01.03.13

Neuordnung der Elbphilharmonie

Olaf Scholz: "Wir wollen das Vertrauen zurückgewinnen"

Die Stadt Hamburg und der Baukonzern Hochtief haben sich nach jahrelangem Streit auf einen Weiterbau der Elbphilharmonie geeinigt. Das Konzerthaus muss im Sommer 2016 fertig sein.

Foto: dpa

Die Elbphilharmonie soll neben zwei Konzertsälen auch Wohnungen und ein Hotel beherbergen

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Hamburg. Fast eineinhalb Jahre herrschte Stillstand bei der Elbphilharmonie, nun kann es auf der Großbaustelle endlich weitergehen: Am Freitag einigten sich die Stadt Hamburg und der Baukonzern Hochtief endgültig auf eine gemeinsame Fortführung des Projekts. Das teilte Senatssprecher Christoph Holstein mit. "Es ist verhandelt, und es ist in harter Arbeit gelungen, eine gute Grundlage für die künftige Zusammenarbeit zu schaffen. Es ist denjenigen zu danken, die den Weg für den Weiterbau der Elbphilharmonie geebnet haben", sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz.

Die Stadt und der Baukonzern streiten sich seit Jahren um Kostenexplosionen und Zeitverzögerungen bei dem Prestigeprojekt. Sollte die Elbphilharmonie ersten Schätzungen zufolge den Steuerzahler 77 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein, liegen die Kosten mittlerweile bei mindestens 575 Millionen Euro, die Eröffnung wurde auf 2017 verschoben. Nach Medienberichten könnten die Kosten auf mehr als 600 Millionen Euro steigen. Damit würde die Elbphilharmonie von den Kosten her das bisher größte deutsche Kulturprojekt – die Rekonstruktion des Berliner Schlosses - übertreffen. Für das Berliner Projekt waren bislang 590 Millionen Euro veranschlagt.

Schon im Dezember hatten sich beide Parteien auf einen Weiterbau verständigt. Die vorläufige Einigung musste jedoch noch in einen rechtsverbindlichen Vertrag überführt werden. Hochtief hatte angeboten, das Konzerthaus bis Sommer 2016 zu Ende zu bauen und schlüsselfertig an die Stadt zu übergeben.

"Bei der Komplexität dieses Projektes sollte niemand glauben, dass die Fertigstellung des Konzerthauses ein Spaziergang wird. Es werden auch in den kommenden Jahren noch Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen sein. Das betrifft zunächst die Arbeiten auf der Baustelle. Das betrifft aber auch die Frage, wie man verlorenes Vertrauen zurück gewinnen kann. Mit der frühzeitigen Veröffentlichung des Vertragsentwurfes und einer neuen Transparenz wollen wir dieses Ziel erreichen. Wir wollen Vertrauen in die Projektstruktur, in die an der Realisierung Beteiligten und die Elbphilharmonie selbst zurückgewinnen. Die Elbphilharmonie soll ein Haus für alle Hamburgerinnen und Hamburger werden", erklärte Scholz.

Für einen erneuten Nachschlag von 198 Millionen Euro übernimmt der Baukonzern dafür sämtliche Risiken und stellt die Elbphilharmonie gemeinsam mit den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron fertig, die Stadt zieht sich nahezu komplett zurück. Auch für die zuletzt strittige Akustik des Konzertsaals will der Konzern Medienberichten zufolge eine Garantie übernehmen, solange es sich dabei um messbare Bauleistungen handelt.

Bereits am Donnerstag wurden erste Details der neuen Vereinbarung bekannt. So soll es Zwischentermine geben, bei deren Nichteinhaltung die Stadt ein Sonderkündigungsrecht hat, berichtete das Abendblatt. Außerdem soll die Stadt eine Schlusszahlung von 100 Millionen Euro offenhalten, sollte Hochtief das Konzerthaus nicht rechtzeitig fertigstellen.

Zusätzlich müssen externe Gutachter die Arbeiten auf der Baustelle begleiten und kontrollieren. Eines der zahlreichen Probleme, die Risse in der Verkleidung der 80 Meter langen Rolltreppe, soll behoben werden, indem die gesamte Verkleidung wieder herausgerissen und neu angebracht wird.

Kritik an der Vereinbarung kam von den Hamburger Grünen. "Bisher können wir nicht erkennen, dass diese Neuordnung alle Probleme löst", sagte Fraktionschef Jens Kerstan. "Beim Bau des Konzerthauses drohen weitere Millionenkosten – bei der Haustechnik, beim Bausoll und beim Facility Management. Der Bürgermeister muss erklären, warum Hochtief trotz der hohen Einigungssumme die Möglichkeit bekommt, minderwertige Qualität abzuliefern."

Das gläserne Konzerthaus auf einem alten Speicher im Hamburger Hafen, mit integriertem Luxushotel und 45 Eigentumswohnungen, soll einmal zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt gehören. Der Große Konzertsaal mit 2150 Plätzen ist nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist. Für die Akustik wurde mit dem Japaner Yasuhisa Toyota einer der besten Akustiker der Welt engagiert.

Bevor es mit den Bauarbeiten weitergehen kann, muss jedoch noch die Bürgerschaft über das Projekt entscheiden. Sie will die Verträge gründlich prüfen und auch Experten anhören, bevor es zu einer Abstimmung kommt.

Die Stadt hat die Verträge im Internet veröffentlicht, sie sind hier zu finden.

Das ist die Elbphilharmonie

Top Ten der Konzerthäuser

Die Elbphilharmonie im Hamburger Hafen soll einmal zu den zehn besten Konzerthäusern der Welt gehören. Das spektakuläre Gebäude aus Glas der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron entsteht auf einem alten Kaispeicher direkt an der Spitze der Hafencity.

100 Meter hoch

Der markante, wellenförmige Glasbau ist an der höchsten Stelle 110 Meter hoch, die Glasfassade besteht aus rund 1100 Fensterelementen. Auf 37 Metern Höhe ist die zentrale Plaza als öffentlicher Raum frei zugänglich. Der Außenrundgang um das Haus bietet spektakuläre Ausblicke auf den Hafen und die Stadt.

Herzstück Konzertsaal

Das Herzstück der Elbphilharmonie, der große Konzertsaal mit 2150 Plätzen, ist nach dem Weinberg-Prinzip gebaut – mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist.

Saal ruht auf Federpaketen

Aus Schallschutzgründen ruht der 12 500 Tonnen schwere Saal auf 362 Federpaketen und ist damit vom restlichen Gebäude entkoppelt. In der Mitte hängt ein Reflektor, der den Klang im Raum verteilen soll.

Hotel und Luxuswohnungen

Neben dem Konzertsaal entsteht im Ostteil des Gebäudes ein Hotel auf 14 Ebenen mit 250 Zimmern, Wellness- und Konferenzbereich. Im Westteil entstehen 45 Luxuseigentumswohnungen.

(HA/dpa)
Die wichtigsten Etappen des Projekts
  • Oktober 2001

    Der Architekt Alexander Gérard tritt an den Hamburger Senat mit der Idee heran, eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A zu realisieren.

  • Juni 2003

    Die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf der Elbphilharmonie.

  • Juli 2005

    Die erste Machbarkeitsstudie geht von Gesamtkosten in Höhe von 186 Millionen Euro aus. Der Anteil der öffentlichen Hand soll bei 77 Millionen Euro liegen.

  • August 2005

    Das Ehepaar Helmut und Hannelore Greve spendet 30 Millionen Euro für den Bau. Weitere Spenden in Höhe von 10 Millionen Euro kommen vom Unternehmer Michael Otto und der Reemtsma-Stiftung.

  • Juni 2006

    Der Österreicher Christoph Lieben-Seutter wird als Generalintendant von Elbphilharmonie und Laeiszhalle vorgestellt.

  • November 2006

    Bürgermeister Ole von Beust (CDU) gibt bekannt, dass die Elbphilharmonie teurer wird als geplant. Die Kosten steigen auf 241,3 Millionen Euro, der Anteil der Stadt auf 114,3 Millionen Euro.

  • April 2007

    Grundsteinlegung Elbphilharmonie.

  • November 2008

    Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) räumt ein, dass sich die Kosten für den Steuerzahler um 209 Millionen Euro auf 323 Millionen Euro erhöhen. Neuer Eröffnungstermin ist im Mai 2012.

  • Mai 2010

    Der von der Hamburger Bürgerschaft einstimmig eingesetzte parlamentarische Untersuchungsausschuss nimmt seine Arbeit auf, um die Ursachen der exorbitanten Kostensteigerungen herauszufinden.

  • Mai 2010

    Richtfest auf der Baustelle der Elbphilharmonie. Die Feierlichkeiten werden von Protesten begleitet.

  • Juli 2011

    Der Baukonzern kündigt erneut eine Verzögerung an. Nun soll die Elbphilharmonie am 15. April 2014 übergeben werden.

  • November 2011

    Stillstand auf der Baustelle: Hochtief stellt die Arbeiten am Dach wegen Sicherheitsbedenken ein.

  • 2. Februar 2012

    Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagt vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Er übernimmt die politische Verantwortung, würde aber wieder so entscheiden.

  • 14. April 2012

    Der Senat legt einen Plan zum Weiterbau der Elbphilharmonie vor. Gleichzeitig setzt die Stadt Hochtief ein Ultimatum, das Dach bis zum 31. Mai abzusenken.

  • 5. Juli 2012

    Kurz vor dem Ablauf eines zweiten Ultimatums einigen sich die Stadt und Hochtief auf ein gemeinsames Eckpunktepapier, das alle strittigen Fragen klären soll. Es muss jedoch noch in eine rechtsverbindliche Form gebracht werden.

  • 23. November 2012

    Das Saaldach der Elbphilharmonie wird erfolgreich abgesenkt, bzw. mit dem Gebäude verbunden. Der Streit darüber war einer der wesentlichen Gründe für den einjährigen Baustillstand.

  • 15. Dezember 2012

    Die Stadt Hamburg will die Elbphilharmonie gemeinsam mit Hochtief zu Ende zu bauen. Das komplette Gebäude mit Hotel und Parkhaus kostet nun 575 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für Herbst 2016 geplant.

  • 1. März 2013

    Die Stadt Hamburg gibt bekannt, dass sie sich mit Hochtief vertraglich auf den gemeinsamen Weiterbau der Elbphilharmonie geeinigt hat.

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