25.01.13

Bernhard-Nocht-Institut

Neues Labor forscht an lebensgefährlichen Tropenviren

Hamburger Forscher nehmen lebensgefährliche Tropenviren wie Ebola in einem neuen Hochsicherheitslabor künftig genauer unter die Lupe.

Von Christiane Löll
Foto: dpa
Neues Hochsicherheitslabor im BNI
Die Virologen Lisa Oestereich und Toni Rieger arbeiten mit einem Fluoreszenz-Mikroskop im neuen BSL 4-Labor des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg. In dem neuen Hochsicherheitslabor sollen schon bald die Arbeiten mit genveränderten Viren wie Lassa-,Marburg-, Ebola- oder Krim-Kongo-Viren beginnen

Hamburg. Wenn Lisa Oesterreich künftig mit ihren Versuchen fertig ist, wird sie in ihrem Schutzanzug zur Desinfektion eine Dusche mit stark ätzender Peressigsäure nehmen. Vor den Experimenten hat sie dann mehrere Minuten gebraucht, um sich den weißen Anzug mit eigener Luftzufuhr anzuziehen. "Darunter trage ich ein Funkgerät und ein Headset, damit ich Kontakt zu Ansprechpartnern außerhalb des Labors halten kann. Falls etwas passiert, müssen sie in wenigen Minuten bei mir sein", sagt die Virologin am Freitag im Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin. Die 26-Jährige und ihre Kollegen wollen dort bald die Arbeit in einem Labor der höchsten Sicherheitsstufe nach dem Gentechnikgesetz aufnehmen.

"Seit rund 30 Jahren arbeiten wir mit Viren, die zu lebensgefährlichen Blutungen und Organversagen führen können, nun wollen wir anhand von genveränderten Viren mehr darüber verstehen, warum sie so gefährlich sind", erläutert Prof. Stephan Günther, Leiter der Abteilung Virologie. Dazu gehören Lassa-, Marburg-, Ebola- oder Krim-Kongo-Viren. Das Institut hatte zu einer Presseführung durch das Labor im Erweiterungsbau des BNI geladen.

Bereits im Juli 2009 wurde der Bau mit einer Gesamtgröße von 5000 Quadratmetern über mehrere Stockwerke eröffnet, insgesamt kostete er 33,6 Millionen Euro. Das BSL4-Labor mit der höchsten Sicherheitsstufe nach dem Gentechnikgesetz hat darin eine Fläche von 150 Quadratmetern, es gibt Arbeitsbereiche für fünf Wissenschaftler gleichzeitig. Mehrere Sicherheitsschleusen trennen sie vom Rest des Hauses. Das Labor ist mit Stahlwänden und speziellen Luftfiltern gesichert. Es herrscht Unterdruck, und jeder Schutzanzug wird über blaue Schläuche mit eigener Luft versorgt.

Bislang gibt es in dem Institut am Hamburger Hafen bereits ein Labor mit der sogenannten Schutzstufe 4. "Dort dürfen wir aber nur mit Viren forschen, wie sie in freier Wildbahn zu finden sind", erläutert Günther. Für die Arbeit mit genveränderten (rekombinanten) Viren musste aber das Speziallabor gebaut werden. In Deutschland gibt es bisher nur in Marburg eine solche Einrichtung. Je ein weiteres dieser BSL4-Labore soll am Robert Koch-Institut (RKI, Berlin) und am Friedrich-Löffler-Institut auf der Ostseeinsel Riems entstehen.

Die Arbeit mit genveränderten Viren ist eine Standardtechnik in der Virusforschung, etwa auch bei Grippe-Erregern. "Damit können wir etwas über die Lebensweise der Viren herausfinden und über ihre Interaktionen mit den Körperzellen, in denen sie sich vermehren" sagt Günther. Dafür schalten die Wissenschaftler beispielsweise einzelne Gene im Erbgut der Viren aus, und beobachten, welche Eigenschaften sich verändern. Übergreifendes Ziel ist es, neue Diagnosemittel, Impfstoffe oder Therapien zu entwickeln.

Die Doktorandin Lisa Oesterreich steht nun in den Startlöchern, um mit Lassa-Viren zu arbeiten. "Diese kommen in Westafrika vor und werden über Ausscheidungen von Nagetieren übertragen, die sich Eintritt in die Häuser der Bevölkerung verschafft haben", erklärt Günther. Nach RKI-Angaben können sich Menschen auch bei Erkrankten anstecken, beispielsweise durch Kontakt mit Speichel, Erbrochenem oder Blut. Bei vielen Infizierten tritt Günther zufolge nur Fieber auf, doch in ein bis zwei Prozent der Fälle könne es zu heftigen Blutungen und einem Organversagen kommen.

"Wir arbeiten in Nigeria in einem Krankenhaus, und zählen dort etwa 150 Lassa-Patienten im Jahr, davon stirbt etwa ein Drittel." Es sei schwierig, genaue Fallzahlen zu nennen, unter anderem weil nur wenige Krankenhäuser in Westafrika in der Lage seien, Lassa-Fieber zu diagnostizieren. Geplant sei nun, Gene einer verwandten, aber nicht so gefährlichen Virus-Art mit Genen von Lassa-Viren auszutauschen. "Vielleicht finden wir dann heraus, welche Gene für die gefährlichen Verläufe verantwortlich sind. Wenn alles gut geht, können wir im Februar starten", hofft Günther.

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