17.01.13

Heimfeld

Schach-Turnier per Internet: So spielt Heimfeld mit Taiwan

Die Gegner waren 9000 Kilometer weit voneinander entfernt. Die Schüler aus Hamburg gaben beim XiangQi gegen Gegner in Asien alles.

Von Friederike Ulrich
Foto: Friederike Ulrich
Schachlehrer Jürgen Woscidlo (l.) , der taiwanesische Kulturbeauftragte Chen Keh-miin und die Schüler der Grumbrechtstraße
Schachlehrer Jürgen Woscidlo (l.) , der taiwanesische Kulturbeauftragte Chen Keh-miin und die Schüler der Grumbrechtstraße

Im Computerraum der Grundschule Grumbrechtstraße fand am Donnerstag eine Weltpremiere statt. Zum ersten Mal in der Jahrtausende alten Geschichte des chinesischen XiangQi, des populärsten Schachspiels der Welt, wurde gestern ein Schülerwettkampf zwischen Deutschland und Taiwan ausgetragen. Die Bedeutung dieses Events wurde durch die Anwesenheit von Chen Keh-miin unterstrichen, der als eine Art Hamburger Konsul verantwortlich für den Kulturaustausch ist.

Während in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh junge Spieler des renommierten "Schach-Kulturvereins der Republik China (Taiwan)" vor den Rechnern sitzen, sind es im rund 9000 Kilometer entfernten Hamburg, genauer gesagt, in der Grumbrechtstraße die zehn Teilnehmer der schuleigenen Schach AG.

Der sechsjährige Hasan ist der jüngste, die elfjährige Melanie die älteste. Um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit werden die Eröffnungszüge gespielt, bei den Gegnern ist es bereits 20 Uhr abends. Theoretisch könnten sie müde sein – das wäre ein Vorteil für die Hamburger Schüler.

Doch schnell zeigt sich, dass die Taiwanesen ihnen trotzdem haushoch überlegen sind: Für manche sind beide Partien bereits nach wenigen Spielzügen entschieden. "Das macht nichts, Dabeisein ist alles", sagt Jürgen Woscidlo, Leiter der Schach AG und Initiator des Wettkampfs. "Außerdem ist XiangQi in China ein Volkssport, den die Kinder meist noch vor der Schule lernen."

Normalerweise wird das Spiel hüben wie drüben an Brettern mit Spielfiguren gespielt. Ein bunt bemaltes, in 64 Felder unterteiltes Brett steht mitten im Heimfelder Computerraum, mit selbstgebastelten Figuren. Sie ähneln denen unseres Schachs, doch gibt es Soldaten statt Bauern, von Pferden gezogene Wagen statt Türme, Elefanten statt Läufer, der König ist ein General und hat keine Dame, sondern zwei Leibwächter und zusätzlich zwei Kanonen. Manche der Figuren bewegen sich wie unsere, andere haben einen anderen Radius. Gezogen wird nicht von Feld zu Feld, sondern auf den Schnittpunkten der Linien. Der größte Unterschied besteht in der Schnelligkeit des Spiels. Es ist meist nach wenigen Minuten beendet – sogar bei Wettkämpfen in China dauern Partien selten länger als eine Viertelstunde.

Während manche der Harburger Schüler schnell besiegt sind, kämpfen andere hartnäckig. Elias, Ahmed, Florian und Hilal etwa bieten ihren Gegnern lange Paroli. Einen Sieg kann am Ende aber nur einer verbuchen: Der zehnjährige Rijul, der damit fast in die Fußstapfen seines Landmanns, dem indischen Schachweltmeister Vishy Anand, tritt.

Für ihn und die anderen Schüler von Jürgen Woscidlo, der auch in einer Kita Schach unterrichtet, wird es nicht der letzte virtuelle Wettkampf gewesen sein. Der Schachexperte hat ihnen auch Shogi (Japan), Makruk (Thailand), Co Tu Lenh (Vietnam) und türkisches Schach beigebracht. Im März findet ein Turnier gegen eine türkische Privatschule statt, auch mit Burma und Kuba hat Woscidlo Kontakt aufgenommen. Seine Vision ist, mit dem Schachexperten René Gralla ein Turnier im Libanon auszurichten, mit jüdischen und palästinensischen Schülern. "Durch gemeinsames Spielen", sagt er, "lässt sich Hass am Besten überwinden."

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