22.01.13

Altona

Der Sonnabend-Protest gegen die Privatisierung

Initiative in Altona protestiert seit einem Jahr gegen Verkauf von öffentlichem Grund jedes Wochenende in der Fußgängerzone. Bald gibt sie auf - vorerst.

Von Axel Tiedemann
Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius
Johannes Kohl und Dörte Schmidt-Reichard
Johannes Kohl und Dörte Schmidt-Reichard demonstrieren, wie wuchtig der Neubau werden soll

Hamburg. Am 13. Februar ist Schluss. Dann wollen sie hier zum letzten Mal ihren kleinen Stand aufbauen: den Campingtisch mit dem Modell und den blauen Klötzchen, die zeigen sollen, wie wuchtig hier an der Großen Bergstraße mitten auf einem öffentlichen Platz jetzt gebaut werden soll. Seit einem Jahr schon stehen Johannes Kohl und Dörte Schmidt-Reichard von der Anwohnerinitiative "Anna Elbe" dort jeden Sonnabendvormittag. Die Klötzchen anheben, sie wieder aufs Modell setzen, um Vorher- und Nachher-Situationen darzustellen. Vom Ausverkauf des öffentlichen Raumes reden sie dann. Davon, wie getrickst werde, um die Bevölkerung hinters Licht zu führen. Etwa, wenn am schönen bunten Ikea-Baustellenschild gegenüber eine Sonne zu sehen ist, die im Norden aufgeht. "So wird es nie aussehen", sagt Dörte Schmidt-Reichard, und man hört Zorn in ihrer Stimme.

Ein Zorn, der vor drei Jahren aufkeimte. Bei einem Spaziergang an der Elbe entdeckten sie und Johannes Kohl am Wanderweg eine Tafel, die über das Wirken des legendären Altonaer Bausenators Gustav Oelsner in den 1920er- und 30er-Jahren informiert, der den Elbwanderweg geschaffen hatte und dazu Grundstücke und private Parks von der Stadt zurückkaufen ließ, damit sie für die Öffentlichkeit zugänglich sind. "Und nun macht es die Stadt genau andersherum", sagt Schmidt-Reichard.

Bei der Diskussion um die alte Seefahrschule auf dem Elbhang traten sie und "Anna Elbe" vor drei Jahren erstmals in Erscheinung. Der Protest zeigte Wirkung. Zwar wurde das Grundstück verkauft, aber die Seefahrtschule wenigstens blieb erhalten und ist nun zu einer Architekturakademie umgebaut worden, auf einem Teil des Grundstücks werden Luxuswohnungen gebaut. "Genau das, was die Stadt braucht", heißt es ironisch auf der Internetseite von "Anna Elbe". Den Verkauf der Villa Katharinenhof im Baurs-Park durch die Stadt, die Bebauung von einst öffentlichem Grund auf der sogenannten Sichelfläche am Elbhang mit den leeren Bürotürmen davor - das sind weitere Themen der Initiative

Zu ihr gehört ein knappes Dutzend Anwohner aus Altona, meist jenseits der 40 und mit sehr unterschiedlichen Berufen, wie Schmidt-Reichard sagt. Sie selbst ist selbstständige Programmiererin, Kohl ist freiberuflicher Grafiker. Politisch aktiv waren die beiden Endvierziger vorher nicht, sagen sie. Doch irgendwann gab es dieses Gefühl, dass man sich einmischen müsste. "Anna Elbe" ist zwar eine kleine Gruppe, die sich Gehör verschafft. Doch sie ist auch Teil eines ganzen Netzes von Initiativen, die sich derzeit in die Bezirkspolitik einmischen. Und nerven? "Nein, nein", versichert der Vorsitzende des Altonaer Planungsausschusses, Mark Classen (SPD), auf Nachfrage. "Dieser Protest gehört dazu und ist auch notwendig", sagt er und klingt ein wenig wie jemand, der versucht, Dauerregen irgendwie nützlich zu finden.

Denn tatsächlich sind Leute wie Dörte Schmidt-Reichard auch in den meisten Ausschüssen und Anhörungen immer dabei, fragen nach, stellen Anfragen, schicken Mails, sammeln Unterschriften. Im Fall der Bergspitze konnten sie erreichen, dass sich der Oberbaudirektor Jörn Walter auf ihre Seite schlug. Sechs Geschosse hoch plus ein Staffelgeschoss wird das schachtelartige Wohn- und Geschäftshaus, das weit in den öffentlichen Platz hineinragen wird. Doch die Bezirkspolitik konnte sich mit ihrem politischen Einfluss bis in die Senatsebene durchsetzen. Nun wird so gebaut, wie sie und das Unternehmen es ausgehandelt hatten. Der Plan für viele neue Wohnungen und ein großes Geschäft können nur in dieser Größe funktionieren, so das Argument. Damit ist nun auch für Dörte Schmidt-Reichard und Johannes Kohl Schluss mit dem Protest gegen die Bergspitze. "Irgendwann macht man sich lächerlich, trotzdem war der Protest gut, man ist zufriedener, wenn sich etwas bewegt", sagt sie. Gut möglich also, dass sie bald wieder mit einem Infotisch vor Ort ist - wenn in Altona erneut öffentlicher Grund verkauft werden soll.

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