17.01.13

Airport

Streik: Am Hamburger Flughafen droht Chaos

Gewerkschaft Ver.di fordert 14,50 Euro Stundenlohn. Streik der Sicherheitspersonals schon in den nächsten Tagen geplant.

Von Steffen Preißler
Foto: dpa
Sicherheitspersonal streikt an deutschen Flughäfen
Fluggäste warten am Flughafen in einer langen Schlange vor der Personenkontrolle

Hamburg. Den Reisenden am Hamburger Flughafen drohen in den nächsten Tagen ein Chaos bei der Abfertigung und stundenlange Verspätungen. Die Gewerkschaft Ver.di hat am Mittwoch rund 600 Mitarbeiter des Sicherheitspersonals zu einem Streik aufgerufen.

"Die Arbeitsniederlegung werden wir zeitnah organisieren, um unseren Forderungen in den laufenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen", sagte der Fachbereichsleiter der Gewerkschaft, Peter Bremme, dem Abendblatt. Während es im Dezember lediglich zu einem zweistündigen Warnstreik in Fuhlsbüttel gekommen war, kündigt Bremme jetzt einen "ganztägigen Streik" an, der mehrere Schichten an den rund 20 Kontrollstellen im Flughafen betreffen kann.

Ohne Sicherheitscheck von Fluggästen und Gepäck kein Abflug: Die 600 Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma übernehmen im Auftrag der Bundespolizei die Kontrollen. Von dem Streik können 15.000 bis 20.000 Passagiere pro Tag bei 220 bis 230 Starts betroffen sein. "Die Fluggäste werden empfindlich getroffen, weil sie ihren planmäßigen Abflug verpassen", sagt der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Denn die Maschinen fliegen zwar wie vorgesehen, aber wahrscheinlich mit weniger Passagieren. "Die Folge wird ein riesiger Stau an den Umbuchungsschaltern sein", sagt Schellenberg. "Die Fluggäste müssen sich darauf einstellen, dass sie ihr Ziel erst Stunden oder gar einen Tag später erreichen." Im Dezember konnten durch den Warnstreik nur vier der 20 Sicherheitskontrollen geöffnet werden.

Hausmeister schon im Warnstreik

Am Donnerstagmorgen machten schon die Hausmeister in Fuhlsbüttel ernst. Die 160 Beschäftigten der Real Estate Maintenance Hamburg (RMH) wollen von sieben bis neun Uhr die Arbeit niederlegen, teilte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag mit. Die Tarifverhandlungen mit der Tochtergesellschaft des Hamburger Flughafens seien ins Stocken geraten. Ein sogenanntes Schlussangebot des Arbeitgebers werde von den Beschäftigten abgelehnt. Die Techniker, Schlosser, Elektriker und Schreiner am Flughafen wollen eine Erhöhung ihrer Löhne um 140 Euro im Monat durchsetzen.

Ver.di fordert 14,50 statt 11,80 Euro

Beim Sicherheitspersonal will Ver.di in den Tarifverhandlungen einen Stundenlohn von 14,50 Euro durchsetzen. Bisher verdienen die Beschäftigten, die eine spezielle Ausbildung gemacht haben, 11,80 Euro. Der Arbeitgeberverband Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) hat eine Lohnerhöhung von 5,9 Prozent angeboten, wie Geschäftsführerin Cornelia Okpara sagt: "Das ist - gemessen an den bisherigen Tarifabschlüssen in der Wirtschaft - ein ordentliches Angebot. Wir haben den Eindruck, dass Ver.di auf Konfrontationskurs gehen will."

Bremme bestreitet dies: "Die angebotenen 12,50 Euro sind für uns nicht akzeptabel, denn in Nordrhein-Westfalen wurde bereits ein Stundenlohn von 13,50 Euro durchgesetzt." Okpara verweist dagegen darauf, dass der Ausgangslohn in NRW bereits höher als in Hamburg gewesen sei. "Wir sind nach wie vor verhandlungsbereit und haben für Januar zwei Termine angeboten", sagte Okpara. Ein neues Angebot wurde Ver.di nicht gemacht.

Die Gewerkschaft will neben höheren Löhnen auch bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen: Viele Beschäftigte könnten nur in Teilzeit arbeiten und müssten ihren Lohn aufstocken. Die Zahl der Arbeitsstunden reicht nach Ver.di-Angaben je nach persönlicher Situation von 80 bis 160 monatlich.

"Wer Sicherheit am Flughafen will, der muss auch Löhne zahlen, die zum Leben reichen", sagt Bremme. "Jetzt bleibt uns nur noch der Arbeitskampf, um unsere Forderungen durchzusetzen." 60 Prozent der Beschäftigten sind in der Gewerkschaft organisiert. Am 10. Dezember hatten sich von 120 Mitarbeitern der Schicht etwa 100 an dem Warnstreik beteiligt.

Mit Material von dpa

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