25.01.13

Hamburger Altkanzler

Hitzige Debatte um Rauchverbot für Helmut Schmidt

Nach der neuerlichen Beschwerde über den Raucher Helmut Schmidt gibt es Unterstützung für den Altkanzler, aber auch Unverständnis.

Von Elisabeth Jessen und Ulrich Gaßdorf
Foto: HA / A.Laible
Helmut Schmidt
Helmut Schmidt kümmert sich in der Regel nicht um das Rauchverbot. Auf seine Mentholzigaretten will er nicht verzichten

Hamburg. Nicht immer sorgt Post vom Amt für so viele emotionale Reaktionen wie das Schreiben des Bezirks Mitte an die Handelskammer. Denn deren Präses Fritz Horst Melsheimer hatte angeblich nicht verhindert, dass sich Helmut Schmidt während der Preisverleihung des nach ihm benannten Journalistenpreises eine Zigarette anzündete. Das Bezirksamt Mitte forderte Melsheimer deshalb auf sicherzustellen, dass in den Räumen seines Einflussbereichs der Nichtraucherschutz gewahrt bleibe.

Dieser amtliche und zudem ungerechte Rüffel - wie sich herausstellte, war die angezeigte Veranstaltung noch nicht einmal in der Handelskammer, sondern im Atlantic über die Bühne gegangen - sorgte am Donnerstag für Leserreaktionen wie selten. Wenn sich der Altkanzler über das Rauchverbot hinwegsetzt, dann sind viele Hamburger der Meinung, man solle den Mann einfach rauchen lassen.

"Man kann den Rechtsstaat auch ins Absurde treiben", sagt Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, zu dem Behördenschreiben. Aus Respekt und Höflichkeit vor den Verdiensten des Altbundeskanzlers solle man Helmut Schmidt rauchen lassen.

Das sieht Volker Neukamm ganz anders: "Ich finde es eine Unverschämtheit, dass ein ehemaliger Bundeskanzler meint, sich über Gesetze hinwegsetzen zu können." Der 49-jährige Hamburger ist Vorsitzender und Gründungsmitglied des Vereins Nichtraucherschutz Hamburg und kämpft seit mehr als 20 Jahren für rauchfreie Restaurants, Schulen und öffentliche Gebäude. "Wer rauchen will, soll rauchen, aber nur dort, wo er damit niemanden stört."

Er sei es aber nicht gewesen, der die Behörden informiert habe, sagt Neukamm, "ich würde so etwas nicht tun, aber es gibt in unserem Verein unterschiedliche Ansätze". Seinen Angaben zufolge gibt es einen Wiesbadener, der Helmut Schmidt bei den Behörden gemeldet hatte, als dieser in der Winterhuder Komödie bei einem Empfang geraucht hatte. "Es ist immer der gleiche Beschwerdeführer", sagt dazu Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirks Mitte.

Die allermeisten Hamburger scheinen sich aber mit dem Rauchverbot arrangiert zu haben. So gingen bei den sieben Bezirken im Jahr 2010 noch 239 Beschwerden ein, im vergangenen Jahr waren es 102. Das gilt auch für die Anzahl der Verstöße, die die Bezirke selber festgestellt haben: Diese lagen 2010 noch bei 246, 2012 waren es dann noch 52. Allerdings fehlen aus zwei Bezirken noch die vollständigen Angaben für das vergangene Jahr.

Volker Neukamm, der Vorsitzende des Nichtrauchervereins, verweist auf die Erfolge, die es im Kampf gegen den Qualm in den vergangenen Jahren gegeben hat.

"Ein Riesenerfolg ist, dass heute ausgeschildert wird, wo geraucht werden darf. Früher gab es dort Schilder, wo es verboten war. Das hat sich umgekehrt." Während das Rauchverbot auf großen Bahnhöfen, wo es kleine Raucherecken gebe, weitgehend eingehalten werde, sei das an S-Bahn-Stationen noch anders, bemängelt er. "Dort ist es zwar komplett verboten, aber da halten sich oftmals Fahrgäste nicht dran."

Den Vorwurf, Nichtraucher seien Sektierer, weist er zurück: "Die Beeinträchtigungen durch Rauch sind massiv. Meine Lebensqualität hat sich so was von verbessert."

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