20.01.13

Turbulenzen

Hamburger erleben Todesängste über Lissabon

Wegen eines heftigen Unwetters musste ein Airbus aus Hamburg gleich zweimal in Lissabon durchstarten. Pilot gab keine Informationen.

Von Florian Heil
Foto: REUTERS
An Airbus A320 passenger jet of Colombia's Avianca airlines passes by a TAP Portugal plane at Guarulhos International Airport in Sao Paulo
Ein Aiebus der portugiesischen Fluggesellschaft TAP

Diesen Tag werden die Passagiere des Flugs TP 567 der portugiesischen Fluggesellschaft TAP so schnell nicht vergessen. Am Sonnabend sollte der Flieger um 6 Uhr morgens von Hamburg aus nach Lissabon starten - und das tat er auch, trotz des Streiks am Vortag sogar pünktlich. Doch das Glück über den reibungslosen Ablauf beim Abflug sollte nur wenig später Todesängsten weichen.

Nach knapp drei Stunden setzte der Pilot in Lissabon zum Landeanflug an, begleitet von heftigen Turbulenzen. Was von den Passagieren niemand wusste: Starke Unwetter mit Windböen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde hatten in Portugal bereits beträchtliche Zerstörungen angerichtet und Menschenleben gefordert. Ein solcher Sturm hatte die iberische Halbinsel seit zehn Jahren nicht mehr heimgesucht. Informationen aus dem Cockpit - Fehlanzeige. "Niemand wusste was los ist. Einige Frauen haben sich im Flugzeug übergeben, andere lagen quer über den freien Sitzen, da der Kreislauf schlapp machte", berichtete die Eppendorferin Verena Soll, die sich mit ihrem Mann auf dem Weg in den Urlaub befand.

Einige hundert Meter über dem Boden brach der Pilot die Landung dann ab und startete die Maschine durch. "Es war totenstill. Niemand sagte etwas. Viele hatten Angst um ihr Leben, da wir immer noch keinerlei Informationen bekommen hatten", sagte Soll. Erst auf dem Weg ins benachbarte Porto, wohin der Airbus 320 aufgrund des Unwetters umgeleitet wurde, klärten die Flugbegleiter die Passagiere nach und nach auf.

Doch die Tortur war damit noch nicht vorüber. In Porto durften die Passagiere den Flieger während des zweistündigen Aufenthaltes nicht verlassen, da keine Busse verfügbar waren. Dann startete der Pilot erneut in Richtung Lissabon. Doch auch der zweite Landeversuch wurde abgebrochen, erneut startete die Maschine knapp über dem Boden durch. Nach einer weiteren Schleife über der Hafenstadt gelang es dem Piloten, den Airbus im dritten Versuch unter heftigen Wacklern sicher zu landen.

"Die Erleichterung war zwar groß, das ganze heil überstanden zu haben. Doch unser Weiterflug nach Miami konnte leider nicht warten", sagte Soll. Andere Hamburger traf es noch härter: Sie hatten in New York eine Kreuzfahrt gebucht - dieser Urlaub fiel dem Wetter in Portugal komplett zum Opfer.

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