Wilhelmsburg Bayer ist erster Bewohner der Hamburger Bauausstellung

Foto: Klaus Bodig

Tobias Bergmann ist ein Pionier und das Quartier, das derzeit als Neue Mitte Wilhelmsburgs entsteht, gilt als "innovativstes Europas".

Hamburg. Noch sind seine einzigen Nachbarn Maurer, Maler, und Zimmermänner - jedenfalls tagsüber. Nachts ist er dann ganz allein. Denn Tobias Bergmann ist ein Pionier - der 41-Jährige ist der erste Bewohner auf dem Gelände der Internationalen Bauausstellung (IBA). Das Quartier, das derzeit als Neue Mitte Wilhelmsburgs entsteht, gilt als "innovativstes Europas".

Die Häuser tragen Namen wie Smart Material Houses, WaterHouses oder Hybrid Houses, haben Fassaden aus Wärme gewinnenden Algen, individuell gestaltbare Grundrisse, stehen im Wasser oder sind komplett aus Holz. Die neue Heimat von Tobias Bergmann ist ein 90-Quadratmeter-Loft in einem Smart Price House. Über eine Wendeltreppe geht es hoch zur Dachterrasse. Von hier aus hat er alles im Blick, was ihn an Wilhelmsburg fasziniert: den großen Inselpark, die Hochhäuser hinten am S-Bahnhof und Wald und Natur.

Vor zehn Jahren ist der gebürtige Bayer aus beruflichen Gründen von Berlin nach Hamburg gezogen. Sein Ziel: Eimsbüttel. "Damals war noch Bewegung im Stadtteil", sagt er. Mittlerweile sei es ihm dort aber zu langweilig. "Die Lebensqualität ist hoch, es gibt einen schönen Wochenmarkt und nette Cafés, aber es passiert nichts mehr", sagt Bergmann. Von Wilhelmsburg und den rasanten Veränderungen durch Bauausstellung und Gartenschau erfuhr der Chef einer Unternehmensberatung erst vor einem Jahr, als er beruflich im Stadtteil zu tun hatte. Er war sofort begeistert.

Die Idee, sich eine Altbauwohnung im Reiherstiegviertel zu nehmen, verwarf er. "Es wäre die klassische Gentrifizierung gewesen: Geschäftsführer macht Luxussanierung", sagt Bermann. Er entschied sich für ein neues Gebäude. Dass die Miete höher als in Eimsbüttel ist, nahm er in Kauf. "Jetzt bin ich zwar Bestandteil der Gentrifizierung, kann sie aber positiv gestalten und meinen Beitrag zu der Entwicklung des Stadtteils leisten", sagt er. Lange wird er nicht mehr der einzige Bewohner im Viertel sein: Ende Januar sollen die ersten Nachbarn einziehen.