21.01.13

Hamburg

Genossenschaftschef König: "Kleingeistige Energiepolitik"

Handwerker kritisieren den Streit um die energetische Haussanierung. Der Genossenschaftschef Volker König fordert Steuervorteile.

Von Volker Mester
Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius
MEGA eG
Bringt Farbe ins Leben: Volker König, Vorstandschef der Mega eG, die Farben und Dämmstoffe vertreibt und 250 Mitarbeiter in Hamburg beschäftigt

Hamburg. Für den Chef einer Genossenschaft, die mit so bodenständigen Dingen wie Wandfarben und Dämmstoffen handelt, hat Volker König ehrgeizige Pläne. "Wir wollen den Umsatz von aktuell rund 350 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 auf 500 Millionen Euro steigern", sagt er. Damit würde nach seiner Schätzung die Zahl der Beschäftigten der Hamburger Mega eG von derzeit 1500 Personen - 280 von ihnen arbeiten in der Hansestadt - auf 2400 bis 2500 Personen zunehmen. Und doch stellt dies nach den Worten von König keinen abrupten Wachstumssprung dar: "Das wäre eine lineare Fortsetzung unserer Entwicklung seit 1990. Wir planen sehr langfristig."

Die Mega wurde im Jahr 1901 in Hamburg von einer Handvoll Handwerkern gegründet und gehört heute mehr als 5600 selbstständigen Maler-, Stuckateur- und Bodenlegermeistern. Mit gut 100 Standorten im gesamten Bundesgebiet und einem Marktanteil oberhalb von 30 Prozent ist das Unternehmen einer der drei größten Anbieter der Branche neben dem Wärmedämmungsspezialisten Sto und dem Farbenhersteller Brillux.

Im Februar steht ein wichtiger Meilenstein auf dem weiteren Wachstumspfad an: Die Genossenschaft nimmt dann in Hannover ein neues Zentrallager in Betrieb, das für 20 Millionen Euro errichtet wurde. Auf einer Lagerfläche von 18 000 Quadratmetern warten Dämmmaterialien, Farben und Bodenbeläge auf die Auslieferung an die Kunden unter den Handwerkern.

Im abgelaufenen Jahr habe Mega den Umsatz um knapp drei Prozent gegenüber 2011 gesteigert, sagt König. Er räumt jedoch ein, zuvor noch mit einem kräftigeren Zuwachs gerechnet zu haben. Ein wesentlicher Grund dafür, dass dieses Plus nicht erreicht werden konnte, liege in dem "Stillhalten" bei der energetischen Sanierung: Am Widerstand der Bundesländer ist kurz vor Jahresende 2012 eine von der Bundesregierung gewünschte steuerliche Förderung solcher Arbeiten gescheitert. "Jetzt wird dies zum Wahlkampfthema, obwohl es im politischen Streit eigentlich nichts verloren hat", sagt König. Denn Energieeffizienz sei ein "Megatrend ohne Vergleich". Schließlich seien Einsparungen ein wichtiges Element der Energiewende - und mehr als 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfallen nun einmal auf den Betrieb von Gebäuden. "Aktuell wird jährlich weniger als ein Prozent des Wohngebäudebestands energetisch saniert", erklärt König. "Es müssten aber zwei Prozent sein, sonst wird die Bundesregierung die langfristigen Klimaschutzziele nicht erreichen können." Der Mega-Chef hält es für "kleingeistig" und "absolut fahrlässig", dass man wegen des Streits zwischen Bund und Ländern um wenige Hundert Millionen Euro - Beträge, die weit hinter den Mehrkosten für die Elbphilharmonie oder den Berliner Flughafen zurückständen - die Chance verspiele, die Sanierungsquote deutlich anzuheben.

"Warum sollte man nicht jede Klimaschutzmaßnahme von der Steuer absetzen dürfen?", fragt König. Er ist sich zwar bewusst, dass man bemängeln könnte, von einer solchen Regelung würden jene profitieren, die Immobilien besitzen und damit ohnehin zu den Vermögenderen gehören. "Aber das Argument zieht nicht, denn das Geld geht im wirtschaftlichen Kreislauf ja nicht verloren." Im Gegenteil, so König: "Eine Million Euro Steuernachlass löst Investitionen von drei Millionen Euro aus."

Zudem fördere eine solche Maßnahme die Wirtschaft im Inland und schaffe Jobs für Menschen, die sich eine praktische Tätigkeit wünschen: "Schließlich kann und will nicht jeder Rechtsanwalt oder Vorstand werden. Es gibt aber viele, die clever sind und hart arbeiten." In diesem Zusammenhang kritisiert König auch die Vorschrift, wonach öffentliche Aufträge oberhalb eines bestimmten Volumens europaweit ausgeschrieben und an den günstigsten Anbieter vergeben werden müssen - und das seien häufig Firmen, die schlecht bezahlte Arbeitskräfte aus Osteuropa einsetzen. "Dadurch entsteht kein Einkommen hier vor Ort", sagt der Mega-Chef. Für städtische Auftraggeber mache es eigentlich mehr Sinn, dafür zu sorgen, dass heimische Unternehmen zum Zuge kommen und Handwerker aus der Region beschäftigt werden, "damit mehr Menschen hier für sich selbst sorgen können."

Generell aber gehe es dem Handwerk gut. Und das werde wohl auch in den nächsten Jahren so bleiben, sagt König. Gerade in Metropolen wie Hamburg nehme die Nachfrage nach Wohnraum zu, weil es immer mehr Menschen in die urbanen Zentren ziehe und der Wohnflächenbedarf pro Person jedes Jahr um ein Prozent steige. Hinzu komme: "Schon wegen der Finanzkrise wollen die Menschen in ihre Immobilie investieren."

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