01.03.13

Ex-Sängerin

Irene Abele: Von der Bühne in die Schneiderei

Die ehemalige Sängerin Irene Abele fertigt in der HafenCity nicht nur Maßbekleidung, sondern zudem auch Kostüme für Shows.

Von Daniela Stürmlinger
Foto: Juergen Joost
Designerin Irene Abele
Die ehemalige Sängerin Irene Abele präsentiert bunte Outfits in ihrem Laden in der HafenCity

Hamburg. Das Schiff ist noch nicht einmal getauft. Doch im Atelier von Irene Abele in der HafenCity geht es schon jetzt betriebsam zu. Die Unternehmerin und ihre Mitarbeiter nähen in ihrer Werkstatt Bühnenkostüme für die Künstler, die künftig auf dem neuen Kreuzfahrer "AIDAstella" die Gäste unterhalten sollen. Glitzernde Hemdchen und bunte, hautenge Hosen werden für den Versand an die Rostocker Reederei Aida verpackt. Der Liefertermin naht. "Die Künstler müssen bereits vor Beginn der Kreuzfahrt proben. Dafür brauchen sie natürlich ihre Kostüme", sagt Irene Abele. Die Frau kennt sich aus im Showgeschäft. In den 80er-Jahren sang sie in der "Goombay Dance Band" Hits wie "Sun of Jamaica" oder "Seven Tears". Zwölf Jahre ist sie um die Welt getourt. Doch dann besann sie sich wieder auf ihren erlernten Beruf als Maßschneiderin.

Die Faszination für Musik liegt offenbar in der Familie. Irene Abele stammt aus Liberia. Sie ist das älteste von vier Kindern. Als ihr Vater starb, reiste der jüngere Bruder Benjamin Mason, der bereits in Deutschland lebte, zur Beerdigung nach Hause. "Benjamin war musikalisch erfolgreich. Er war Leader der Band Soulful Dynamics, die durch den Song ,Mademoiselle Ninette' bekannt wurde. Nach dem Tod meines Vaters nahm mich Benjamin vor 27 Jahren mit nach Hamburg", sagt sie. Kaum in Deutschland angekommen, machte Abele eine Schneiderausbildung an der renommierten Fachschule für Mode und Schnitttechnik Müller & Sohn in Düsseldorf. Schon damals nähte sie Kostüme unter anderem für die Band Boney M. Seit über zehn Jahren betreibt die Coutureschneiderin und Schnittdirektrice nun ihre Maßschneiderei, in der sie Outfits im Auftrag von Theatern, Musicals und natürlich Kreuzfahrtreedereien fertigt.

Seit Dezember hat die agile Frau, die mit einem Hamburger PR-Berater verheiratet ist, einen Laden nebst Räumlichkeiten für die Schneiderei in der HafenCity angemietet. Dort ist sie näher an den Kunden und den großen Passagierschiffen, die sie mit Kostümen bestückt. Über Umsätze will Irene Abele, die eine feste Mitarbeiterin beschäftigt sowie zahlreiche Freiberufliche, nicht reden. Aber sie kann vom Geschäft leben. Ihre Kunden kommen nicht nur aus Deutschland. In Österreich und der Schweiz hat sie zum Beispiel im Auftrag des Hamburger Unternehmens Hüte & Kostüme Festspiele unter anderem in Salzburg und in Bayreuth ausgestattet.

Mit dem Umzug von Langenhorn in die HafenCity betritt Abele nicht nur regional Neuland, sondern kann auch beruflich ihr Konzept erweitern. Während sich hinten im Geschäft die Schneiderei befindet, bleibt vorne im Laden Platz für die Eigenkollektionen der Maßschneiderin. Das müssen nicht nur Kleidungsstücke sein. Zum Einzug hatte sie zum Beispiel Taschen aus Stoff von Escada genäht. "Die sind inzwischen alle verkauft." Auch viele Touristen, die die HafenCity besichtigen, erwerben das eine oder andere Stück in dem Laden am Dalmannkai.

Während die Taschen in einer geringen Zahl gefertigt wurden, sind die meisten Kleidungsstücke von Irene Abele echte Unikate. Vor allem bunte Farben haben es ihr angetan. Den Stoff besorgt sie sich aus Afrika, etwa wenn sie zur weit verzweigten Familie in Liberia oder Ghana fliegt. "Ich kaufe dann auf regionalen Märkten ein", sagt sie. "Schön wäre natürlich, wenn Aida-Entertainment auch mal eine afrikanische Show ins Programm nehmen würde."

Zudem bezieht sie ihre Materialien von großen deutschen Herstellern wie Boss oder eben auch Escada. Abele will sich in keine Schublade schieben lassen. "Ich mache Bekleidung für alle Frauen", sagt sie. Derzeit schmücken von ihr selbst kreierte Mützen das Schaufenster sowie hochwertige Kleider. Für den Sommer will sie wieder in ihre Stoffkiste greifen und neue Kreationen entwickeln.

Mit der Ladeneröffnung hat die 46-Jährige nicht nur ihr Sortiment erweitert, sie kann auch neue Dinge ausprobieren. So verwandelt Irene Abele alte Jeans in neue Röcke. Dazu trennt sie die Nähte der Jeans auf und näht vorne und hinten bunten Stoff zwischen die beiden Jeansbeine. Schon ist aus einer Hose ein Rock geworden, der zudem noch ein Einzelstück ist. "Wer eine alte Jeans hat, kann sie zu mir bringen und zum Jeansrock umwandeln lassen", so Abele. Das hat jedoch seinen Preis, der bei 80 Euro anfängt und je nach neuem Stoff variiert. "Es ist ein aufwendiger Arbeitsvorgang", sagt die Schneiderin.

Die Aufträge der Reeder, Theater, Musicals oder Festspielhäuser werden auch in Zukunft den größten Teil des Geschäfts ausmachen. Mit dem neuen Laden hat Irene Abele aber die Chance, zusätzliche Kundschaft zu finden. "Man kann auch eigenen Stoff zu mir bringen, aus dem ich für den Kunden ein Einzelstück fertige", sagt sie. Zudem will sie die erste Adresse für Sänger oder Schauspieler werden, deren Bühnenkostüm ausgebessert werden muss. Die Frau, die selbst lange Zeit auf der Bühne stand, weiß genau, wie man Outfits am besten flickt.

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