"World Ocean Review" in Hamburg Überfischung von Kabeljau & Co. trifft Meeres-Ökosystem

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Lebensgemeinschaft geraten aus dem Gleichgewicht, wenn große Raubfische fehlen, hieß es bei Präsentation von Bericht in Hamburg.

Hamburg. Weltweit ein Viertel aller Speisefischbestände gelten als zu stark genutzt, weitere 30 Prozent stehen an der Schwelle der Überfischung. Der hohe Druck durch die Fischerei trifft nicht nur einzelne Arten: Die Lebensgemeinschaften der Meere kommen aus dem Gleichgewicht, wenn einzelne Mitglieder der Unterwasserwelt ihre ökologischen Funktionen nicht mehr ausüben können. Das zeigt der zweite "World Ocean Review" (WOR), der am Donnerstag im ehemaligen Hauptzollamt des Hamburger Hafens präsentiert wurde.

"Durch die Entnahme großer Raubfische wie Kabeljau wird die Nahrungskette gestört. So profitieren die Beutetiere davon, dass ihr Fressfeind dezimiert wird. Das hat wiederum Einflüsse auf weitere Arten. Ökosysteme sind sehr komplex. Unser Fischerei-Management betrachtet aber nur den Speisefisch, dabei müsste es das Gesamtsystem im Blick haben", sagte Prof. Martin Visbeck vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und Sprecher des Kieler Forschungsverbunds "Ozean der Zukunft".

Der Bericht kommt zur rechten Zeit: Anfang Februar beschloss das EU-Parlament eine Fischerei-Reform, die Wissenschaftler und Umweltverbände als Durchbruch auf dem Weg zum nachhaltigen Fischfang feierten. Doch nun droht der Ministerrat das Gesetzeswerk zu verwässern. So wollen die Parlamentarier die Überfischung von EU-Gewässern bis zum Jahr 2015 stoppen, der Rat hält 2020 für ausreichend. "Wenn wir es in dieser Legislaturperiode nicht schaffen, unsere Fischerei nachhaltiger zu gestalten, dann schaffen wir es gar nicht mehr. Denn dann sind die Bestände nämlich weg", sagte die SPD-Europaabgeordnete Ulrike Rodust, die für das Parlament die Verhandlungen mit dem Rat führt.