04.01.13

Hamburger Kliniken

"Der Arztberuf wird immer unattraktiver"

Bewerbungen gehen auch in Hamburgs Kliniken zurück. Kammer fordert bessere Bedingungen, damit nicht noch mehr Mediziner ins Ausland gehen.

Von Julia Witte
Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de
Dr. Frank Ulrich Montgomery
Frank Ulrich Montgomery, Radiologe im UKE und Präsident der Bundesärztekammer sowie der Ärztekammer Hamburg, hält Klinikärzte für unterbezahlt

Hamburg. Deutschland steuert auf einen Ärztemangel zu. Nach aktuellen Zahlen sind rund 6000 Medizinerstellen in Krankenhäusern nicht besetzt. Konkrete Daten für Hamburg gibt es nicht, in der Regel steht die Hansestadt aber als Metropole besser dar als der Durchschnitt. Dennoch beobachtet die Hamburgische Krankenhausgesellschaft, der Dachverband der hier ansässigen Kliniken, dass es auch in der Hansestadt schwieriger geworden ist, Mediziner für den Dienst im Krankenhaus zu finden. So würden inzwischen beispielsweise Ausschreibungen längst nicht mehr nur in Norddeutschland verbreitet, sondern bundesweit, sagt eine Sprecherin des Verbands.

"Lange geht das nicht mehr gut. Harte Versorgungsdaten belegen, dass die personellen Lücken in der ambulanten und stationären ärztlichen Versorgung immer größer werden", sagt Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes- und der Hamburger Ärztekammer. Hamburg sei vom Ärztemangel nicht so stark betroffen wie ländliche Regionen, sagt Montgomery. "Es ist nicht so, dass wir eine Unterversorgung fürchten müssen, die sich in der Schließung von Krankenhäusern oder einzelner Klinikabteilungen äußert." Aber es sei in Hamburger schwieriger geworden, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.

"Zwar gehen auch in Hamburg die Bewerbungen von Ärzten nach unseren Informationen zurück, aber von einem Ärztemangel kann aktuell kaum die Rede sein", sagt Rico Schmidt, Sprecher der Gesundheitsbehörde. "Hamburg ist als Stadt wie auch als Gesundheitsstandort sehr beliebt."

Ärztekammerchef Montgomery allerdings glaubt, dass sich die Kliniken der Hansestadt nicht allein darauf verlassen sollten. "Die Krankenhausträger sind gefordert, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen." Unter dem Strich bilde Deutschland genug Mediziner aus, sagt Montgomery, "aber wir beobachten, dass viele gut ausgebildete Kräfte ins Ausland abwandern oder nicht als Ärzte arbeiten, weil die Bezahlung in Deutschland zu schlecht ist."

Viele Krankenhäuser haben das erkannt, bieten Ärzten Sonderkonditionen für schwierig zu besetzende Stellen an oder bilden Nachwuchs gleich selbst aus, wie es die Asklepios-Kliniken in Hamburg mit ihrer Medical School tun. Im Sommer 2012 machten die ersten Studenten dort ihren Abschluss.

Attraktiv für deutsche Ärzte, die ins Ausland gehen wollen, sind insbesondere die skandinavischen Länder und die Schweiz. Die Lücke, die die jungen Mediziner in Deutschland hinterlassen, schließen auch immer mehr Ärzte aus dem Ausland. Besonders gefragt sind einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts zufolge Fachärzte für Innere Medizin und Anästhesisten.

In Berlin und in Teilen Nordrhein-Westfalens hat der Ärztemangel, so berichten es die dortigen Ärztekammern, bereits dazu geführt, dass so viele Ärzte aus dem Ausland in den Kliniken arbeiten, dass die Verständigung mit den Patienten nicht mehr richtig klappt. In manchen Kliniken sei nur noch ein Drittel des ärztlichen Personals deutsche Muttersprachler.

In Hamburg scheint dieses spezielle Phänomen noch nicht angekommen zu sein. Verständigungsprobleme seien hier unbekannt, sagt beispielsweise Peter Claußen, Sprecher der Hamburger Schön Klinik. Das Krankenhaus in Eilbek befragt seine Patienten regelmäßig. Aus den vergangenen Jahren sei kein einziger Fall bekannt, in dem von Problemen wie in Berlin oder Nordrhein-Westfalen berichtet worden sei, sagt Claußen.

Die Klinik sehe in der unterschiedlichen Herkunft ihrer Mitarbeiter daher vielmehr große Chancen als Probleme. Von den 1600 Mitarbeitern der Klinik hätten viele ihre Wurzeln in anderen Ländern. "Diese Kollegen sprechen aber sehr gut Deutsch und helfen gerade bei Patienten mit geringen Deutschkenntnissen aus beziehungsweise bieten spezielle Therapien an", sagt Claußen. So gibt es in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses einen türkischstämmigen Therapeuten, der sich speziell um die Behandlung von türkischen Migranten kümmere.

"Wir haben in Hamburg keine Klagen über Ärzte, die zu wenig Deutsch sprechen", sagt auch Ärztekammerpräsident Montgomery. Dennoch plädiert er dafür, dass Problem nicht kleinzureden. "Es gibt inzwischen einen europaweiten Markt für Ärzte, sodass in Zukunft wahrscheinlich mehr Ärzte aus dem Ausland in Deutschland arbeiten werden."

Darauf müsse man reagieren, sagt Montgomery - beispielsweise indem man für diese Mediziner an den Kliniken Deutschkurse anbiete. "Skandinavien macht es vor", so Montgomery. Ausländische Ärzte bekommen dort als Allererstes einen dreimonatigen Sprachkursus bei vollen Bezügen. "So muss das bei uns auch geregelt sein", glaubt der Ärztekammerpräsident.

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