07.02.13

"Ratten der Lüfte"

Zu viele Tauben: "Taubenhäuser" bald auch in Hamburg?

In speziellen Nist-Volieren werden Tauben-Eier gegen "Dummys" getauscht. Das Verfahren zeigt in vielen Städten schon Erfolge.

Foto: DPA
Erfolg bei der Suche nach Tauben-Orientierungssystem
Rund 20.000 Tauben leben in Hamburg. Sogenannte Taubenhäuser könnten helfen, den Bestand auf naturverträgliche Weise zu dezimieren (Symbolbild)

Hamburg. Man nennt sie auch die "Ratten der Lüfte": Rund 20.000 Tauben leben Schätzungen zufolge in Hamburg. An einigen Stellen, wie auf dem Rathausmarkt oder in der Nähe des Altonaer Bahnhofs, flattern besonders viele dieser Vögel herum. Bis zu zwölf Kilogramm Kot hinterlässt eine Taube nach Informationen der Gesundheitsbehörde pro Jahr auf Gehwegen und Mauern. Das sieht nicht nur hässlich aus und stinkt - die im Kot enthaltene Harnsäure zerfrisst auch Steine und korrodiert Metalle.

Daneben stellt Taubenkot auch eine ernstzunehmende Gefahr für die menschliche Gesundheit dar: Er kann Erreger der Papageienkrankheit, der Salmonellose, Kryptokokkose sowie Campylobacter auf den Menschen übertragen. Besonders gefährlich ist das für Kinder und Ältere.

Um die Taubenpopulation zu dezimieren, erwägt die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz die Einführung sogenannter Taubenhäuser. "Das sind Verschläge, in denen die Tauben ihre Nester bauen und ihre Eier legen können", erklärt Erik Pust von der Gesundheitsbehörde. Der Trick an der Sache: Die echten Eier werden durch Kalk-Eier ersetzt, so dass der Nachwuchs ausbleibt.

"Daneben werden die Tauben in solchen Häusern auch betreut", erklärt Erik Pust, "kranke Tauben werden behandelt, so dass die Übertragungsgefahr sinkt." Auch würden die Vögel ihren Kot dann in den Verschlägen hinterlassen, so dass das Stadtbild sauberer würde.

"Die Taubenhäuser sind ein naturverträgliches Verfahren zur Steuerung der Taubenpopulation", meint Marco Sommerfeld, Vogelschutzexperte beim Nabu. "In anderen Städten wurden mit solchen Häusern schon Erfolge erzielt, etwa in Konstanz und Luzern." In Sommerfelds Augen wäre es sinnvoll, Taubenhäuser mit Öffentlichkeitsarbeit zu kombinieren: "Man muss auch noch einmal darauf hinweisen, dass man Tauben nicht füttern darf", meint er. "Wie viele Tauben es gibt, hängt ganz stark davon ab, wie viel Nahrung sie finden."

Wo und wann in Hamburg Taubenhäuser aufgestellt werden, ist allerdings noch nicht klar. "Wir sind derzeit noch in den Gesprächen mit möglichen Partnern, die bereit wären, solche Verschläge auf ihrem Grund aufzustellen", erklärt Erik Pust von der Gesundheitsbehörde.

(fröh)
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