05.02.13

Leitartikel

Geld zeugt keine Kinder

Ein besseres Klima für Familien ist eine mentale Aufgabe, keine materielle

Von Lars Haider
Foto: Andreas Laible
Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts
Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Schon die Begriffe sind seltsam: Von familien- und ehepolitischen Leistungen wird in Deutschland gesprochen, wenn der Staat allen Ernstes versucht, das Paarungsverhalten seines Volkes sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinne zu beeinflussen. Mit Geld beziehungsweise Vergünstigungen, wie man das in Deutschland halt so macht. Als würde sich jemand für oder gegen ein Kind entscheiden, weil er dafür, um mal ein Beispiel zu nennen, 184 Euro im Monat erhält. Absurd!

Mit Geld kann man sich vieles kaufen, aber eben nicht alles, zum Beispiel keine kinder- oder familienfreundliche Gesellschaft.

Genau das ist aber gerade in den vergangenen Jahren versucht worden, vor allem mit der Einführung des Elterngeldes. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Grundsätzlich ist gegen diese Maßnahme schon deshalb nichts einzuwenden, weil sie (hoffentlich) mehr Männer animiert, sich stärker in die Erziehung einzu- und mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.

Wer aber geglaubt hatte, dass sich dadurch die Zahl der Geburten in Deutschland erhöhen würde, sieht sich getäuscht. Strich drunter: Geld zeugt keine Kinder. Und für den Familiennachwuchs sind eben ausnahmsweise mal nicht die Politiker, sondern, der Name deutet es schon an, die Familien zuständig. Also junge Frauen und Männer, die sich für Kinder entscheiden, weil sie sich für Kinder entscheiden. Nicht mehr und nicht weniger.

Das zu steuern oder überhaupt nur zu beeinflussen, ist mehr eine mentale als eine materielle Frage. Denn Menschen werden immer dann mehr Kinder bekommen, wenn sie das Gefühl haben, in einer kinderfreundlichen Gesellschaft zu leben. In einem Land, in dem Familie ein Wert an sich ist, einfach, weil es schön ist, Leben zu schenken und ein (intaktes) Gemeinwesen an nächste Generationen weiterzugeben.

Von diesem Gefühl sind wir gerade in Deutschland weit, zu weit, entfernt. Das hat mehr Gründe, als dieser Text Zeilen hat, und vieles von dem, über das wir in diesen Tagen und Wochen diskutieren, spielt dort hinein: Die (lückenhaften) Betreuungsmöglichkeiten genauso wie Fachkräftemangel, Frauenquoten und nahezu unrettbar verschuldete Länder.

Kommt hinzu, dass unser politisches Führungspersonal zwar für hohe Kompetenz und Leistungsfähigkeit, aber eben nicht für Familie steht. Die wird ausgelagert in ein eigenes Ressort, als ginge es nur um ein Randthema der Gesellschaft und nicht um deren Kernfrage. Denn was sind wir, wenn es uns nicht endlich gelingt, mehr Kinder in die Welt zu setzen? Genau: eine extrem effektive, eifrige Wirtschafts- und Exportnation - aber leider ohne Zukunft.

Nicht umsonst werden mit den Deutschen weltweit vor allem Werte wie Ordentlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit verbunden. Davon kann man leben, sehr gut, wie wir seit Jahrzehnten beweisen. Aber sollte man nur dafür leben? Haben wir die Italiener nicht als Familienmenschen bewundert, die Franzosen für ihre Frauen, die Kinder bekommen und trotzdem arbeiten, und all die anderen Nationen, die viel reicher als wir sind, auch wenn sich das in Euro und anderen Währungen nicht ausdrücken lässt?

Die Wahrheit ist: Wir brauchen weder mehr Geld noch mehr staatliche Leistungen. Was wir brauchen, ist eine Rückbesinnung auf das, was das Leben wirklich ausmacht - und dabei können uns Politiker vor allem auf eine Weise helfen: Indem sie uns möglichst große Freiräume lassen, beziehungsweise wieder verschaffen, und ansonsten vorleben, dass es in diesem Land eben doch noch etwas Wichtigeres gibt als Arbeitsplätze, Exportquoten und regenerative Energien. Wobei von Letzteren wenigstens auch nachfolgende Generationen etwas hätten - wenn es sie denn gibt ...

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