20.02.13

Abendblatt exklusiv

IG Metall Küste will mindestens fünf Prozent mehr Lohn

"Ein stabiles Wachstum schaffen wir nur, wenn neben dem Export die Binnennachfrage angekurbelt wird", so Bezirksleiter Geiken.

Foto: Marcelo Hernandez
Meinhard Geiken ist der Bezirksleiter Küste der IG Metall
IG-Metall_Bezirksleiter Meinhard Geiken vor Blohm und Voss

Hamburg. Die IG Metall Küste wird mit einer Forderung von mindestens fünf Prozent in die Tarifverhandlungen gehen. "Nach meiner Einschätzung werden wir auf jeden Fall über fünf Prozent mehr Lohn fordern. Die Lohnerhöhung soll die Inflation – von etwa zwei Prozent – ausgleichen. Die Arbeitnehmer sollen ebenfalls von der steigenden Produktivität, die bei 1,5 Prozent liegt, profitieren. Zudem brauchen wir ein sattes Plus, weil wir damit den Konsum stärken. Ein stabiles Wachstum schaffen wir nur, wenn neben dem Export die Binnennachfrage angekurbelt wird", sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, dem "Hamburger Abendblatt" (Donnerstagausgabe).

Die Gewerkschaft ist zur Durchsetzung ihrer Forderung auch zu Arbeitskampfmaßnahmen bereit. "Wir werden in der Friedensfrist mindestens zweimal verhandeln. Und es wäre sinnvoll, sich bis Ende April zu einigen. Bisher konnten sich die Arbeitgeber in der Friedensfrist dazu noch nie entschließen. Bleibt es in diesem Jahr dabei, gibt es im Mai Warnstreiks", sagte Geiken. Die Gewerkschaft will am kommenden Freitag ihre Strategie für die Tarifrunde endgültig festlegen.

Eine Tariferhöhung von mehr als fünf Prozent hält der Bezirksleiter für die Unternehmen in Norddeutschland für verkraftbar. "Die Hälfte unserer Betriebsräte rechnet für 2013 mit einem ähnlich guten Jahr wie 2012. Die andere Hälfte sieht zwar Gefahren, glaubt aber nicht an einen Einbruch. Auch die Arbeitgeberverbände sagen: Die wirtschaftliche Lage ist stabil."

Geiken selbst verdient nach eigenen Angaben 11.800 Euro brutto im Monat. Im Vergleich zu einem Ingenieur im Metallbereich ist dies etwa das Doppelte und etwa drei- bis viermal so viel wie bei einem Facharbeiter. Er ist in den Küstenländern für 177.000 Mitglieder und mehr als 150 Mitarbeiter verantwortlich.

Große Chancen für die Werften sieht der Bezirksleiter der IG Metall Küste im Offshore-Bereich. "Bis 2020 sollen sich auf dem Meer 2000 Windräder drehen, bislang stehen hier nur 50. Für den Betrieb werden weitere Schiffe für die Installation der Anlagen, den Transport von Arbeitern oder die Versorgung der Beschäftigten gebraucht. Wir rechnen damit, dass die Offshore-Industrie 10.000 Jobs an der Küste sichern kann."

(HA)
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