Hamburg Kriminologe: Angst vor Jugendgewalt ist unberechtigt

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Der Erziehungswissenschaftler spricht von Einzelfällen, nicht von Trend. Inzwischen werde schon früh "aufmerksam hingeschaut".

Hamburg. Der Hamburger Kriminologe und Erziehungswissenschaftler Jens Weidner hat dem Eindruck einer zunehmend gewaltbereiten Jugend widersprochen. Die wachsende Angst in der Gesellschaft vor immer brutaler zuschlagenden jungen Männern sei nicht angebracht und werde durch aufbauschende Medienberichterstattung über Einzelfälle geschürt, sagte Weidner. "Sie lässt sich aber statistisch durch nichts rechtfertigen."

Für die Zukunft äußerte sich der Leiter des "Deutschen Instituts für Konfrontative Pädagogik" in Hamburg sogar optimistisch. Aus der Sozialpädagogik und der Psychologie seien in den vergangenen Jahren erfolgreiche Methoden zum Umgang mit Gewalttätern entwickelt worden. Das von ihm entwickelte Anti-Aggressivitäts-Training werde vielfach als Alternative oder Ergänzung zum Strafvollzug angewandt.

Der Täter erfahre dabei als Person Wertschätzung. Gleichzeitig werde er für seine Taten ins Kreuzfeuer genommen, betonte der Professor: "Die Argumente, mit denen er die Gewaltausbrüche rechtfertigt, werden infrage gestellt und widerlegt." Fast Zwei Drittel derer, die wiederholt durch Gewalttaten aufgefallen seien, würden nach einem sechsmonatigen Anti-Aggressivitäts-Training nicht wieder rückfällig.

Darüber hinaus gebe es auch in der frühen Prävention, etwa bei der Erziehungshilfe für Eltern immer mehr erfolgversprechende Ansätze. "Tatsächlich hatten fast alle Gewalttäter auch eine gewalttätige Kindheit, in der die Liebe gefehlt hat", sagte Weidner. Deshalb sei es wichtig, früh vorzubeugen. Anders als noch vor wenigen Jahren sei es mittlerweile auch Konsens, dass schon Kleinigkeiten geahndet und öffentlich gemacht werden müssten. Dazu gehöre etwa auch das Mobbing in der Schule: "Die Politik, die Sozialverbände, die Schulen und auch die Kirchen schauen heute deutlich aufmerksamer hin."