mann zeigte es mir, fragte mich dann aber, ob er mich nicht mitnehmen solle nach Sahagún. Mein Glücksgefühl und meine Erleichterung als ich samt Rucksack und Wanderstöcken ins Auto stieg, kann ich kaum beschreiben. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die Strecke hätte allein bewältigen können. So wurde ich bis kurz vor die Herberge gebracht. Danke, mein spanischer Engel mit Auto!

Nach dieser Aufregung kam mir das Champions-League-Finale gerade recht. Seit Tagen hatte ich darauf hingefiebert, wollte unbedingt eine Bar finden, in der ich das Match sehen kann und vor allem eine Unterkunft, die spät genug schließt, damit ich nach dem Spiel auch noch in mein Bett komme. Denn normalerweise ist in allen Herbergen um 22 Uhr Nachtruhe. Dann sind die Türen abgeschlossen, wer bis dahin nicht da ist, hat Pech gehabt.

Aber auch der Fußballgott schien an diesem Tag ein Einsehen zu haben. Ausgerechnet in unserer Herberge - eine umgebaute, ehemalige Kirche in Sahagún - fand an diesem Abend ein Tanz- und Theaterfestival für die Bevölkerung statt. Und so waren die Türen noch bis Mitternacht geöffnet.

Gemeinsam mit Deutschen, Italienern, Spaniern und Engländern erlebte ich dieses unglaubliche Spiel im Wembley-Stadion. Beim ersten Tor der Bayern spielte der Barbesitzer das Bayern-Lied "Stern des Südens", die Stimmung kochte fast über. Bis zur Übergabe des Pokals tranken wir gemeinsam spanischen Rotwein und feierten ein wunderbares Fußballfest. Diesen Abend werde ich so schnell nicht vergessen.

Halbzeit und neue Schuhe in Carrion de los Condes

24. Mai 2013

Fragt bitte nicht, wie ich in Carrion de los Condes angekommen bin - es war in jedem Fall langsam und schmerzhaft. Aber ich habe ihn erreicht, den Ort, der für alle Pilger eine besondere Wegmarke bedeutet. Die Hälfte des Jakobsweges ist nun offiziell geschafft. Ab jetzt liegt Santiago de Compostela näher als der Ausgangsort St. Jean Pied de Port. Zudem ist es ein besonders schöner Ort auf dem Camino de Santiago. In der Kathedrale gibt es am Abend neben der normalen Messe auch noch einen speziellen Teil für die Pilger, samt Pilgersegen. Ein wirklich schönes und bewegendes Erlebnis.

Für mich bedeutete dieser Ort noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes: Ich konnte dort neue Schuhe kaufen. Mal sehen, wie lange ich damit ohne Blasen durchkomme...

In jedem Fall habe ich die ersten 17 Kilometer mit neuen Schuhen bis Calzadilla de la Cuesa heute bewältigt. Ein Streckenabschnitt, auf dem es nichts anderes gibt als einen Weg, der rechts und links von Feldern gesäumt wird - wahlweise in grün oder braun. Ansonsten sind es lange Kilometer durch einsame Natur und unter warmer spanischer Sonne. Die haben wir hier nämlich seit einigen Tagen wieder und laut Wetterbericht soll sie die nächsten 20 Tage auch bleiben.

Nach der täglichen Routine von Dusche, Wäsche waschen und essen gilt es jetzt nur noch die Füße in die Sonne zu halten, damit die neuen Wunden genauso gut heilen, wie die alten. Denn - bei aller Romantik, die auch ich mir vor dem Start auf dem Camino ausgemalt habe - neben den besonderen Momenten in der Natur ist der Jakobsweg vor allem auch ein Kampf. Ein Kampf mit sich selbst, mit den Widrigkeiten des Wetters und vor allem mit den Blessuren. In diesem Sinne, ein kampfbetontes: Buen Camino!

Von Burgos durch die Meseta in Richtung Fromista

22. Mai 2013

Nach der lauten und belebten Großstadt Burgos und dem Besuch der wirklich beeindruckenden Kathedrale begann am Montag eine Tour, die gegensätzlicher nicht sein könnte. Wohl kein anderer Abschnitt auf dem Jakobsweg ist so einsam, wie die kastilischen Mesetas. Kilometerlang führt der Jakobsweg über ein Hochplateau. Rechts und links des Weges nichts weiter als grüne Berghänge, Felder und Natur. Kaum ein Baum oder Strauch ist hier zu finden. Auch gibt es keine Möglichkeit einer Pause, weil direkt neben dem Wegesrand die grünen Felder beginnen. Immer nur weiter geradeaus ist das Prinzip dieser Etappen - und nicht die Hoffnung verlieren, dass irgendwann ein Ort mit einer Herberge kommt. Wer hier nicht genug zu trinken oder Proviant mitnimmt, hat ein echtes Problem.

Zum Glück tauchte der nächste Ort nach rund 20 Kilometern wirklich auf. In meinem Fall war es Hornillos del Camino. Leider wollten hier so viele Pilger übernachten, dass sämtliche Herbergen belegt waren. So blieb nur die Übernachtung auf einer Notpritsche in einer Turnhalle. Und die war eisig. Da fielen Dusche und Wäsche machen aus. In voller Bekleidung galt es, wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, um dann am nächsten Morgen schnell weiterzulaufen.

Die Entlohnung für diese eher furchtbare Nacht kam am nächsten Tag im nur zwölf Kilometer entfernten Hontanas. Eine wunderschöne, kleine Herberge gab mir die Möglichkeit, den versäumten Schlaf nachzuholen, eine heiße Dusche zu nehmen und sogar meine komplette Wäsche waschen und trocknen zu lassen... Es sind diese vermeintlich kleinen Dinge, die einen Pilger erfreuen. So gestärkt geht es heute weiter durch die Mesetas in Richtung Fromista, das ich aber aller Wahrscheinlichkeit nach erst am Donnerstag erreichen werde. Ich nähere mich also in ganz kleinen (und leider immer noch sehr schmerzhaften) Schritten der Halbzeit meiner Wanderung. Nicht mehr lang und die ersten 400 Kilometer sind geschafft.

In Burgos habe ich übrigens meine Wanderschuhe nach Hause geschickt. Mit meinen kaputten Füßen konnte ich damit einfach nicht mehr laufen, und tragen wollte ich sie auch nicht länger. Nun ist mein Rucksack etwa zwei Kilo leichter und ich laufe in neuen, in Santo Domingo gekauften Wandersandalen. Das geht soweit ganz gut. Ich werde wohl aber noch ein Paar festere Schuhe brauchen. Ein kleiner Tipp: Wer auch immer plant, den Jakobsweg zu laufen und sich vorher in einem Schuhgeschäft beraten lässt, sollte nicht glauben, wenn der Verkäufer schwere Wanderstiefel empfiehlt. All diejenigen, die hier mit solchen Schuhe unterwegs sind, haben hier Probleme. Vor allem leicht und weich sollte der Schuh sein... Ich muss in der nächsten größeren Stadt nach einem solchen Modell suchen... In diesem Sinne: Buen Camino!

Eine Bustour nach Burgos

19. Mai 2013

Es ist das eingetreten, was keiner wollte: Wir können nicht über den Berg nach San Juan de Ortega wandern. Jeder Wanderführer über den Jakobsweg warnt davor, bei Regen auf den Berg zu gehen und auch die Anwohner hier am Fuß des Berges, raten dringend davon ab. Zu gefährlich sei es dort oben bei diesem Wetter. Und das ist wirklich schlecht. Es regnet seit gestern durchgehend, dazu gibt es Gewitter, Hagel und Sturm. Wir hören auf die Einheimischen und gehen nicht auf den Berg.

Wir, das ist eine größere Gruppe von Pilgern, denen das Risiko zu groß ist, sich bei einer Bergtour in Gefahr zu bringen.

Ich meine, sogar Hape Kerkeling hat sich mit einem Auto über die Pyrenäen bringen lassen und ist zwischendurch einmal Bus gefahren...

Trotzdem ist es für die meisten Pilger - so auch für mich - keine leichte Entscheidung. Aber wir werden es heute tun, werden in den Bus steigen und uns die letzten 20 Kilometer in die spanische Metropole bringen lassen. Ist ja auch ein besonderes Erlebnis mit einem spanischen Bus unterwegs zu sein. Und am Ende muss jeder Pilger selbst entscheiden, wie er seinen Weg hinter sich bringt. Heute setze ich auf Sicherheit! Buen Camino

Von Santo Domingo de la Calzada über Belorado bis Villafranca Montes de Oca

18. Mai 2013

Ich bin zurück auf meinem Camino. Mein erster Wandertag nach der dreitägigen Pause am Freitag war recht erfolgreich. Statt der geplanten sechs Kilometer, bin ich 23 bis nach Belorado gelaufen. Es war schön, einfach wieder einer der Pilger zu sein, und zu laufen. Da konnte selbst Dauerregen, Hagel und die Kälte der Freude nichts anhaben. Im neongrün leuchtenden Regenponcho bin ich laut singend durch die spanische Pampa gelaufen. "I'm singing in the rain" geht einfach immer. Allerdings gibt es in Spanien ein Sprichwort, wonach man durch schiefes Singen den Regen hervorruft. Dann lassen wir die Pilger mal lieber nichts wissen, von meinen musikalischen Versuchen...

Weil meine Füße 23 Kilometer am Abend dann doch nicht ganz so lustig fanden, habe ich beschlossen am heutigen Sonnabend nur eine 12 Kilometer-Etappe zu absolvieren. Zum Glück noch im Trockenen bin ich also bis Villafranca Montes de Oca gelaufen. Bis zum Fuß des Berges, den ich morgen erklimmen muss. Nach der täglichen Routine - duschen, Wäsche waschen, einkaufen - hatte ich durch die kürzere Tour Zeit, etwas auszuruhen und zu schlafen. Wie gut meine Entscheidung war, nicht weiterzulaufen, zeigte sich, als ich nach zwei Stunden erwachte: Es regnet wie aus Kübeln, dazu blitzt und donnert es. Und es sieht nicht so aus, als würde das bald wieder aufhören. Die Wanderführer warnen sogar davor, die Bergtour zu machen, wenn es regnet. Der Untergrund wird einfach zu schlammig und glitschig bei Regen. Und die nächsten zwölf Kilometer bis zur nächsten Herberge hätte ich nie bis zum Regen geschafft.

Jetzt sitzen die meisten Pilger in einem ehemaligen Pilgerkrankenhaus, in dem heute ein Drei-Sterne-Hotel logiert. Im Hinterhaus gibt es eine wunderschöne private Herberge für fünf Euro die Nacht. Und alle hoffen darauf, dass der Regen bald nachlässt. Denn auf eine Bustour auf dem Camino hat wohl keiner Lust. Ob sich das vermeiden lässt, wird sich morgen zeigen - denn unser Leben wollen wir ja nun doch nicht aufs Spiel setzen für eine Wanderung. Buen Camino!

Von Santo Domingo de la Calzada nach Grañon

16. Mai 2013

Die Reise muss weitergehen, wenn auch nicht sehr weit. Nach dem letzten Arztbesuch heute, habe ich beschlossen, mich morgen wieder auf den Weg zu machen. Wenigstens die sechs Kilometer bis zur nächsten Herberge in Grañon müssen doch zu schaffen sein. Die Blasen sind zwar noch nicht restlos verheilt, aber die Entzündung im Fuß ist weg. Alles andere wird auch mit der Zeit verschwinden. Ich muss einfach weiter. Drei Tage an einem Ort sind einfach genug! Dann bin ich eben langsam auf dem Jakobsweg unterwegs. Dabei dürften mir morgen viele Menschen Gesellschaft leisten, denn heute sind unglaublich viele Pilger mit Verletzungen und Schmerzen in der Herberge eingetroffen. (Zum Glück - ich dachte schon, ich sei die Einzige, die irgendwie aus der Art schlägt.) Dem ist also nachweislich nicht so.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Menschen morgen schleichen werden: Die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei 90 Prozent und es soll richtig kalt werden. Eine Nachricht von befreundeten Pilgern, die kurz vor Burgos sind, erreichte mich heute. Der Inhalt der Nachricht: "Es ist schön, aber es friert." Na das sind doch mal Aussichten für eine Wanderung Mitte Mai in Spanien. Da gilt es, sämtliche Kleidungsstücke übereinander anzuziehen und den Regenponcho über den Rucksack zu ziehen. Ja, das sieht nicht wirklich vorteilhaft aus - aber das interessiert hier zum Glück niemanden. Außer den verrückten Pilgern in ihren bunten Ponchos ist bei dem Wetter sowieso niemand auf dem Weg. Ich denke, die Spanier halten uns für etwas durchgeknallt. Ein bisschen Recht haben sie ja. In diesem Sinne, ein frostiges Buen Camino!

Wetterumschwung in Santo Domingo de la Calzada

15. Mai 2013

Nach Sonnenschein folgt Regen... Geht sie nicht so die alte Volksweisheit? Zumindest gilt diese Version zurzeit in Spanien, und das nicht nur im übertragenen Sinn. Nach rund zehn Tagen schönstem Frühlingswetter mit Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 22 Grad, hat es in der Nacht einen Wetterumschwung gegeben. Die Temperaturen sind auf ein bis acht Grad gefallen, abends hat es gehagelt und nun regnet es ohne Unterlass.

Auch für mich hat quasi die Regenzeit begonnen. Nach einem tollen Wandertag nach Azofra kam der Einbruch auf den 15 Kilometern nach Santo Domingo de la Calzada. Die Schmerzen im Fuß wurden unerträglich und das, was ich schon länger vermutet habe, ist nun Wirklichkeit geworden: Die offene Wunde hat sich infiziert - Entzündung im Fuß. Ich habe eine ärztlich verordnete Laufpause von vier Tagen, bis die Wunde einigermaßen verheilt ist.

Das gibt mir Gelegenheit, einmal eine Lanze für die Herbergen zu brechen, die von Hape Kerkeling in seinem Buch "Ich bin dann mal weg" so niedergeschrieben wurden. Zurzeit bin ich in einer Herberge des Zisterzensierordens in Santo Domingo de la Calzada. Und es ist ein wirklich tolles Haus. Ein Haus, das sogar eine kostenlose ärztliche Betreuung für die Pilger stellt und dessen Mitarbeiter sich rührend um die täglichen Pilgermassen kümmern. So ist es zum Beispiel nach der Diagnose des Arztes überhaupt kein Problem, noch weitere Tage in der Herberge zu verbringen. Normalerweise darf ein Pilger nur eine Nacht in einer Herberge verbringen, außer eben, er braucht medizinische Hilfe.

Das Haus hat große Gemeinschaftsräume, eine schöne Küche, die von jedem Pilger genutzt werden darf, und auch die sanitären Anlagen sind völlig in Ordnung. Und das ist nicht nur in diesem Haus, das war bisher überall auf dem Weg so. Ja, es stehen mehrere Betten in den Räumen, manchmal bis zu 20. Wer aber Jugendherbergen nicht scheut, wird mit den Herbergen auf dem Jakobsweg auch keine Probleme haben. Jeder hat Ohrstöpsel dabei und damit schläft man hier hervorragend.

Die Verletzung gibt mir die einmalige Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen der Herbergen zu gucken. Normalerweise muss jeder Pilger das Haus bis acht Uhr verlassen haben. Dann schließen sich die Türen, bis um zwölf Uhr der nächste Schwung Pilger schon auf ein Bett wartet. Während die Menschen von überall aus der Welt ihre Kilometer auf dem Jakobsweg herunterlaufen, fängt in den Herbergen eine ganz eigene Routine an. Fenster aufreißen und durchlüften, Betten abziehen, wischen, Küche aufräumen und die vergessenen Dinge der Pilger einsammeln. Und das jeden Tag.

Für die meisten Pilger sind die Herbergen viel mehr als nur ein Ort zum Übernachten. Nach bis zu 30 Kilometern Fußweg wird ein solches Haus zu einer herbeigesehnten Zuflucht, die es einem ermöglicht, sich zu erfrischen, zu erholen und zu stärken für den nächsten Wandertag. Für einen halben Tag wird jede Herberge ein kleines Zuhause in der Fremde. Und wie in einem Zuhause erwarten einen dort schon bekannte Gesichter der Pilgerfamilie. Denn egal, wie schnell oder langsam man läuft - am Ende trifft man sich immer wieder.

Für mich beginnt jetzt ein neuer Abschnitt der Pilgerreise. Sobald ich wieder einigermaßen laufen kann, werde ich mir das kleine Städtchen Santo Domingo de la Calzada ansehen, und versuchen, meine Zwangspause so gut es geht als Urlaub zu genießen. In Wirklichkeit fühlt es sich anders an. Ich will wieder raus auf den Jakobsweg. Der Countdown läuft...

Über Naverrete nach Azofra

13. Mai 2013

Tja, ich bin wohl endgültig infiziert - mit dem Wandervirus. Aus meiner geplanten Pause in Logroño ist nichts geworden. Nach einem Frühstück am Marktplatz der Stadt hat es mich irgendwie gepackt. Ich bin einfach losgelaufen. Ich wollte nicht bleiben in dieser Stadt. Zum einen, weil ich sie überhaupt nicht mochte (zu groß, zu laut, nicht hübsch) zum anderen fällt es mittlerweile schwer, einen Tag nicht zu laufen. Man gewöhnt sich einfach an sein tägliches Laufpensum. Um meinen kaputten Fuß zu schonen, laufe ich zurzeit in Gummilatschen, so dass die Wunden am Hacken heilen können. Zum Glück gibt das Wetter das zurzeit her. Und so habe ich zumindest die neun Kilometer von Logroño nach Navarrete absolviert - eine wirklich hübsche, kleine, spanische Stadt mit einer sehr schönen Herberge.

Überhaupt sind die Herbergen bisher viel besser, als ich es erwartet habe. Wer mit Jugendherbergen und Räumen mit vielen Betten drin kein Problem hat, dürfte auf dem Camino auch klar kommen.

Heute, am Montag, war einer der besten Lauftage bisher. Zwar weiter in Latschen, aber davon abgesehen war es ein toller Tag. Geplant hatte ich vorsichtige sechs Kilometer, ins Auge gefasst 16,5 Kilometer, geworden sind es mehr als 22. Nun bin ich in dem kleinen Ort Azofra gelandet, in der - so heißt es - besten Herberge des gesamten Camino. Und tatsächlich, einen kleinen Brunnen im Innenhof, in dem man seine Füße baden kann, gab es noch nirgendwo.

Die Landschaft hat sich mittlerweile gewandelt. Ging es in den ersten Tagen vor allem durch waldreiches Gebiet und später durch grünbewachsene Hügel- und Berglandschaften, ist die Landschaft nun rauer geworden. Ich habe das weltberühmte Weinanbaugebiet Rioja erreicht. Kilometerweit sieht man die Weinstöcke. Immer wieder läuft man an rauen, eher bräunlichen Felsen vorbei. Am Horizont sieht man Berge, auf denen zum Teil noch Schnee liegt.

Apropos Schnee: Bisher war das Wetter wirklich gnädig. Bis auf einen Nachmittag nur Sonne und Temperaturen zwischen 17 und 24 Grad. Doch das soll sich bald ändern. Der spanische Wetterbericht sagt für die kommenden Tage einen Wetterumschwung an. Zwischen einem und acht Grad soll es kalt werden, Regen ist vorausgesagt, zum Teil soll sogar Schnee möglich sein. Ich hoffe, die Wetterfrösche irren sich.

Zwangspause in Logroño

11. Mai 2013

Ich bin quasi gestrandet - in Logroño. Nach mehr als 125 Kilometer unterwegs auf dem Camino streikt mein linker Fuß. Schon bei der Überquerung der Pyrenäen vor einer Woche, ist mein linker Hacken aufgerissen. Blase kann man nicht mehr sagen, denn seit dem Tag klafft ein etwa zwei Euro großes Loch in meinem Hacken. (Beim Blick auf den Hacken weiß ich jetzt auch, warum es Hackfleisch heißt...) Nun nach einer Woche, inklusive Entzündung und Schwellung, muss ich die Wunde ausheilen lassen. Ehrlich gesagt fällt das Pausieren schwerer als das Laufen. Aber auch das ist wohl eine Lehre des Camino...

Die Wanderungen bis hierhin waren (zwar zum Teil sehr anstrengend) vor allem aber landschaftlich wunderschön. Vor allem die 22 Kilometer Weg von Puente la Reina nach Los Arcos waren traumhaft. Grüne Hügel, Berglandschaften im Hintergrund, rosa blühende Bäume und dabei nicht so extreme Steigungen wie an den Tagen zuvor. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an die Langsamkeit gewöhnt. Es ist unglaublich, wie viel man von den Gerüchen und den Geräuschen der Natur mitbekommt, wenn man stundenlang hindurchläuft. So viele Vögel singen, Frösche quaken und Insekten summen habe ich wohl in meinem ganzen Leben noch nicht gehört. Und man gewöhnt sich sehr schnell an die Ruhe der Natur. Jedes mal, wenn wir Pilger Station in einer großen Stadt gemacht haben, freuen wir uns schon wieder darauf, sie endlich hinter uns zu lassen. Zu groß ist der Unterschied zwischen dem Lärm der Städte zum Rest des Camino.

Ich sage "Wir", weil man hier niemals wirklich alleine ist. Außer man will es. Aber vor und hinter mir und mit mir laufen Hunderte Pilger aus der ganzen Welt. Und ich habe schon viele von ihnen kennengelernt. Da sind zum Beispiel Jordana aus London und Aly aus Vancouver, mit denen ich bis nach Los Arcos gelaufen bin. Mädels, es war einfach toll mit Euch! Oder die Schwestern Anni und Jane (ebenfalls aus Kanada), die mir schon auf der ersten Etappe über die Pyrenäen begegnet sind und die ich in vielen Herbergen wiedergetroffen habe. Zum Teil sind es kurze Gespräche mit bis dahin fremden Menschen auf dem Weg. Zum Teil entwickeln sich echte Begegnungen und gemeinsame Abende mit neuen Freunden daraus. Es verbindet uns das Gefühl einer gewissen Gemeinschaft. Wir sind Pilger auf dem Camino de Santiago - und das verbindet irgendwie.

Von Roncesvalles über Zubiri nach Pamplona

7. Mai 2013

Nach drei Tagen mit ungezählten Auf- und Abstiegen und einer Übernachtung in Zubiri, ist Pamplona endlich erreicht. Das erste größere Etappenziel und die erste der fünf Königsstädte, durch die der Camino führt. Mitten in der Altstadt liegt eine ehemalige Kirche, in der nun eine Pilgerherberge für mehr als 100 Pilger untergebracht ist.

Der Weg bis hierhin war hart. Man kann es nicht anders sagen. Die ersten fünfzehn Kilometer des Tages sind meist sehr schön und ich habe Zeit und auch noch Kraft, mir die Landschaft anzusehen. Die letzten Kilometer des Tages werden dafür regelmäßig zur Quälerei. Viele Pilger, die ich unterwegs treffe, beschreiben es so: Es ist die Hölle und das Paradies zur gleichen Zeit. Recht haben sie.

Das Überraschende: Es braucht meist nur eine Dusche, etwas zu Essen und eine kleine Pause und alles ist wieder ok. Dabei hat man eine halbe Stunde vorher noch gedacht, man würde sterben. Nein, gestorben wird hier nicht.

Tatsächlich zeigen sich aber die ersten Spuren der Reise. Offene Blasen an den Fersen und der regelmäßige Muskelkater am Morgen. Aber nach wenigen Schritten ist der meist überstanden und man kommt wieder in den Tritt.

Trotzdem bin ich froh, jetzt in Pamplona einen Tag Pause zu haben. Ich will mir die durch ihre Stierhatz bekannte Stadt schließlich auch ansehen und nicht nur hindurch rennen. Nach drei Tagen in der Natur gilt es heute also wieder ein bisschen Stadtluft zu schnuppern und durch die Gassen der zum Teil historischen Altstadt zu schlendern. Meine Füße werden es mir danken. In diesem Sinne: Buen Camino!

Pyrenäen überquert

4. Mai 2013

Unglaublich, aber wahr. Ich habe zu Fuß die Pyrenäen überquert. Ich kann es noch gar nicht glauben, aber die 27 Kilometer zwischen St. Jean Pied de Port und Roncesvalles sind geschafft. Ich bin völlig fertig, aber glücklich. Schon heute, am ersten Tag, habe ich Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt. Kanada und Australien sind stark vertreten auf dem Camino. Nach der Dusche und der Wäsche gibt's noch etwas zu Essen und dann geht's quasi schon ins Bett. Die Herbergen schließen schon um zehn Uhr. Auf den Muskelkater morgen bin ich gespannt. Buen Camino.

Die Anreise

2. Mai 2013

Es ist soweit. Nach monatelanger Vorbereitung geht es heute wirklich los. Und langsam werde ich nervös. Werde ich das wirklich schaffen? Ist es nicht völlig verrückt, 800 Kilometer durch ein fremdes Land laufen zu wollen? Tja, nun ist es wohl zu spät für solche Fragen, denn ein Zurück gibt es nun nicht mehr.

In wenigen Stunden fahre ich los zum Bahnhof. Zunächst geht es mit dem Nachtzug von Hamburg nach Paris und dann weiter mit dem TGV und einer Regionalbahn quer durch Frankreich. Einen ganzen Tag wird die Anreise dauern. Am Freitagabend um 19.30 Uhr soll der Zug in St. Jean Pied de Port ankommen. Das Bett für die erste Nacht ist gebucht - in einem Gemeinschaftszimmer. Schließlich werde ich ab jetzt jede Nacht in Pilgerherbergen übernachten, da kann ich auch in der ersten Nacht damit anfangen. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Tschüs Hamburg!

Jacobsweg

Die Geschichte des Jakobswegs

Es gibt zahlreiche Pilgerwege in ganz Europa. Einer der berühmtesten ist der Weg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien, der Camino de Santiago, der "Jakobsweg".

Unterschiedliche Routen führen nach Santiago de Compostella, der Camino Francés, ist wohl der bekannteste Weg – nicht erst seit Hape Kerkeling diese Route für sich wählte und darüber ein Buch schrieb (erschienen am 22. Mai 2006).

Der Camino Francés, im Hochmittelalter die Hauptverkehrsachse in Nordspanien, reicht von den Pyrenäen zum Jakobsgrab und weiter ans Kap Finisterre, das damalige "Ende der Welt". Der Weg verbindet dabei die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander.

Nach der Wiederbelebung der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela in den 1970er und 1980er Jahren wurde der spanische Hauptweg 1993 in das Unesco-Welterbe aufgenommen.

In der Apostelgeschichte stirbt Jakobus in Palästina durch das Schwert. Laut einer Legende hat Jakobus zuvor in Spanien missioniert und wurde durch treue Gefolge dorthin zurückgebracht und dort, wo heute die Kathedrale von Santiago steht, begraben.

Einer anderen Legende nach wurde sein Leichnam von einem von Engeln getragenen Schiff transportiert. Ein Einsiedler beobachtet sogar Lichterscheinungen und ein Marmorbogen wies auf ein Grab hin. Der Bischof Theodemir ließ das Grab öffnen und schrieb die Gebeine den Apostel Jakobus zu. Daraufhin wurde eine Kapelle über dem Grab errichtet und dies stellt den Anfang des heiligen Ortes Santiago de Compostela dar.

Die Verehrung des Heiligen Jakobus stärkte auch die christliche Identität der Spanier, was ihnen vor allem im Kampf gegen die Mauren behilflich war. Man kann mit Recht behaupten, dass die Entdeckung und Heiligsprechung des Grabes die Geschichte Europas mit beeinflusst hat. Einerseits war dies der Ausgangspunkt für die Reconquista also die Rückeroberung Spaniens und andererseits wurde mit ihr erstmalig das Pilgern zu einem Massenphänomen.

Bis heute gibt es Zweifel an der Echtheit der Gebeine und des Grabes. Der Anblick der Kathedrale von Santiago de Compostela hat trotzdem einen unbeschreiblichen Eindruck auf die Menschen – im Besonderen auf die Pilger, die den 800 Kilometer langen Weg zu Fuß bewältigt haben.

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