Bergedorf Hunderttausende für die Umsiedlung eines Winzlings

Foto: TVR-News / Ira Richling

Weil sich die Zierliche Tellerschnecke in die Planungen eines Logistikparks eingeschlichen hat, sollen die Tiere umgesiedelt werden.

Hamburg. Eine winzig kleine Schnecke lässt die Kosten im Eiltempo in die Höhe schnellen. Weil das besonders geschützte "Weichtier des Jahres 2011" sich in die Planungen eines Logistikparks als Hinderungsgrund eingeschlichen hat, soll die Zierliche Tellerschnecke (Anisus vorticulus) umgesiedelt werden. Von einem Graben in einen anderen.

Und das kostet. Allein mehr als 200.000 Euro hat der Bezirk Bergedorf an Kosten für Vermessung, Gutachten, Planung, Entwässerung und "vertiefte biologische Untersuchungen" veranschlagt. Und diese Kosten entstehen im Vorwege, ohne dass eines der Tierchen wirklich umgesiedelt wurde.

Die Umsiedlung kostet dann noch mal knapp 150.000 Euro. Das funktioniert dann natürlich nicht so wie bei Grundschülern, die im Graben mit Gurkengläsern Wasserflöhe fangen - nein: Der Schnecke wird ein richtiges Monitoring (eine Art verschärftes Beobachten) zuteil. Was pro Monat mehr als 4000 Euro aus dem Bergedorfer Bezirksetat kostet.

Gutachter und Biologen sollen bis zum Jahr 2016 herausfinden, wie sich die nur fünf Millimeter kleinen Winzlinge entwickeln und ob ihnen der neue Wohnort auch schmeckt. Und ob es dort ihre Lieblingsspeise - mikroskopisch kleine Algen - gibt. Zu diesem Zweck wurden im vergangenen Jahr testweise 600 Schnecken in Gräben in den Vier- und Marschlanden umgesetzt. Und zwar heimlich, denn Bergedorf hat zwar die bundesweit größte Population der Tierchen mit dem linksgewundenen Gehäuse, doch man wittert bei Offenlegung der Standorte Gefahr von Menschen, die so fasziniert sind, dass sie vergessen, wie bedroht die Schnecke ist.

Wegen der hohen Kosten hat der Bezirk Bergedorf die Gutachter am heutigen Mittwochabend in den Stadtplanungsausschuss eingeladen. "Die sollen Rede und Antwort stehen, wie die Kosten zustande kommen", sagt Uwe Czaplenski, der als Dezernatsleiter für Wirtschaft, Bau und Umwelt im Amt nicht nur den weichen Tieren zugetan ist, sondern auch den harten Fakten. Er sei es leid, dass die hohen Kosten immer dem Amt angekreidet werden.

Die Zierliche Tellerschnecke wird davon nichts mitbekommen, denn sie hat sich wie jeden Winter tief in den Schlamm eingebuddelt.