21.02.13

Schnelsen

Zu dritt eine alte Dame in ihrer Wohnung überfallen

86 Jahre alte Rentnerin wurde in einer Seniorenwohnanlage Opfer eines räuberischen Trios. Einen ihrer Peiniger traf sie nun vor Gericht.

Von Bettina Mittelacher
Foto: DPA
Statue der Justitia
Eine Statue der Justitia

Da ist noch eine stille Kraftreserve. Eine bewundernswerte Energie und Zähigkeit. Erika T. (Namen geändert) ist anzusehen, dass sie beileibe nicht als gebrechlich wahrgenommen werden möchte. Dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters von 86 Jahren noch im Leben steht, mit aufrechter Haltung und fester Stimme. Und doch kann all das nicht eine gewisse Zartheit der betagten Dame kaschieren, eine Verletzlichkeit, die nur zu offensichtlich macht, dass die zierliche Rentnerin ein allzu leichtes Opfer ist. Dass sie nicht den Hauch einer Chance hatte, sich gegen den Überfall von drei jungen Männern zu wehren, die vor einem brutalen Raub nicht zurückschreckten. Die sie in ihrer Wohnung in einer Seniorenwohnanlage in Schnelsen fesselten, ihr den Mund verklebten, ihre Habe durchwühlten und schließlich zusammenrafften, was sie an Schmuck erbeuten konnten.

Erhobenen Hauptes hat die 86-Jährige jetzt den Zeugenstuhl im Prozess vor dem Landgericht angesteuert, wo die Hamburgerin gegen einen ihrer mutmaßlichen Peiniger aussagen soll. Sie schildert ein Verbrechen vom April vergangenen Jahres, das als grober Einschnitt ihr Leben aufwühlte und ihr über längere Zeit Angstzustände und Schlafprobleme bereitete. "Ich muss noch oft daran denken", erzählt Erika T. heute. "Und damals überlegte ich: Da beklauen die eine arme, alte Rentnerin."

Der Mann, der sich für die Tat wegen schweren Raubes vor Gericht verantworten muss, zuckt bei diesem Satz merklich zusammen. Überhaupt scheint sich Patrick R. in seiner Haut überhaupt nicht wohl zu fühlen, den kräftigen Körper hält er geduckt, die Hände bewegt er nervös hin und her. Der 24-Jährige weiß nur zu genau, dass er wegen des Verbrechens mehrere Jahre im Gefängnis verbringen wird. Weil an dem Klebeband, mit dem das Opfer gefesselt wurde, DNA von ihm gesichert wurde, wäre es wenig sinnvoll, die Tat zu leugnen. Ja, er habe den Überfall auf die alte Dame gemeinsam mit zwei Bekannten verübt, räumt der semmelblonde Hamburger ohne Umschweife ein. "Aber es war nicht meine Idee, sondern die meiner Kumpel." Deren Namen wolle er unter keinen Umständen nennen, wehrt er ab.

Die beiden Männer hätten ihn an jenem Tag um die Mittagszeit ohne weitere Erklärungen aufgefordert, mit ihnen zu kommen. "Ich konnte mir vorstellen, dass es sich um einen Einbruch handelt. Die beiden Kumpels sind ja nicht ohne." Er selber wisse aber auch genau, "wie man einen Einbruch macht: Tür aufhebeln und rein. Ich bin ja auch kein ganz unbescholtenes Blatt", deutet er seine Erfahrungen bei Straftaten an. "Dass es ein Raub werden sollte, wusste ich leider nicht", betont er.

Erst als die beiden Bekannten in der Seniorenwohnanlage verschwanden und ihn wenig später zu einer der Wohnungen dazu riefen, habe er erkannt, dass auch ein Opfer betroffen war. "Ich habe gesehen, dass die Frau gefesselt war. Ich habe ihr dann auch den Mund zugehalten." Das habe er erledigen müssen, "weil sie so hysterisch war", hatte er bei einer polizeilichen Vernehmung präzisiert. "Aber ich habe keine Gewalt angedroht", beeilt er sich jetzt zu erklären. Seine Bekannten hätten die Wohnung durchsucht und Wertgegenstände zusammengerafft. Er wisse nicht, an welchem Wochentag der Überfall geschehen ist, grübelt der Angeklagte. "Müssen Sie nicht arbeiten?" hakt der Vorsitzende Richter nach. Patrick R. windet sich verlegen. "Ich war krankgeschrieben", bekennt er schließlich, "wegen einer Erkältung". Sein Motiv, an dem Raub mitzuwirken, seien Schulden gewesen. "Ich habe an Automaten gezockt, außerdem musste ich einen Laptop abzahlen." Lediglich etwa 200 Euro habe sein Anteil an der Beute betragen, behauptet er.

Doch für sein Opfer war der Schaden um ein Vielfaches höher. Mehrere goldene Schmuckstücke hatten die Täter erbeutet. Doch vor allem trauere sie dem ideellen Wert nach, betont die 86-jährige Erika T. "Es waren Geschenke von meinem mittlerweile verstorbenen Mann." Sie habe hilflos mit ansehen müssen, wie die Täter etwa 20 Minuten lang ihre kleine Wohnung auf den Kopf stellten. "Ich wurde von einem Mann in meinem Sessel festgehalten. Er riss mir die Arme hoch, weil sie wohl gesehen hatten, dass ich einen Notrufknopf um den Hals trug", erinnert sich die zierliche Brillenträgerin. Ihre Hände seien gefesselt worden und ihr Mund mit Band verklebt. "Und er hielt mir ein Polster vor das Gesicht. Ich sagte ein paarmal, dass ich keine Luft kriege, dann wurde das Polster endlich wieder weggenommen."

Der Verteidiger des 24-Jährigen ergreift das Wort. Dem Angeklagten tue es wirklich leid, was ihr angetan wurde, versichert der Anwalt gegenüber dem Opfer. "Er würde gern sein Bedauern ausdrücken." Doch das kann die Seniorin wenig beeindrucken. "Da nützt es ja wohl nichts, sich zu entschuldigen", versetzt sie und möchte viel lieber wissen: "Und wo ist mein Schmuck abgeblieben?" Patrick R. blickt betreten zu Boden. Eine Antwort bleibt er schuldig.

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