Vergewaltigung auf Friedhof CDU-Rechtsexperte kritisiert Umgang mit Serienvergewaltiger

Foto: Juergen Joost

Es sei "zynisch", dass das Gericht Mark S. einfach aus der Haft entließ, sagte André Trepoll. Seine Senatsanfrage ergab neue Details.

Hamburg. Wie konnte es passieren, dass der als Serientäter bekannte Mark S. einfach auf freien Fuß kam? Nur zehn Tage nach seiner Entlassung aus einer zwölfjährigen Haft hatte er vor rund zwei Wochen eine 65-Jährige auf dem Friedhof Ottensen vergewaltigt – hätte dieses Verbrechen möglicherweise verhindert werden können? Eine Anfrage des CDU-Rechtsexperten André Trepoll an den Senat ergab nun neue, erschreckende Details zum Leben des Täters.

Demnach wurde Mark S. seit 1998 diverse Male verurteilt und verbrachte mehrere Jahre hinter Gittern - unter anderem wegen Diebstahl, schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung. Während seiner Haftzeit soll er laut der Senatsantwort mehrfach negativ aufgefallen sein. Therapie-Angebote habe er ablehnend gegenübergestanden, an Arbeitsangeboten habe er nur mangelndes Interesse gezeigt und aufgenommene Tätigkeiten immer wieder abgebrochen.

Stattdessen hat er nach Bild-Informationen Mithäftlinge angegriffen, Wärter beleidigt, in der JVA Fuhlsbüttel sogar seinen Haftraum zerstört.

Ein Gutachten einer Diplom-Psychologin aus dem Oktober 2012 ergab, "dass mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, dass der Verurteilte nach der Entlassung erneut schwerwiegende sexuelle Gewaltdelikte begehen könnte." Trotzdem wurde Mark S. freigelassen – und fand nur wenige Tage später auf dem Friedhof in Ottensen sein sechstes Opfer.

"Es ist schon zynisch, dass ein Gutachten zum Ergebnis kommt, Mark S. sei höchst gefährlich und könne sehr wahrscheinlich weitere Sexualdelikte begehen, das Gericht jedoch die beantragten Auflagen ablehnt", sagte André Trepoll.

Die Staatsanwaltschaft hatte unter anderem beantragt, Mark S. solle nach Entlassung aus der Haft in psychiatrischer Behandlung bleiben und eine elektronische Fußfessel tragen. Die zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts lehnte diese Anträge aber ab.

"Wir fordern eine lückenlose Polizeiüberwachung, wie bei den ehemaligen Sicherungsverwahrten, um die Hamburgerinnen und Hamburger zu schützen", so Trepoll. Die zuständigen Senatoren Schiedek und Neumann sollten nun die Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass sich so eine Tat nicht wiederholen kann, so Trepoll.