Prozess 4,9 Millionen Euro teurer Oldtimer sucht wahren Besitzer

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Eine Unternehmersfamilie verklagt einen Hamburger Händler auf Herausgabe des Mercedes 500 K Roadster, Baujahr 1935.

Hamburg. Wem ein wertvoller Mercedes-Oldtimer gehört, der im Zweiten Weltkrieg verschwand, soll am Dienstag in zweiter Instanz vor dem Hamburger Oberlandesgericht geklärt werden.

Der Mercedes 500 K Roadster mit Baujahr 1935 hat einen Streitwert von 4,9 Millionen Euro. Die aus der Nähe von Aachen stammende Unternehmerfamilie Prym verklagte laut Gerichtssprecherin Ruth Hütteroth einen Hamburger Oldtimerhändler, der das Auto für einen niederländischen Millionär verkaufen sollte.

Ursprünglich war der Wagen 1935 vom Stolberger Unternehmer Hans Friedrich Prym erstanden worden- seine Vorfahren haben unter anderem den Druckknopf erfunden. Bis 1945 hatte sich der Mercedes im Besitz der Familie befunden. Er diente als Firmenwagen, bevor ihn der Hausherr in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs vor den Nazis versteckte. Bewunderer des Luxusfahrzeugs gab es viele, zu ihnen zählte auch US-Präsident Eisenhower, der sich nicht ohne Grund in Stolberg aufhielt. Denn von Herbst 1944 bis Sommer 1945 wurde der Familiensitz von den US-Truppen als Stützpunkt benutzt. Später galt der Wagen als verschollen.

Erst in der jüngsten Vergangenheit lässt sich die Spur wieder verfolgen. Der niederländische Investor hatte den edlen Mercedes-Klassiker nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" bei einer Auktion im kalifornischen Monterey für 3,8 Millionen Dollar (rund 2,8 Millionen Euro) ersteigert. Auf einer Messe in Essen habe der Investor das Auto demnach wenige Monate später für 4,9 Millionen Euro angeboten. Der Rechtsanwalt der Pryms entdeckte den Wagen im April vergangenen Jahres und veranlasste die Beschlagnahmung.

Seitdem wird das Auto verwahrt, bis der Besitzanspruch geklärt ist. Der Senat des Oberlandesgerichts soll nun prüfen, ob die Luxuskarosse bei Kriegsende gestohlen oder beschlagnahmt wurde.

Wenn das US-Militär den Mercedes beschlagnahmt hätte, müsste er laut Gerichtssprecherin Hütteroth wegen eines Vertrages zwischen Deutschland und den Alliierten nicht zurückgegeben werden. Das Hamburger Landgericht hatte die Forderung der Familie Prym in erster Instanz bereits bestätigt.